Székely, Josef (1838–1901), Photograph und Chemiker

Székely Josef, Photograph und Chemiker. Geb. Sümeg (H), 2. 2. 1838; gest. Wien, 18. 10. 1901; röm.-kath. Nach der Schulausbildung in Steinamanger (Szombathely) stud. S. ab 1855 an der med. Fak. der Univ. Wien (1860 Mag. pharm., 1862 Dr. chem.) bei →Josef Redtenbacher, dessen Ass. er auch wurde. Bereits als Student an Photographie interessiert, betrieb er ab 1862 gem. mit dem Photographen Ludwig Gertinger für etwa eineinhalb Jahre in Wien das Atelier Székely & Gertinger, ca. 1867–70 mit Franz Xaver Massak das Atelier Székely & Massak, das er ab 1870 ohne Partner weiterführte. 1884–91 gem. mit Victor Angerer Betreiber der Trockenplattenfabrik Angerer & Székely, eröffnete er 1890 gem. mit dem aus Budapest kommenden Peter Kalmár das Atelier Kalmár & Székely, dessen Teilhaber er bis 1893 blieb. S., der 1869 bei Ludwig Angerer den Lichtdruck erlernt hatte, erhielt 1871 ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung von „Photographien mit besonders plastischer Wirkung“. Darüber hinaus fungierte er als Mitverf. mehrerer Gutachten zu photoopt. und photochem. Fragen. Seine Arbeiten zeigte er u. a. auf den Weltausst. in Paris (1867, 1878), auf Ausst. in Hamburg (1868) und Brüssel (1875) sowie ab 1864 bei zahlreichen Veranstaltungen in Wien. S. betätigte sich vornehml. als Porträtist, wobei er die Bilder als Albumin- und Pigmentbilder, später als Gummi- oder Platindrucke anbot, und zählte v. a. bekannte Bühnenkünstler zu seinen Kunden, die er als Privatpersonen oder in Rollenkostümen ablichtete; daneben schuf er auch Lebende Bilder. Seine Atelieraufnahmen zeichneten sich durch bes. sorgfältige und elegante Arrangements aus. In den 1890er-Jahren photographierte er zunehmend Außen- und Innenansichten von Gebäuden. Bes. Bedeutung erlangte er aber durch seine Teilnahme an der 1863 im Auftrag der k. Akad. der Wiss. in Wien durchgeführten Expedition durch die Gebiete des Drin und Wardar unter der Leitung von →Johann Georg v. Hahn. Die dabei entstandenen Aufnahmen, die für die Kulturgeschichte einen hohen Wert darstellen, zählen zu den frühesten Photosmlgg. Südosteuropas und befinden sich heute im Bildarchiv der Österr. Nationalbibl. S. war ab 1861 Mitgl. der Photograph. Ges. in Wien sowie zahlreicher Photographenvereinigungen im In- und Ausland, ab 1891 Schätzmeister und Sachverständiger für photograph. Erzeugnisse und sämtl. Artikel zur Herstellung derselben, ab 1899 Mitgl. des Sachverständigenkollegiums in Angelegenheiten des Urheberrechts für den Bereich der Photographie.

W. (s. auch Cohen): Photochem. Beitrr. und Bildveröff. in Photograph. Correspondenz, 1877ff.
L.: Geschichte der Fotografie in Österr. 2, ed. O. Hochreiter – T. Starl, Bad Ischl 1983, s. Reg. (Kat.); M. Cohen, in: History of Photography 27, 2003, S. 144ff. (m. tw. W.); T. Starl, Lex. zur Fotografie in Österr. 1839 bis 1945, 2005; R. Elsie, Writing in Light: Early Photography of Albania and the Southwestern Balkans, 2007, S. 19ff.; FotoBibl. Biobibliografie zur Fotografie in Österr. (nur online, Zugriff 20. 5. 2011); R. Elsie, Frühe Fotografie in Albanien (nur online, Zugriff 20. 5. 2011); Archiv der ÖAW, UA, beide Wien.
(T. Starl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 135
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