Szkalnitzky, Antal (Anton) (1836–1878), Architekt

Szkalnitzky Antal (Anton), Architekt. Geb. Lak bei Baranyabán, Ungarn (Popovac, HR), 6. 5. 1836; gest. Budapest (H), 9. 6. 1878. Sohn von György S., Verwalter der Güter von Erzhg.→Albrecht in Béllye (Bilje); ab 1862 mit Antonia Koch, der Tochter des Architekten →Heinrich Koch (d. Ä.), verheiratet. – S. besuchte 1846–51 das Untergymn. der Zisterzienser in Fünfkirchen (Pécs), 1851–54 die Hauptrealschule in Prag und stud. 1854–57 am Wr. Polytechnikum. 1857–59 setzte er seine Ausbildung an der Berliner Bauakad. fort, wo u. a. Friedrich August Stüler und Johann Heinrich Strack zu seinen Lehrern zählten, in deren Atelier er 1858–59 auch arbeitete (1859 wurde er mit der Silbermedaille ausgez.). 1858 unternahm er Stud.reisen nach München und Wien sowie nach Sachsen, Ostpreußen, Ungarn, Kroatien, Dalmatien und Norditalien. 1859–60 setzte er seine Ausbildung in Paris fort und bereiste England, anschließend ließ er sich in Pest (Budapest) nieder, wo er 1862 eine Arbeitsgemeinschaft mit Heinrich (Henrik) Koch d. J. begann. 1862–65 zeichnete er als Stellv. von Stüler gem. mit Miklós Ybl für die Ausführung des Gebäudes der MTA verantwortl. 1864–70 wirkte S. als Lehrer am Budaer Polytechnikum, wo er als Erster die hist. Stile unterrichtete: Zu seinen Schülern zählten u. a. Alajos Hauszmann, →Ödön Lechner und Gyula Punczmann. S.s erstes Hauptwerk war das Theater in Debrecen (1861–65), ein Bau im Rundbogenstil; darauf folgten kleinere Arbeiten in und um Pest. Ab 1868 errichtete er v. a. in Pest großzügige Bauten (Grand Hotel Hungaria, 1868–71, Thonet-Hof, 1869–71), plante Privatbauten in der Hauptstadt (Palais für János Gf. Zichy, Gf. Ede und Sándor Károlyi, 1869–71) sowie Theaterbauten, z. B. in Arad und in Stuhlweißenburg/Székesfehérvár (1872–74), womit er zu einem der meistbeschäftigten Architekten avancierte. Ab 1871 arbeitete er auch im Auftrag des Kultusmin. und plante u. a. mehrere Univ.bauten (Univ.bibl., 1873–75, Physiolog. Inst. der Univ. Budapest, 1873–75). In der ersten Phase seiner Tätigkeit arbeitete S. im romant. Rundbogenstil, seit den späten 1860er-Jahren war die strenge Variante der italien. Neorenaissance maßgebend, die in Ungarn oft als „Berliner Renaissance“ bezeichnet wurde. S., der 1865 zum k. M. der MTA gewählt wurde, war eine der Hauptpersönlichkeiten der ung. Architektur der Gründerzeit, doch beendeten seine Krankheit sowie sein früher Tod die kurze und vielversprechende Karriere.

Weitere W. (s. auch Sisa): Pavillons des ersten Pester zoolog. Gartens, 1865–66; ref. Kirche in Hajdúhadház, 1868–72; Hauptpostamt von Pest, 1871–73; Erweiterungsprojekt für die Univ. der Wiss. in Pest, 1872; Wohnbauten am Oktogonplatz, 1872–74 (Budapest); Wettbewerbsprojekt für die Budapester Oper, 1873–74; Umbau und Erweiterung des ung. Nationaltheaters, 1873–75 (Budapest; zerstört).
L.: Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex.; Thieme–Becker; Wurzbach; Bauztg. für Ungarn 7, 1878, S. 173; Az Építési Ipar 2, 1878, S. 323ff.; MTA almanach közönséges naptárral, 1880, S. 281ff.; S. Országh, Budapest középítkezései 1868–82, 1884, S. 116ff., 208, 213, 231f.; J. Kismarty-Lechner, Építőművészetünk a 19. század második felében, 1945, S. 41f.; F. Vadas, in: Theatre Architecture of the Late 19th Century in Central Europe, ed. J. Purchla, 1993, S. 76; J. Sisa, S. A. Egy építész a kiegyezés korabeli Magyarországon, 1994 (m. W.); The Dictionary of Art 30, 1996; L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003.
(J. Sisa)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 162f.
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