Szőgyény-Marich von Magyarszőgyén und Szolgaegyháza, László (Ladislaus) d. Ä. Gf.; bis 1854 Szőgyény von Magyarszőgyén (1806–1893), Jurist und Politiker

Szőgyény-Marich von Magyarszőgyén und Szolgaegyháza László (Ladislaus) Gf. d. Ä., bis 1854 Szőgyény von Magyarszőgyén, Jurist und Politiker. Geb. Pest (Budapest, H), 2. 1. 1806; gest. Stuhlweißenburg (Székesfehérvár, H), 19. 11. 1893; röm.-kath. Sohn von Zsigmond (Sigismund) Szőgyény v. Magyarszőgyén (s. u.) und von Julia Szőgyény v. Magyarszőgyén, geb. Pászthory v. Felsőpászthori, Vater von →László (Ladislaus) Gf. S.-M. v. M. u. S. d. J.; ab 1838 mit Mária, geb. Marich v. Szolgaegyháza, verheiratet. – Seine Ausbildung erhielt S. 1819–21 am Theresianum in Wien und stud. danach Phil. und Rechtswiss. an der Univ. Pest. Seine öff. Laufbahn begann er 1826 als Hon.-Notar im Kom. Pest; 1832 Sekr. der Ung. Hofkanzlei in Wien, 1834 wirkl. Kämmerer. 1836 wechselte er als Personal-Protonotar in den Justizdienst und trat für eine gerichtl. Verurteilung der liberalen Oppositionellen ein. Im ung. RT vermittelte er 1839–40 als Palatinal-Protonotar zwischen der Regierung und der Opposition, später fungierte er als Referendarius für Presse- und Reichstagssachen in der Ung. Hofkanzlei. 1844 Geh. Rat; im selben Jahr wurde S. zum Vizepräs. des Ofener Statthaltereirats ernannt und verwaltete die neuerrichtete Stud.- und Zensurdion. 1846 wurde er Zweiter Hofvizekanzler der Ung. Hofkanzlei in Wien. In seinen polit. Regierungsämtern gehörte S. zu den Exponenten der Konservativen und bekämpfte die sozialen und nationalen Bestrebungen der Liberalen. Infolge seiner Amtsstellung fiel ihm nach der Märzrevolution 1848 die Aufgabe zu, die von der liberalen Reichstagsmehrheit beschlossenen Aprilgesetze für die Sanktionierung durch den Herrscher vorzubereiten. Er zweifelte nicht an deren Rechtmäßigkeit, hielt aber die darin enthaltenen staatsrechtl. Befugnisse Ungarns für übertrieben. Als im Jänner 1849 FM Alfred Fürst zu Windisch-Graetz Ofen und Pest militär. besetzte, organisierte S. in Ofen die kgl. ung. prov. Zentralzivilverwaltung, um die Kontinuität zur vorrevolutionären Zeit herzustellen. Vor dem Gegenangriff der Honvéd-Armee wurde dieses Regierungsorgan nach Baden bei Wien verlegt und im Juni 1849 aufgelöst. Nach der Niederschlagung der Revolution unterzeichnete S. 1850 die Denkschrift der ung. Konservativen gegen die territoriale Zerstückelung und Eingliederung Ungarns in den zentralist. Gesamtstaat. Im April 1851 nahm er die Berufung in den RR an, hielt aber die informelle Verbindung zu seinen Gesinnungsgenossen aufrecht. Selbst die Teilnahme an der Vorbereitung einer neuen konservativen Denkschrift 1857 konnte seinem Ansehen – trotz einer Rüge – nichts anhaben. Anfang 1860 beauftragte ihn K. →Franz Joseph I. mit der Ausarbeitung der Grundzüge einer Kom.verfassung für Ungarn. Sein Entwurf wurde mit der Schlussfolgerung ergänzt, dass ein wirkl. Kom.system mit dem bestehenden zentralist. Gesamtstaat unvereinbar sei. Im Verstärkten RR avancierte S. zu einem der beiden Vizepräs. und setzte sich für die weitgehende Wiederherstellung der Rechte der hist. Länder ein. Nach dem Oktoberdiplom 1860 wurde er Zweiter ung. Hofkanzler. Das Zerwürfnis zwischen →Anton v. Schmerling und den ung. Konservativen wegen eines Reskripts an den ung. RT veranlasste ihn im Juli 1861, sein Amt niederzulegen und i. d. R. zu treten. Im Zuge der Verhh. vor dem Ausgleich 1867 setzte sich S. für eine Versöhnung mit der Dynastie ein; 1865–84 Obergespan des Kom. Fejér und der Stadt Stuhlweißenburg; Mitgl. des Magnatenhauses und 1875–83 dessen zweiter, 1883–84 erster Präs. Als Parlamentarier beteiligte sich S. 1866 und 1868 an der Regelung des staatsrechtl. Verhältnisses zwischen Ungarn und Kroatien und war 1875 bzw. 1877 Vors. der ung. Delegation. 1855 Dion.-Mitgl. der MTA, 1873–84 kgl. Oberkämmerer, 1884–88 Tavernicus, 1888–93 Judex Curiae. 1854 erhielt er das Kommandeurkreuz des St. Stephans-Ordens, 1875 das Großkreuz des Leopold-Ordens und 1884 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. 1854 nahm er mit kgl. Genehmigung den Familiennamen seiner Frau als zusätzl. Namen an und ließ die beiden Familienwappen zusammenführen. Sein Vater, der Jurist und Staatsbeamte Zsigmond (Sigismund) Szőgyény v. Magyarszőgyén (geb. Kisvárda, H, 27. 3. 1775; gest. Preßburg, Ungarn / Bratislava, SK, 8. 2. 1826), wurde nach einer wechselreichen Beamtenlaufbahn 1821 kgl. Personalis (Gen.anwalt) und Administrator des Kom. Pest-Pilis-Solt. Knapp vor seinem Tod wurde er 1825 zum ung. Hofvizekanzler ernannt und erhielt das Kommandeurkreuz des St. Stephans-Ordens.

W.: Igénytelen nézetek a magyar főrendi ház szervezéséről, 1882; Idősb S.-M. L. országbíró emlékiratai, 3 Bde., 1903–18.
L.: J. Redlich, Das österr. Staats- und Reichsproblem 1–2, 1920–26, s. Reg.; E. Andics, A nagybirtokos arisztokrácia ellenforradalmi szerepe 1848–49-ben 1–3, 1952–81, s. Reg.; Gy. Szabad, Forradalom és kiegyezés válaszútján, 1967, s. Reg.; K. Jónás, S. M. L. A magyar országgyűlés elnökei 1848–2002, 2002, S. 209ff.; Die Protokolle des österr. Ministerrats 1848–67, 4/2–3, bearb. St. Malfèr, 2007–09, s. Reg.; Á. Deák, in: Acta Universitatis Szegediensis, Acta Historica 133, 2011, S. 5ff.
(I. Ress)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 165ff.
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