Studnička (Studniczka), Franz (František) Josef (1836–1903), Mathematiker und Geograph

Studnička (Studniczka) Franz (František) Josef, Mathematiker und Geograph. Geb. Janow bei Soběslau, Böhmen (Janov, Tschechien), 27. 6. 1836; gest. Prag, Böhmen (Praha, Tschechien), 21. 2. 1903. Bruder von Alois (s. d.), Vater des Histolog. an den Univ. Brünn und Prag Franz Karl S. (1870–1955). – S. besuchte das Gymn. in Neuhaus (Jindřichův Hradec) und stud. ab 1857 Physik an der Univ. Wien; 1861 Dr. phil. Nach Ablegung der Lehramtsprüfungen für Mathematik und Physik 1861 lehrte er am Gymn. in Budweis (České Budějovice). 1864 Ass. in Prag, folgte er 1866 G. Skřivan (s. d.) als Mathematikprof. am Prager Polytechnikum nach und erhielt 1871 die Professur für Mathematik an der Prager Univ. Nach deren Teilung lehrte er an der tschech. Univ.; 1882–89 Dekan der phil. Fak., 1888–89 Rektor der Univ., wurde unter seiner Ägide ein mathemat. Inst. errichtet. S. befaßte sich mit höherer Mathematik, insbes. mit Trigonometrie, Differential- und Integralrechnung, darüber hinaus mit Algebra und der Theorie der Funktionen. Als ausgez. Pädagoge bearb. er nicht nur Lehrbücher für höhere Mathematik, sondern verbreitete in Böhmen die neuesten Entwicklungen der Mathematik. Ebenso veröff. S. 1869 Logarithmentafeln in Taschenformat, die auch in verschiedenen anderen Sprachen bis Anfang des 20. Jh. wiederholt hrsg. wurden. Er befaßte sich auch mit Physik, bes. mit Akustik, Botanik und Astronomie. S. verf. die ersten tschech. Lehrbücher für physikal. Geographie, „Všeobecný zeměpis čili astronomická, matematická a fysikální geografie“, 3 Bde., 1881–83, für Kartographie und Meteorol. Im Rahmen des Komitees für die naturwiss. Erforschung Böhmens baute er ein enges Netz von Niederschlagsmeßstationen auf, deren Meßwerte er in seiner Monographie „Základové dešťopisu Království Českého“, 1886 publ. Daneben bearb. er Stichworte für „Ottův slovník naučný“ (1888–1909), zu dessen Hauptred. er zählte, verf. populärwiss. Artikel und organisierte 1901 die Prager Feierlichkeiten zum 300. Todestag von Tycho Brahe. S. war Mitgl. mehrerer Ver. und ausländ. Ges., u. a. der Jednota českých matematiků a fyziků, deren Vorsitz er 1874–77 innehatte, des Zoolog.-Botan. Ver., der k. k. geograph. Ges. in Wien und der kgl. böhm. Ges. der Wiss. 1890–91 Gen.sekr. der böhm. Akad. der Wiss.

Weitere W.: s. u. Němcová.
L.: Otto; Wurzbach; V. Švambera, in: Sborník České společnosti zeměvědné 2, 1896, S. 28ff.; A. Pánek, F. J. S., 1904; L. Nový u. a., Dějiny exaktních věd v českých zemích, 1961, s. Reg.; M. Němcová, F. J. S. …, 1998 (m. B. u. W.); K. Krška – F. Šamaj, Dějiny meteorol. v českých zemích a na Slovensku, 2001, S. 85f., 89; J. Martínek, Geografové v českých zemích 1800–1945 (biografický slovník), 2008 (m. B.); UA, Wien.
(J. Martínek)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 439f.
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