Stulli (Stulić), Luca (Luko) (1772–1828), Mediziner und Schriftsteller

Stulli (Stulić) Luca (Luko), Mediziner und Schriftsteller. Geb. Šumet (?), Republik Ragusa (HR), 22. 9. 1772; gest. Ragusa, Dalmatien (Dubrovnik, HR), 17. 9. 1828; röm.-kath. Sohn eines Hafenkapitäns, möglicherweise Neffe von →Gioachino S. – Nach Privatunterricht besuchte S. das Piaristenkollegium in Ragusa, in dessen Jbb. er 1791–92 erste Aufsätze über das Verhältnis zwischen Sinnesorganen und Reizen sowie über die Lungenfunktion publ. Ab 1792 stud. er Med. und Phil. an der Univ. Bologna und bildete sich außerdem in Chemie, Pharmazie und Botanik weiter; 1796 Dr. med. S. vervollkommnete seine Ausbildung in Florenz, Rom und Neapel. Dort wurde er Zeuge der polit. Umwälzungen infolge der Siege Napoleons in Oberitalien und begeisterte sich für die jakobin. Ideen. 1799 erhielt er eine Stelle im Gmd.spital in Ragusa, 1808 Primararzt, 1812 Stadtphysikus. Als Mitgl. der Gesundheitsdeputation führte er die Pockenimpfung in Ragusa ein. Weiters befasste er sich mit Epidemien, darunter Milzbrand, Pest und Scharlach. S., der als einer der ersten Med.-Wiss. gilt, die epidemiolog. Stud. über erbl. Hautkrankheiten durchführten, entdeckte die „Mal de Meleda“, deren Ursachen und Symptome er in der Abh. „Di una varietà cutanea“, 1826, beschrieb. 1827 verf. er zwei Abhh. über das Stottern, als dessen Ursache er psychoneurot. Störungen ansah. Naturwiss. interessiert, erforschte er 1822–24 Detonationen auf der Insel Meleda (Mljet), die später auch von einer Wr. Komm. unter →Paul Maria Partsch untersucht wurden. S. versuchte 1823–27 in mehreren Abhh. zu beweisen, dass es sich dabei um vulkan. Phänomene handelte. Er publ. Biographien, zahlreiche Gelegenheitsged. in latein., kroat. und italien. Sprache sowie Dramen und übers. kroat. Literatur ins Italien. S. nahm für seine literar. Tätigkeit die Latinisten von Ragusa und die Poeten der röm. Accad. degli Arcadi, deren Mitgl. er in den frühen 1820er-Jahren wurde, zum Vorbild und übte, tief verwurzelt in klassizist. Tradition und Ästhetik, Kritik am Kroat., das er als Literatursprache für ungeeignet hielt. Polit. war er frankophil, unterstützte die französ. Herrschaft in Ragusa und beteiligte sich an der neuen Verwaltung. Nach dem Scheitern der vom französ. Regime durchgeführten bürgerl. Reformen und Napoleons endgültigem Sturz wurde S. jedoch zum Anhänger der österr. Machthaber, blieb aber immer ein wichtiger Fürsprecher für die Erhaltung der Sonderidentität von Ragusa. S. war Mitgl. der Accad. dei Concordi und erhielt 1795 die Ehrenmedaille der Univ. Bologna.

Weitere W.: s. Wurzbach; Ferrucci.
L.: Enc. Jug. (s. u. Bernard S.); Hirsch; Wurzbach (m. W.); C. F. Ferrucci, A perpetua onoranza del dr. L. S. di Ragusi. Prose e versi, 1829 (m. B. u. W.); V. Bazala, in: Republika 7–8, 1953, S. 703ff.; S. Fatović-Ferenčić – K. Holubar, in: Dermatology 203, 2001, S. 7ff.; dies., in: Journal of Investigative Dermatology 116, 2001, S. 198f. (m. B.); S. Ćosić, in: Anali Zavoda za povijesne znanosti Hrvatske akademije znanosti i umjetnosti u Dubrovniku 41, 2003, S. 259ff.; A. Borovečki – C. Pavlović, in: Croatian Medical Journal 45, 2004, S. 655ff. (m. B. u. L.).
(H. Gračanin)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 1
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