Stuflesser, Ferdinand d. Ä. (1855–1926), Bildhauer, Kunstgewerbler und Unternehmer

Stuflesser Ferdinand d. Ä., Bildhauer, Kunstgewerbler und Unternehmer. Geb. St. Ulrich, Tirol (Ortisei, Italien), 19. 12. 1855; gest. ebd., 9. 10. 1926. Sohn des Bildhauers Johann Ev. S. (geb. St. Ulrich, 22. 3. 1821; gest. Marseille, Frankreich, 28. 11. 1857, ermordet), der gem. mit seinem Bruder einen Vertrieb für Holzspielzeug führte, Vater des Bildhauers Johann S. (1883–1958), Großvater des Bildhauers Ferdinand S. d. J. (1914–1998). – S., früh Halbwaise, erlernte die Bildhauerei zunächst in der Familie und bildete sich um 1880 bei J. Knabl (s. d.) in München weiter. Bereits 1875 hatte er in St. Ulrich eine Bildhauerwerkstätte eröffnet, die später zur Altarwerkstatt ausgebaut wurde und zahlreiche Kirchen der Monarchie mit Einrichtungsgegenständen in historisierenden Stilen belieferte. Der Betrieb zählte 16 Bildhauer, acht Tischlermeister sowie Verzierungsbildhauer – wobei ein ca. 15 m hoher Arbeitsraum das Arbeiten am aufgestellten Objekt gestattete – und ca. 100 Bildhauer und Ornamentikschnitzer, die Heimarbeit leisteten. Die Fa. „Ars Sacra 1875 Ferdinand Stuflesser“ erhielt ihre Aufträge nicht nur aus dem Gebiet der Monarchie, sondern aus der ganzen Welt und ist in einer Fülle von gezeichneten Altarprojekten dokumentiert, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – alle zur Ausführung gelangten (z. B. Altäre in Oberrasen/Rasun di Sopra, um 1900, in der Bozner Franziskanerkirche, der Bozner Lorettokapelle, in St. Josef in Rungg/Ronchi sowie in der Pfarrkirche in St. Ulrich). Kanzeln fertigte S. u. a. für die Kirche in Montan (Montagna) und S. Gioacchino ai Prati in Rom; vor dem 1. Weltkrieg belieferte er auch Kirchen der Wolgadeutschen in der Diözese Tiraspol. Mehrfach arbeitete er für den Kapuzinerorden: So schuf die Fa. 1890 für das Kloster in Mals (Malles Venosta) einen Grablieger, vier Jahre später eine Lourdesmadonna, 1899 eine neunteilige Weihnachtskrippe und 1902 verschiedene Statuen. Die umfassendste Arbeit steht in der Kapuzinerkirche von Neumarkt (Egna), wohin die Fa. 1894 zwei neue Seitenaltäre in Eichenholz und eine Herz-Jesu-Plastik sowie 1898 den Hochaltar und die Kanzel lieferte. S. wurde zum päpstl. Hoflieferanten ernannt und für seine Verdienste mit dem Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice ausgez.

L.: Thieme–Becker; W. Moroder-Lusenberg, Markt St. Ulrich im Grödentale, 1908, S. 55, 63, 68; A. Missong, Hl. Wien, 1933, S. 127, 201; Kunst in Vbg. 1900–50, Bregenz 1976, S. 182 (Kat.); Kunst des 19. Jh. 4, bearb. C. Wöhrer, 2000; E. Egg – H. Menardi, Das Tiroler Krippenbuch, 2. erweiterte Aufl. 2004, s. Reg.; E. Perathoner Bergmeister, Grödner Krippenschnitzkunst, 2004, S. 41f.; Website Fa. Ars Sacra 1875 F. S. (m. B., Zugriff 17. 2. 2010); Mitt. Robert Stuflesser, Ortisei/St. Ulrich, Italien.
(L. Andergassen)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 446f.
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