Szemere, Miklós (1802–1881), Schriftsteller und Politiker

Szemere Miklós, Schriftsteller und Politiker. Geb. Lasztócz, Ungarn (Lastovce, SK), 17. 6. 1802; gest. ebd., 20. 8. 1881. Sohn von Krisztina Vattay und des Abg. zum ung. LT László S., Bruder von Krisztina (Pálné) S. (s. u. →Pál S.), Neffe des ung. LT-Abg. István S. (geb. 13. 1. 1764; gest. 19. 9. 1829), Schwager von →Pál S.; ab 1836 mit Anna Máriássy verheiratet. – 1815–25 besuchte S. das Gymn. in Sárospatak und stud. am dortigen Kollegium Jus, Phil. und Theol. (1827 Dr. iur.). 1825–27 absolv. er ein Praktikum bei István Szerencsy, dem Notar des Kom. Ung, und war danach Schreiber im Dienst seines Onkels. S. nahm u. a. an den LT-Sitzungen in Preßburg teil, wobei sein Interesse für Politik geweckt wurde. An einer Beamtenlaufbahn und am Wirtschaftswesen jedoch nicht interessiert, widmete er sich bald der Literatur sowie der bildenden Kunst und arbeitete als vielseitig begabter künstler. Autodidakt. Die Jahre 1832–35 verbrachte er mit →Nikolaus Barabás in Wien und 1835–36 in Norditalien, wo er malte und Holzschnitzarbeiten anfertigte. Nach seiner Rückkehr 1836 wandte sich S. ganz der Politik und der Dichtung zu. Ab 1840 erschienen einzelne Übers. (u. a. von Werken Goethes) und Ged. in Z. wie „Vasárnapi Ujság“. Seine Verssatire „A lukai pap“ (1848), in der er über die dt.sprachige Herrschaft spottet, machte ihn bekannt. Auch den Bruch der Freundschaft mit →Sándor Petőfi trug er öff. aus. Vor 1848 gehörte S. der Reformopposition an, nahm als Freiwilliger an der Revolution teil und wurde nach deren Niederwerfung kurze Zeit in Kaschau (Košice) gefangen gehalten. Nach seiner Entlassung zog er sich auf seine Güter zurück und kritisierte das neue Regime in zahlreichen Gelegenheitsged. 1870 kandidierte er bei der Abg.wahl in Pest (Budapest), verlor jedoch gegen Ferenc Deák (→Franz v. Deák). Obwohl für ihn Literatur ledigl. eine Form der gehobenen Unterhaltung darstellte und ein Großtl. seines Schaffens als dilettant. gilt, verwirklichte S. in einzelnen Ged. die Traditionen der Erlebnis- und Stimmungslyrik (z. B. „Kedvteléseim“, 1869; „A vadon költészete“, 1882). Ab 1863 k. M. der MTA, ab 1865 Mitgl. der Kisfaludy-Ges. und ab 1876 der Petőfi-Ges.

Weitere W.: Összegyűjtött munkái, 1882; Levélváltása Tompa Mihálylyal, ed. J. Perényi, 1902; S. M. irodalmi hagyatékából, ed. ders., 1905; A vadon költészete, ed. D. Kováts, 2007. – Nachlass: Borsod-Abaúj-Zemplén Megyei Levéltár, Miskolc, H.
L.: Magyar Szó, 17. 6. 1904; Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex.; Szinnyei; Thieme–Becker; Wurzbach; J. Perényi, Szemerei S. M. életrajza, 1897; R. Gálos, in: Irodalomtörténet 25, 1936, H. 1, S. 88ff.; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003 (m. B.); Új magyar életrajzi lex. 6, 2007.
(T. Harmat)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 139
Bd. <==> | |<1  <=−10<=  S. 1 =>+10=>
Bd. <==> | |<1  <=−10<=  S. 1 =>+10=>