Strohmayer, Alois (Aloys) (1822–1890), Violinist und Komponist

Strohmayer Alois (Aloys), Violinist und Komponist. Geb. Lichtental, NÖ (Wien), 27. 4. 1822 (Taufdatum); gest. Wien, 16. 3. 1890; röm.-kath. Sohn des Privatlehrers Martin S., der mit Franz Schubert (s. d.) in der Lichtentaler Kirche musiziert hatte, Vater von Anton S. (s. d.). – S., ein ausgez. Geiger, schrieb als 17jähriger erste klass. Kompositionen, bevor er zur Volksmusik wechselte. Zunächst in der Sänger- und Musikges. Vogel, S., Schwarzinger und Grünner, 1839 mit Gäutner und Schütz als „steirische National-Sänger“ sowie mit Josef Sperl und Josef Weidinger in Neulerchenfeld (Wien 16) tätig, führte S. später verschiedene eigene Ensembles mit den besten Volksmusikanten seiner Zeit: das National-Quartett und -Quintett Dänzer und S., das Nußdorfer Terzett S., das Nußdorfer Quartett Gebrüder Butschetty und S. sowie das Quartett Mayer und S. Die Bedeutung S.s für die Geschichte der Wr. Volksmusik liegt darin, im National-Quartett nicht nur die Schrammel-Quartett-Besetzung mit G-Klarinette (dem „picksüßen Hölzl“, alternativ dazu Flöte), zwei Geigen und Kontragitarre vorweggenommen, sondern in seinen über 200 überlieferten Kompositionen auch schon die gesamte Bandbreite der späteren Schrammelmusik (Tänze, Walzer, Märsche, Polkas) vorgelegt zu haben. Neben Anton zählte auch S.s Sohn Karl S. (1858–1945) zu den besten Kontragitarristen Wiens und bildete mit seinen Söhnen Rudolf, Josef und Alois das S.-Quartett. Rudolf S. (1882–1964) wurde überdies als hervorragender Harmonika-Virtuose und Komponist von Heurigenmärschen sowie der populären Slibowitz-Polka bekannt.

L.: oeml (Familienartikel); Rathaus-Korrespondenz, 26. 9. 1972; L. Böck, in: Das Heimatmus. Alsergrund, 1981, H. 86, S. 1ff. (m. B.); M. Egger, Die „Schrammeln“ in ihrer Zeit, 1989, s. Reg.; Wien. Musikgeschichte 1, Volksmusik und Wienerlied, ed. E. Th. Fritz – H. Kretschmer, 2006, s. Reg. (m. B.).
(E. Weber)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 421
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