Szily von Nagyszigeth (Nagy-Szigeth), Kálmán (Coloman) (1838–1924), Physiker und Sprachwissenschaftler

Szily von Nagyszigeth (Nagy-Szigeth) Kálmán (Coloman), Physiker und Sprachwissenschaftler. Geb. Izsák (H), 29. 6. 1838; gest. Budapest (H), 24. 7. 1924. Aus einer alten Adelsfamilie stammend. – Nach Privatunterricht absolv. S. die beiden letzten Schuljahre am Piaristengymn. in Pest (Budapest). 1856–57 stud. er an der József Ipartanoda (Gewerbeschule), dem späteren Polytechnikum, ab 1857 am polytechn. Inst. in Wien; 1860 Ing. S. kehrte nach Pest zurück, war zunächst Ass. von →József Sztoczek am Polytechnikum und ab 1862 stellv. Dir. 1863–65 vervollkommnete er seine Ausbildung an den Univ. Zürich, Berlin und Heidelberg. 1868 wurde er zum o. Prof. für experimentelle Physik, 1870 für mathemat. Physik und analyt. Mechanik am Polytechnikum ernannt. S. war 1871/72 federführend an der Umgliederung des Polytechnikums in die Kgl.-Ung. Joseph-Univ. für Technik und Wirtschaftswiss. beteiligt; 1871/72 Dekan, 1872/73 sowie 1879–83 Rektor, 1890 emer. In den 1860er-Jahren lag sein Forschungsschwerpunkt im Bereich der Thermodynamik. Eine seiner ersten Arbeiten befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Sättigungsdampfdruck und der Temperatur des Dampfes. In seinen späteren Arbeiten versuchte er die Thermodynamik mittels mechan. Grundprinzipien zu erklären, u. a. ging es ihm um die Frage, auf welche dynam. Gleichung der zweite Hauptsatz der Wärmelehre zurückzuführen ist. S. machte sich auch um die Reorganisierung der ung. naturwiss. Ges. Természettudományi Társulat verdient, die ihm ihren Aufschwung verdankt. Er begründete und red. ab 1869 die naturwiss. Fachz. „Természettudományi Közlöny“, war 1867–69 Hauptred. der „Mathematikai és természettudományi közlemények“ und red. 1876–79 die MS des Polytechnikums „Műegyetemi lapok“. Seine Fachpubl. erschienen auch in dt., engl. und französ. Sprache. Ab den 1890er-Jahren befasste er sich mit ung. Sprachwiss. und gilt als Mitbegründer der Ges. der ung. Sprachwiss. Magyar Nyelvtudományi Társaság. Neben Beitrr. zur Geschichte der ung. Literatur ist sein zweibändiges Wörterbuch der ung. Sprachreform „A magyar nyelvújítás szótára a legkedveltebb képzők és képzésmódok jegyzékével“ (1902, 1908) hervorzuheben. S. war Mitgl. der Ung. Naturwiss. Ges. (1869 Sekr., 1880 Präs.), ab 1865 k. M., ab 1873 o. Mitgl. der MTA (1889–1905 Gen.sekr., ab 1905 Bibliothekar). 1881 wurde er Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Kl., 1870 HR, 1896 Min.rat, 1914 k. u. k. Kämmerer und 1915 Mitgl. des Oberhauses. 1894 Dr. h. c. der Univ. Pest, 1917 Dr. h. c. der TU in Budapest.

Weitere W.: s. Poggendorff 3–4; Szinnyei.
L.: Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex. (m. B.); M. Irodalmi Lex. I, II; Poggendorff 3–4 (m. W.), 6; Szinnyei (m. W.); Wurzbach; Magyar politikai lex. 1, (1929); G. Biró, in: Fizikai Szemle 39, 1989, S. 203ff.; B. Vasvári, ebd. 42, 1992, S. 295ff.; Új magyar irodalmi lex. 3, 1994; L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003 (m. B.); TU, Wien; Mitt. Andrea Ambrozy, Wien.
(D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 159f.
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