Studyn'skyj (Studziński), Kyrylo (Cyryl); Ps. (I.) Ławryn, K. Wiktoryn, K. Zorian (1868–1941), Literaturhistoriker und Politiker

Studyn’skyj (Studziński) Kyrylo (Cyryl), Ps. (I.) Ławryn, K. Wiktoryn, K. Zorian, Literaturhistoriker und Politiker. Geb. Kipiaczka, Galizien (Kyp”jačka, Ukraine), 4. 10. 1868; gest. vermutl. Juni 1941 (umgekommen). Enkel des RR-Abg. Stepan Kaczała (1815–1888), Sohn eines griech.-kath. Pfarrers, Schwiegersohn des Komponisten und Politikers Anatol Vachnjanyn (1841–1908). – Nach Besuch des Gymn. in Tarnopol (Ternopil’) 1878–83 und des Akadem. Gymn. in Lemberg (L’viv) 1883–87 stud. S. Theol. an der Univ. Lemberg, 1889–91 in Wien, anschließend Stud. der Phil.; 1894 Dr. phil. Danach setzte er seine Stud. in Berlin, Kiew, Moskau und St. Petersburg fort. Ab 1886 publ. er regelmäßig Beitrr. in Lemberger und Krakauer Ztg. und Z. 1895–97 unterrichtete S. als Supplent Ukrain. und Poln. am Gymn. in Lemberg. Nach seiner Habil. an der Univ. Krakau (1896) wirkte er dort ab 1897 als Priv.Doz. für ukrain. Sprache und Literatur und bis 1899 als Lehrer am Jan-Sobieski-Gymn., danach an der Bildungsanstalt für Lehrerinnen. 1900 ao. Prof. für kirchenslaw. Sprache und Literatur an der Univ. Lemberg, 1908–18 und 1939–41 o. Prof., zuletzt auch Prorektor. S. setzte sich für die Zweisprachigkeit der Lemberger Univ. und ab 1907 für eine eigene ukrain. Univ. ein. Bis 1914 war er Red. der Tagesztg. der christl.-sozialen Partei „Ruslan“ und 1914–37 gem. mit Ivan Kryp’jakevyč, Jaroslav Hordyn’skyj und Vasyl’ Simovyč der „Zapysky Naukovoho Tovaryštva imeny Ševčenka“. Nach der Gründung der Westukrain. Volksrepublik 1918 Nationalratsabg. der christl.sozialen Partei, war er während des poln.-ukrain. Kriegs 1919 in Baranów (Baranów Sandomierski) und Dąbie interniert, nachdem er den Treueid auf den poln. Staat verweigert hatte. 1921–22 Vors. des ukrain. Nationalrats. 1923 trat er der ukrain. Arbeitspartei Ukrajins’ka partija nacional’noij roboty bei, bis 1925 Führungsmitgl. 1924 k. M. der Akad. der Ukrain. Wiss. in Kiew, wurde ihm 1933 wegen „konterrevolutionärer Tätigkeit“ die Mitgliedschaft entzogen. Als ihn 1935 die Moskauer Tagesztg. „Izvestija“ der Spionage für den poln. Geheimdienst beschuldigte, rehabilitierte dies seinen Ruf in Polen. Nach der sowjet. Besetzung von Lwów (L’viv) trat er 1939 der Volksversmlg. der Westukraine bei und wurde zu deren Vors. ernannt. Im selben Jahr wurde ihm die Mitgliedschaft der Akad. der Wiss. wieder zuerkannt. 1940 erhielt S. ein Abg.mandat zum Obersten Sowjet der ukrain. Sowjetrepublik. Bei der Evakuierung Lembergs vor dem dt. Angriff im Juni 1941 kam er unter ungeklärten Umständen ums Leben. S. veröff. ca. 500 Abhh. und wiss. Essays über die russ. Literatur des 17. und 18. Jh. und die ukrain. des 19. Jh., außerdem die für die Geschichte der ukrain. Nationalbewegung wichtigen Erinnerungen seines Schwiegervaters, „Spomyny z žyttja“ (1908). 1899 o. Mitgl. der Ševčenko-Ges. für Wiss., 1923–32 deren Vors. und 1935 Vors. der phil. Sektion, 1923 k. M. des Slovenský Ústav in Prag, 1925 Mitgl. der Hist. Sektion der Komm. für die Geschichte der Westukraine, 1929 o. Mitgl. der Ukrain. Akad. der Wiss. und Leiter von deren Komm. für Neuere Literatur.

Weitere W. (auch s. u. PSB): Ein Bild des geistigen Lebens Kleinrusslands im 16. und 17. Jh. mit bes. Hervorhebung der Kal.frage, phil. Diss. Wien, 1894; Charakterystyka i geneza poetycznych utworów A. Metlińskiego, 1897; Korespondecija J. Holovac’koho v litach 1850–62, 1905; Ze studiów nad literaturą polemiczną, 1905; Do istoriï vzajemyn Halyčyny z Ukraïnoju, 1906; Z lystiv P. Kuliša do Om. Partyc’koho, 1908; Łvivśka duchowna Semynaryja v časach M. Šaškevyča (1829–43), 1916; Halyčyna i Ukraïna v lystuvanni 1862–84, 1931; etc.
L.: PSB (m. W. u. L.); V. Doroshenko, K. S., 1928; Enc. ukrajinoznavstva 8, 1976; U pivstolitnich zmahannjach. Vybrani lysty do K. S. …, ed. O. W. Hajoka u. a., 1993; S. Pacholkiv, Emanzipation durch Bildung. Entwicklung und gesellschaftl. Rolle der ukrain. Intelligenz im habsburg. Galizien (1890–1914), 2002, S. 175ff., 259; U. Jedlinska, K. S. 1868–1941, 2006; J. Dorosh, K. S.: dokumenty, spohady, svitlyny, 2008; UA, Wien; Deržawnyj Archiv Lvivskoji Oblasti, L’viv, Ukraine; Mitt. Andreas Kappeler, Alois Woldan, beide Wien.
(M. Nadraga – I. Nawrocka - K. Weisswasser)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 441
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