Strouhal, Vincenc (Čeněk) (1850–1922), Physiker

Strouhal Vincenc (Čeněk), Physiker. Geb. Seč bei Chrudim, Böhmen (Tschechien), 10. 4. 1850; gest. Praha, Tschechoslowakei (Tschechien), 23. 1. 1922. Sohn eines Häuslers. – S. besuchte ab 1861 das Gymn. in Königgrätz (Hradec Králové) und stud. ab 1869 Mathematik, Physik, u. a. bei Ernst Mach, und Astronomie, u. a. bei Hornstein (beide s. d.), an der Univ. Prag; 1876 Dr. phil. 1872–75 als Ass. an der Prager Sternwarte, u. a. bei A. J. F. Seydler (s. d.), tätig, wirkte S. 1875–76 auf Empfehlung Machs als Ass. des Experimentalphysikers Friedrich Kohlrausch an der Univ. Würzburg. 1878 veröff. er in den „Annalen der Physik und Chemie“ seine Abh. „Ueber eine besondere Art von Tonerregung“, mit der er sich 1877 an der Univ. Würzburg für Experimentalphysik habil. hatte. In dieser Arbeit untersuchte er die sog. Friktionstöne, die bei einer gleichmäßigen Bewegung von zylindr. Körpern (Drähten oder Röhren) in der Luft entstehen. S. beschrieb die Beziehung zwischen der Friktionstonhöhe, der relativen Zylinder- und Luftgeschwindigkeit und dem Zylinderdurchmesser. In seiner Formel definierte er eine Konstante, die als dimensionslose Zahl ein wichtiger Parameter beim Stud. der Strömung von Flüssigkeiten und Gasen ist. Diese S.-Zahl (nach modernen Messungen 0,198) stellt das Verhältnis zwischen der Frequenz von Wirbelablösungen hinter dem umströmten Körper und dem Anteil der Umströmungsgeschwindigkeit sowie der charakterist. Körperabmessung dar. In Würzburg arbeitete S. gem. mit dem Amerikaner Carl Barus an Experimentalstud. zu elektr. und magnet. Stahleigenschaften. Ihre Ergebnisse veröff. sie u. a. in den Monographien „The Electrical and Magnetic Properties of the Iron-Carburets“, 1885, bzw. „Ocel a její vlastnosti galvanické a magnetické“, 1892. 1882 o. Prof. für Experimentalphysik an der tschech. Univ. Prag, errichtete S. 1908 ein modernes physikal. Inst., förderte den Unterricht von Experimentalphysik für Studenten der Naturwiss., Pharmazie und insbes. der Med. und verf. mit seinen Ass. ein modernes tschech. Lehrbuch, „Fysika experimentální“, 2 Bde., 1897–98. Für den Ver. tschech. Mathematiker, in dem er sich als Vortragender bes. engagierte, publ. S. die Ser. „Mechanika“ (1. Ausg. 1901, 2. Ausg. gem. mit Bohumil Kučera 1910), „Akustika“ (1902), „Thermika“ (1908) und gem. mit Vladimír Novák „Optika“ (1919). Mit seinen Ass. führte S. erste Untersuchungen mit Röntgenstrahlen in den böhm. Ländern durch. 1888–89 Dekan der phil. Fak. der tschech. Univ., 1889–90 Prodekan, 1903–04 Rektor und 1904–05 Prorektor der Univ., 1921 i. R. S. war u. a. ab 1881 ao., ab 1899 o. Mitgl. der kgl. böhm. Ges. der Wiss., ab 1890 ao., ab 1914 o. Mitgl. der mathemat.-naturwiss. Kl. der böhm. Akad. der Wiss. und Kunst, Mitgl. des Ver. tschech. Mathematiker und Physiker, der Med.-naturwiss. und Chem. Ges. in Würzburg, der Physikal. Ges. in Berlin und der Eichkomm. in Wien. 1898 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Kl., 1900 HR.

Weitere W.: Beitrr. für Annalen der Physik und Chemie, Bulletin of the United States Geological Survey, American Journal of Science; etc.
L.: Otto; Otto, Erg.bd.; Časopis pro pěstování matematiky a fysiky 39, 1910, S. 369ff. (m. B.), 49, 1920, S. 263ff., 51, 1922, S. 225ff.; V. Posejpal, in: Rozhledy matematicko-přírodovědné 1, 1922, S. 234ff.; V. Novák, in: Almanach České akad. věd a umění 33, 1923, S. 85ff. (m. B.); J. Beneš, in: Pokroký matematiky, fysiky a astronomie 2, 1957, S. 415ff.; Z. Horák, in: Československý časopis pro fysiku 20, 1970, S. 317ff.; J. Folta – E. Těšínská, in: Dějiny věd a techniky 12, 1979, S. 1ff.; E. Strouhal, in: Pokroky matematiky, fyziky a astronomie 42, 1997, S. 57ff.; E. Těšínská, ebd., S. 74ff.; E. Strouhal, ebd. 46, 2001, S. 128ff.; E. Těšínská, ebd., S. 134ff.; Akad. věd České republiky, UA, beide Praha, Tschechien.
(E. Těšínská)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 425f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>