Stummer von Tavarnok, Alexander Frh. (1831–1914), Großindustrieller und Großgrundbesitzer

Stummer von Tavarnok Alexander Frh., Großindustrieller und Großgrundbesitzer. Geb. Brünn, Mähren (Brno, CZ), 23. 7. 1831; gest. Monte Carlo (MC), 25. 3. 1914; röm.-kath. Sohn des Spezereiwarenhändlers Carl Stummer und der Schriftstellerin Crescentia Stummer, geb. Dietmann, Bruder von Karl Stummer (s. u.) und →August Wilhelm Frh. S. v. T., Vater des Husarenoblt. Karl S. v. T. sowie von Marie S. v. T., Ehefrau des dt. Botschafters in Wien Heinrich v. Tschirschky-Bögendorff, und von Alexandra S. v. T., Ehefrau des Min.beamten Anton Frh. Pretis-Cagnodo. – S. besuchte das Brünner Staatsobergymn., wurde danach mit seinen beiden älteren Brüdern Ges. der Fa. Carl Stummer in Brünn und zeichnete für deren Aufschwung mitverantwortl., u. a. durch Salzhandel, Bankgeschäfte und v. a. Beteiligungen an der Rübenzuckerind. Österr.-Ungarns sowie am Kreditwesen. Später widmete er sich der Bewirtschaftung seiner ung. Güter, die etwa 3.000 ha umfassten. Dazu gehörten seit 1871 die Herrschaften Ludány (Ludanice) mit den Gütern Chrábor (Chrabany), Ürmincz (Urmince), Szerbőcz (Svrbice) sowie Lipovnok (Lipovník) und seit 1876 die Herrschaft Nagybodok (Horné Obdokovce) mit einer Zuckerfabrik sowie den Gütern Paczolaj (Obsolovce) und Csitár (Horné Štitáre). Daneben besaß er ein Palais in Wien, wo er sich meist aufhielt. In der Wr. Ges. galt S. als Kunstfreund und Wohltäter. Er finanzierte u. a. 1884 die Ausgrabungen der prähist. Komm. der k. Akad. der Wiss. in Wien bei Ludány. 1871 ung. Adel, 1884 Ritter des Ordens der Eisernen Krone II. Kl. sowie österr. Frh. S.s ältester Bruder Karl Stummer (geb. Brünn, 1825; gest. Wien, 25. 11. 1874) übernahm 1857 die Leitung der Brünner Filiale der Oesterr. Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe und wurde i. d. F. in den Verw.R. dieses Inst. berufen. Außerdem gehörte er dem Verw.R. der Austro-Egypt. Bank, der Österr. Nordwestbahn und der Ersten Ung.-Galiz. Eisenbahn an. Nach seinem Tod hinterließ er seinen Drittelanteil an der Fa. seinen beiden Brüdern, wozu u. a. Häuser in Brünn, eines in Wieliczka, Zuckerfabriken in Mähren und Ungarn sowie die Raffinerie in Doudleb (Doudleby) gehörten.

L.: NFP, RP, WZ, 26. 3. 1914; Preßburger Ztg., 27. 3. 1914; Almanach Wien 35, 1885, S. 172; Heller 4; G. Trautenberger, Die Chronik der Landeshauptstadt Brünn 5, 1897, S. 68; Der österr.-k. Orden der Eisernen Krone und seine Mitgl., 1912, S. VI; J. Siebmacher, Die Wappen des mähr. Adels, 1979, S. 245; AVA, Wien. – Karl S.: NFP, 26. 11. 1874, 1. 12. 1874; Wurzbach; Ein Jh. Creditanstalt-Bankver., 1957, S. 52, 68; E. März, Österr. Ind.- und Bankpolitik in der Zeit Franz Joseph I., 1968, S. 116, 211; WStLA, Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 1f.
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