Studnička, Alois (1842–1927), Technologe, Graphiker und Lehrer

Studnička Alois, Technologe, Graphiker und Lehrer. Geb. Janow bei Soběslau, Böhmen (Janov, Tschechien), 6. 2. 1842; gest. Sarajevo, Kg.reich der Serben, Kroaten und Slowenen (Bosnien und Herzegowina), 9. 9. 1927. Sohn eines Lehrers, Bruder von Franz (František) Josef S. (s. d.). – Nach Besuch der dt. Realschule in Tabor (Tábor) und der tschech. in Prag begann S. 1861 am polytechn. Inst. in Prag darstellende Geometrie, Mathematik und Physik zu stud., reiste zur Weltausst. nach London (1862), nach Hamburg und besichtigte Berliner Handwerksbetriebe. Sein Stud. brach er bald darauf ab, um Náprstek (s. d.) beim Aufbau seines Ind.mus. in Prag und seiner Ausst.tätigkeit zu unterstützen. Von diesem nach England, Holland und Irland entsandt, erwarb S. dort Kenntnisse des Fabriks- und des Musealwesens. 1866/67 stud. er als ao. Hörer neuerl. am polytechn. Inst., wo er 1869 auch kurze Zeit Ass. für mechan. Technol. war. 1867–71 unterrichtete er techn. Fächer an der Hauptgewerbeschule in Smichow (Praha), besuchte anschließend die Malerakad. in Prag und lehrte nach Ablegung der staatl. Prüfung aus Zeichnen und darstellender Geometrie (1872) an der Tschech.-slaw. Handelsakad. und an einer Realschule. Zudem leitete er Fortbildungsschulen des Gewerbever., hatte u. a. die Aufsicht über die Prager Gewerbeschule und war zwei Jahre lang Dir. der typograph. Schule. 1886 wurde S. mit der Errichtung der ersten Staats-Handwerkerschule in Jaroměř beauftragt, die unter seiner Leitung einen ausgez. Ruf erlangte. 1893 vom gem. Finanzminister Kállay v. Nagy-Kálló (s. d.) nach Bosnien-Herzegowina entsandt, gründete er dort Fachschulen für Tischler, Schmiede, Schlosser u. a. und leitete die Landes-Handwerkerschule in Sarajevo. Zudem arbeitete er einen Zeichenlehrplan für die bosn. Landesschulen aus. 1908 i. R. S. veröff. zahlreiche, teils in andere Sprachen übers. Publ., Unterrichtsmaterialien und Hilfsmittel zu den Themen Zeichnen, Kalligraphie, darstellende Geometrie und Ornamentik, gab die Fachz. „Český kreslíř“ heraus und entwarf Schriftarten. Seine prakt. Ästhetik „Grundlagen der schönen Form“ (1898) erschien auch auf kroat., französ. und russ. Daneben war er Red. des Arbeiterbl. „Dělník český“ und 1875–93 Verleger und Hrsg. der „Listy průmyslové“. Darüber hinaus organisierte er Ausst. gewerbl., volkskundl., künstler. u. a. Inhalts, beschäftigte sich als einer der ersten mit Völkerkde. und Volkskunst und begründete im Náprstek-Mus. eine Smlg. von Nationaltrachten. Verdienste erwarb er sich auch um die Verbreitung der Nähmaschine in Böhmen und um die Schaffung einer tschech. Terminol. in den Sparten Zeichnen, Tischlerei und Schmiedehandwerk. Er besaß diverse Patente (Pflug, Ventilationsofen, Schultafeln etc.). S. war Sekr. der techn. Sektion des Prager Gewerbever., Mitgl. der Budweiser HK und Ehrenmitgl. vieler gewerbl. Ver. Zu seinen Schülern zählte der Maler František Kupka.

W. (auch s. u. Otto; Studnička): Šicí stroje, 1864; Anfangsgründe der gewerbl. Schriften-Malerei, 1891; Schullandkarten; zahlreiche Beitrr. in Z.; etc.
L.: Otto (m. W.); Otto, Erg.Bd.; Rieger; Toman; Wurzbach; M. Němcová, František Josef S. 1836–1903, 1998, S. 11ff.; A. Studnička, Žádost za propůjčení stolice mechanické technol. při vysokém učení technickém v Praze, o. J. (m. W.).
(J. Valicek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 439
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