Stross, Emanuel (1841–1913), Großhändler

Stross Emanuel, Großhändler. Geb. Hradischko, Böhmen (Hradišťko, Tschechien), 24. 10. 1841; gest. Wien, 15. 10. 1913; mos. Vater von Rudolf, Onkel von Walter S. (beide s. u.). – S. lebte ab 1860 in Ägypten und gründete 1865 mit seinem Bruder Leopold S. die Fa. Brüder S. in Kairo sowie Geschäfte in Alexandria (1868), Wien (1882) und Budapest. Nach Leopolds Tod 1884 wurde der Firmensitz von Kairo nach Alexandria verlegt. Neben einem weiteren Bruder, Gustav S., traten 1900 auch S.’ Söhne Rudolf, Karl und Dr. Oskar S. (geb. Alexandria, Osman. Reich/Ägypten, 17. 9. 1875; gest., 18. 9. 1959), Arzt und späterer Hon.-Konsul für Ägypten, Palästina und Syrien, als Ges. in die Fa. ein. Das Unternehmen, das 1913 Waren im Wert von 231.000 ägypt. Pfund importierte, die zu einem beachtl. Teil aus Großbritannien stammten, entwickelte sich zu einem der wichtigsten Import- und Handelshäuser Ägyptens; 1916 wurde es von den Engländern aufgelöst. S., Mitbegründer der Österr.-ung. HK, machte sich in Ägypten auch durch die Förderung einer Zweigstelle des K.-Franz-Joseph-Asyls, des österr.-ung. Rudolf-Spitals, der österr.-ung. Wohltätigkeitsges. und der dt. Schule in Alexandria verdient. Dort war er einer der drei Repräsentanten der HK, beisitzender Richter des gemischten Gerichtshofs und Munizipalrat. 1893 Ritter des Franz Joseph-Ordens, 1908 Orden der Eisernen Krone III. Kl., Kommandeur des osman. Medjidie-Ordens. Sein Sohn, der Unternehmer Rudolf S. (geb. Alexandria, 16. 2. 1872), besuchte die Schule in Wien, diente im Landwehr-IR 5 in Triest und kehrte 1894 nach Ägypten zurück. Er war Ehrenschatzmeister der 1908 gegr. internationalen HK in Kairo, Dir. der österr.-ung. Wohltätigkeitsges. und Administrator des österr.-ung. Rudolf-Spitals. 1903 Ritter des Franz Joseph-Ordens, Träger des osman. Medjidie-Ordens. S.’ Neffe Walter S. (geb. Bagni di Lucca, Italien, 5. 9. 1882; gest. Bardia/Bardīyah, Libyen, 27. 8. 1937; Unfall), Sohn des Stadtrats von Alexandria Adolf S., besaß ein Bauunternehmen in Ägypten, das u. a. die Villa des Prinzen Ali Ibrahim, den Sitz der Kgl. Ing.-Ges. in Kairo und das Hotel „King David“ in Jerusalem baute. 1908 zum Sachverständigen für Bauwesen beim k. u. k. Konsulat in Alexandria bestellt, wurde er dort 1928 österr. Hon.-Konsul. Walter S. errichtete im Auftrag der ägypt. Regierung 1924–30 zahlreiche Brücken und war 1936 an der Neuerrichtung der Kuppel der Mohamed Ali-Moschee in Kairo beteiligt.

L. (tw. auch für Rudolf und Walter S.): NFP, 16. 10. 1913 (Parte); Twentieth Century Impressions of Egypt, ed. A. Wright, 1909; F. Hübsch, Der österr.-k. Orden der Eisernen Krone und seine Mitgl., 1912, S. 159, XV (m. B.); R. Agstner, Von der Konsularagentie zum österr. Gen.konsulat Österr.(-Ungarn) in Alexandrien 1763–1993, 1993, S. 73, 216f., 257f.; ders., Die österr.-ung. Kolonie in Kairo vor dem Ersten Weltkrieg, 1994, S. 73, 253; R. Mabro, in: Observatoire urbain du Caire contemporain 43, 1996, S. 33f.; WStLA, Wien. – Rudolf S.: R. Agstner, Das österr.-ung. Rudolf-Spital („ospedale Rodolfo“) in Kairo, 1995, S. 46. – Walter S.: NFP, 29. 8. 1937.
(J. Mentschl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 424f.
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