Széchényi von Sárvár und Felsővidék, Imre Gf. (1825–1898), Diplomat und Großgrundbesitzer

Széchényi von Sárvár und Felsővidék Imre Gf., Diplomat und Großgrundbesitzer. Geb. Wien, 15. 2. 1825; gest. Budapest (H), 11. 3. 1898. Enkel von →Ferenc Gf. S. v. S. u. F., Sohn von Lajos Gf. S. v. S. u. F. (s. u.) und Franziska Gfn. S. v. S. u. F., geb. Gfn. Wurmbrand-Stuppach (1797–1873); ab 1865 verheiratet mit Maria Alexandra Gfn. S. v. S. u. F., geb. Gfn. Sztáray-Szirmay. – S. erhielt Privatunterricht und legte 1838–43 seine Prüfungen an der Rechtsakad. in Preßburg ab. Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er dank der Beziehungen seines Vaters in den diplomat. Dienst des K.tums Österr. aufgenommen. Ab 1844 war er Gesandtschaftsattaché beim päpstl. Stuhl und ab 1848 Legationssekr. mit dem Rang eines Geschäftsträgers in Stockholm. 1850–52 übernahm er dieselbe Funktion in Frankfurt am Main, 1852–54 in Brüssel und 1854–60 in St. Petersburg. Ab 1860 war S. Gesandter in Neapel und begleitete Kg. Francesco II. nach Gaeta, wo er auch während der Belagerung blieb; ein Jahr später folgte er dem Kg. ins Exil nach Rom. 1864 wurde er abberufen und in Disponibilität versetzt. Ab 1865 Abg. zum ung. RT (Altkonservative Partei), ab 1869 Mitgl. des ung. Oberhauses. 1877 wurde S. in den zeitl. Ruhestand versetzt, jedoch ein Jahr später reaktiviert und als k. u. k. Botschafter nach Berlin gesandt. Diesen Posten bekleidete er bis zu seiner Versetzung in den bleibenden Ruhestand 1892. Danach zog er sich auf seine ung. Besitzungen zurück. S., der mit →Franz v. Liszt und →Franz v. Suppé befreundet war, galt als ausgez. Pianist und komponierte auch selbst. Er erhielt zahlreiche Ehrungen, u. a. wurde er 1852 Kämmerer und 1867 Geh. Rat. 1882 wurde ihm das Großkreuz des Leopold-Ordens, 1889 das Großkreuz des St. Stephans-Ordens verliehen; 1892 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Weiters war er Präs. des Ver. zur Unterstützung des Ung. Nationaltheaters in Pest und kgl. ung. Obst.truchsess. Sein Vater Lajos Gf. S. v. S. u. F. (geb. Horpács/Sopronhorpács, H, 6. 11. 1781; gest. Wien, 7. 2. 1855; röm.-kath.) war nach seinem Rechtsstud. ab 1804 bei der Ung. Hofkammer und 1814–15 bei der Allg. Hofkammer tätig. 1824–49 fungierte er als Hofmeister von Erzhgn. →Sophie. Er förderte sowohl die von seinem Vater gegr. Nationalbibl. als auch die Unternehmungen seines Bruders durch finanzielle Zuwendungen. Außerdem veröff. er Ztg.artikel, in denen er die vorsichtigen Reformideen der Neokonservativen unterstützte. 1848 sprach er sich in zwei Memoranden für eine föderative Neuordnung der Monarchie aus. Wegen des Eintritts seines Sohns Dénes Gf. S. v. S. u. F. in die Honvéd-Armee fiel er bei Hof eine Zeit lang in Ungnade.

W.: Lajos Gf. S. v. S. u. F.: s. Szinnyei.
L.: WZ, 11. 3. 1898 (A.); Pallas; Szinnyei (m. W. für Lajos Gf. S. v. S. u. F.); Wurzbach; Vasárnapi Ujság 26, 1879, S. 489f. (m. B.); Országgyűlési Almanach. Főrendi Ház, 1887, S. 150f.; Jb. des k. u. k. auswärtigen Dienstes …, 1897, S. 241; L. Bártfai Szabó, A sárvár-felsővidéki gróf S. család története 3, 1926, S. 5ff., 582f. (auch für Lajos Gf. S. v. S. u. F.); V. Széchényi, Töredékek a sárvár-felsővidéki gróf S. nezmetség történelméből, 1933, S. 177; HHStA, Wien.
(I. Fazekas – Z. Fónagy)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 130
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