Stwertka, Julius (1872–1942), Violinist und Musikpädagoge

Stwertka Julius, Violinist und Musikpädagoge. Geb. Wien, 7. 3. 1872; gest. KZ Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren (CZ), 17. 12. 1942 (umgekommen); mos. Sohn des Musikers Alois (Lazar) S. (geb. Austerlitz, Mähren / Slavkov u Brna, CZ, 8. 4. 1841; gest. Wien, 20. 8. 1911) und seiner Frau Antonie S., geb. Figdor, Bruder des Cellisten Joseph S. (geb. Wien, 7. 12. 1879; gest. KZ Dachau, Dt. Reich/D, umgekommen), eines Schülers von →Ferdinand Hellmesberger; ab 1899 mit der Sängerin Rosa S., geb. Kohlberg (geb. Dunaföldvár, H, 15. 10. 1875) verheiratet. – S. stud. nach Besuch der Bürgerschule ab 1886 Violine bei →Sigmund Bachrich, dann bei →Jakob Moritz Grün am KdM, das er 1891 mit Ausz. absolv. Anschließend nahm er Privatunterricht bei →Josef Joachim in Berlin und konzertierte in London. 1892–95 diente S. als stellv. Militärkapellmeister beim IR 4. Er wirkte ab etwa 1898 als 1. Konzertmeister am Hamburger Stadttheater, bevor →Gustav Mahler ihn 1902 nach Wien holte, wo er neben →Arnold Rosé Konzertmeister des Hofopernorchesters und Mitgl. der Wr. Philharmoniker wurde (1936 pensioniert). Parallel dazu verlief seine Laufbahn als Musikpädagoge: 1903 wurde er Ausbildungslehrer für Violine am KdM, der späteren Akad. für Musik und darstellende Kunst (1908 Prof., 1924 Reg.Rat, 1933 i. R.), wo er eine große Zahl von Geigern heranbildete, die teils wiederum Philharmoniker und Musikpädagogen wurden (Franz Samohyl, Otto Strasser, Karl Hawranek, Karl Rosner etc.). 1934–38 spielte S. Viola im berühmten Rosé-Quartett. Er wurde 1933 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österr. ausgez. Nach dem „Anschluss“ Österr. an das Dt. Reich 1938 gelang es durch Intervention (Furtwänglers?) zweimal, die Deportation S.s zu verhindern, doch schließl. wurde er im August 1942 zusammen mit seiner Frau und den Kindern Franz und Margarete S. nach Theresienstadt verbracht. Dort war er Mitgl. des von Egon Ledeč gegr. Ledeč-Quartetts, das zunächst in der „Magdeburger Kaserne“ und nach Etablierung der sog. Freizeitgestaltung im Herbst 1942 bei verschiedenen Anlässen spielte. Seine Familie wurde im Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert.

L.: W. J. v. Wasielewski, Die Violine und ihre Meister, 1927, s. Reg.; O. Strasser, Und dafür wird man noch bezahlt. Mein Leben mit den Wr. Philharmonikern, 1974, s. Reg.; R. Strauss – F. Schalk, Ein Briefwechsel, ed. G. Brosche, 1983, s. Reg.; DÖW, Ges. der Musikfreunde in Wien, IKG, Univ. für Musik und darstellende Kunst Wien, alle Wien; The Central Database of Shoah Victims’ Names (nur online, Zugriff 30. 12. 2011; auch für die anderen Familienmitgl.).
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 18
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