Stubenrauch, Philipp von (1784–1848), Maler, Kupferstecher, Kostümbildner und Lithograph

Stubenrauch Philipp von, Maler, Kupferstecher, Kostümbildner und Lithograph. Geb. Wien, 16. 7. 1784; gest. ebd., 5. 10. 1848; röm.-kath. Sohn des Reichshofratsagenten Johann Michael, Onkel von Mori(t)z (s. d.), verwandt mit Leopold v. S. (s. u.). – S. stud. ab 1803 an der Wr. ABK unter Füger (s. d.), arbeitete ab 1809 als Kostümzeichner des Wr. Hofburgtheaters und ab 1810 als Kostüm- und Dekorationsdir. beider Hoftheater in Wien. Neben Kostümbildern schuf er Szenen aus dem Wr. Volksleben, Karikaturen, Landschaften sowie militär. Darstellungen: So erschien 1821 nach seinen Zeichnungen die „Darstellung der k. k. österreichischen Armee, nach der neuesten Adjustierung“ (mit Lithographien u. a. von H. J. Mansfeld und J. Kriehuber, beide s. d.), 1826 folgte „Der Costüm-Ball am Schlusse des Carnevals 1826“ (mit Stichen von F. Xav. Stöber, s. d.). Zudem sind von ihm mehrere Radierungen (u. a. nach Heinrich Friedrich Füger und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein) nachgewiesen. Ab 1816 wurden in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ Modebll. von S., gestochen von Stöber, veröff. Stilist. ist bei ihm keine Berührung mit Füger, wohl aber mit dem international tätigen und anläßl. des Wr. Kongresses auch in Wien ansässigen Miniaturisten Jean-Baptiste Isabey feststellbar. Zu S.s wichtigsten Leistungen als Entwerfer zählt der prunkvolle Ornat des Ordens der Eisernen Krone; 1815/16 wurden 100 Stück hergestellt. Außerdem kreierte S. 1830 den Mantel des österr. Kaiserornats für Franz II. (I.) (s. d.); drei von ihm signierte Bll. mit Entwürfen dafür werden in der Wr. Schatzkammer aufbewahrt. 1838 führte der Stickereimeister Johann Fritz nach Vorlagen von S. den Krönungsornat Ferdinands I. (s. d.) für Lombardo-Venetien aus (Schatzkammer, Wien). S. gilt als einer der besten Modekenner sowie Schilderer des Wr. Vormärz. Der mit ihm verwandte Maler, Graphiker und Kunsterzieher Leopold v. S. (geb. Baden, NÖ, 1. 7. 1869; gest. Reichenau/Reichenau an der Rax, NÖ, 30. 4. 1945; röm.-kath.) stud. nach Besuch der Oberrealschule 1890–95 Kupferstecherei an der Wr. ABK und unterrichtete anschließend an Gymn. in Wien, Nikolsburg (Mikulov) und Mähr. Schönberg (Šumperk). Bes. Bedeutung erlangte er als Illustrator naturwiss. Werke.

Weitere W.: Kostüme der k. k. National- und der anderen privil. Theatern in Wien, 1806ff.; Kostüme der k. k. Hoftheater und des privil. Theaters an der Wien, 1810–11; etc.
L.: ADB; Czeike; Fuchs, 19. Jh.; Kosch, Theaterlex.; Thieme–Becker; Wurzbach; C. Bodenstein, Hundert Jahre Kunstgeschichte Wiens 1788–1888, 1888; E. Esser, Das Figurinenwerk Ph. v. S.s, phil. Diss. Wien, 1951; H. Fuchs, Die österr. Bildnisminiatur 2, 1982; H. Fillitz, Die Schatzkammer in Wien, 1986, S. 186ff.; G. Berger, Chinoiserien in Österr.-Ungarn, 1995, S. 145, 356f.; M. Jahn, Die Wr. Hofoper von 1810–36, 2007, s. Reg.; ABK, Wien. – Leopold v. S.: Fuchs, Erg.Bd.; Jb. der Wr. Ges.; F. C. Heller, Die bunte Welt, 2008, S. 373; ABK, Wien; Pfarramt St. Stephan, Baden, NÖ.
(W. Telesko)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 437f.
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