Szomory, Dezső; ursprüngl. Mór Weisz (1869–1944), Schriftsteller und Journalist

Szomory Dezső, ursprüngl. Mór Weisz, Schriftsteller und Journalist. Geb. Pest (Budapest, H), 2. 6. 1869; gest. ebd., 30. 11. 1944; mos. Bruder des Journalisten, Theaterkritikers und Schriftstellers Emil S., ursprüngl. Manó Weisz (geb. Budapest, 12. 2. 1874; gest. KZ Auschwitz, Dt. Reich / PL, Juni 1944; ermordet). – Entgegen den gesellschaftl. Konventionen besuchte S. die evang. Volksschule und das Piaristengymn. in Budapest, maturierte allerdings nicht, da er von der Schule verwiesen wurde. I. d. F. stud. er an der Musikakad., entschied sich aber für die Journalistenlaufbahn, weshalb er sein Stud. abbrach und 1887 Mitarb. des „Nemzet“, einer von →Mór v. Jókai red. Ztg., wurde. Um der Wehrpflicht zu entgehen, verließ S. 1889 Ungarn und lebte bis 1907 in Paris bzw. 1907–08 in England, wo er als Korrespondent und Literaturkritiker für diverse ung. Z. arbeitete und erste Theaterstücke sowie Novellen schrieb, die in Ungarn aufgef. bzw. veröff. wurden. Nach seiner Rückkehr schloss sich S., der nun bereits zu den bekannten ung. Autoren zählte, dem Kreis rund um die Z. „Nyugat“, das wichtigste Organ der neuen, progressiven ung. Literatur, an. Ab 1920 wirkte er als Hausdramatiker des Budapester „Vígszínház“. S. wurde anfangs vom Naturalismus, später vom literar. Jugendstil beeinflusst und entwickelte eine musikal., von den Zeitgenossen mitunter als manieriert empfundene Sprache, die öfter Gegenstand literar. Debatten war. Seine auch heute noch häufig aufgef. Bühnenwerke, in denen er die kleinl., mitunter groteske Welt des Budapester Bürgertums thematisierte („A rajongó Bolzay lány“, 1911; „Györgyike drága gyermek“, 1912; „Hermelin“, 1916, etc.), sowie das hist. Drama über Joseph II. („II. József császár“, 1918) bezeugen jedoch, dass die eigenartige sprachl. Stilisierung keinesfalls Selbstzweck war. Gleiches gilt für sein Prosawerk „Harry Russel-Dorsan a francia hadszíntérről“ (1918), in dem er in die Rolle eines engl. Journalisten schlüpfte, um die Schrecken des Kriegs aufzuzeigen, oder für die ebenfalls mit fiktiven Elementen durchwobene Autobiographie „A párizsi regény“ (1929), eine literar. Verarbeitung seiner Emigrationserlebnisse. Nach 1939 wurden S.s Stücke aufgrund der antisemit. Gesetzgebung kaum noch gespielt, er selbst war ständigen Angriffen ausgesetzt.

Weitere W. (s. auch Új magyar életrajzi lex.): Les Grandes et les Petits Moineaux, übers. G. d’Hailly, 1895; Levelek egy barátnőmhöz, 1927; Takáts Alice, 1930 (auch dt.); Az Irgalom hegyén, 1964; Színház, ed. P. Réz, 1973; Hét játék, ed. ders., 1991; S. D. Művei, 8 Bde., 2007ff.
L.: Das geistige Ungarn; Enc. Jud.; M. Irodalmi Lex. II (m. B.); M. Zsidó Lex.; Szinnyei; Universal Jew. Enc.; A magyar társadalom lex., 1930; Magyar színművészeti lex. 4, 1931 (m. B.); Ki kicsoda? Kortársak lex., 1937; A. Kellér, Író a toronyban, 1958, S. 5ff.; P. Réz, S. D. alkotásai és vallomásai tükrében, 1971; Budapest lex., 1973; Magyar színházművészeti lex., 1994; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000 (m. L.); Új magyar életrajzi lex. 6, 2007 (m. W. u. L.).
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 170
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