Suck (Szuk), Rosa (Róza, Rosza); verheiratete Matlekovits (1844–1921), Violoncellistin

Suck (Szuk) Rosa (Róza, Rosza), verheiratete Matlekovits, Violoncellistin. Geb. Pest (Budapest, H), 10. 5. 1844; gest. Budapest (H), 2. 10. 1921; evang. Tochter des aus Sachsen zugewanderten Violoncellisten am Pester Nationaltheater und Lehrers am dortigen Konservatorium Leopold S. (1821–1897) und seiner Frau Erzsébet Berkovits (ca. 1821–1877); ab 1868 mit dem Politiker und Nationalökonomen →Sándor Matlekovits verheiratet. – S. kam 1850 in das Pester Mädchenerziehungsinst. von Maria Pröbstl. Mit acht Jahren begann sie das Instrumentalspiel, ab zehn Jahren erhielt sie systemat. Unterricht von ihrem Vater. Ihre Karriere als öff. konzertierende Violoncellistin dauerte von ihrem ersten Auftritt in Pest Anfang 1858 bis zu ihrer Heirat. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück, spielte indes gelegentl. bei Benefizveranstaltungen (1869 in Pest und Besançon). Zentrum ihres Wirkens war Pest, wo S. in rund 24 Konzerten auftrat. Ausgedehnte Tourneen führten sie 1858 u. a. nach Szegedin (Szeged), Temeswar (Timişoara) und Lugosch (Lugoj), 1861 u. a. nach Debreczin (Debrecen) und Klausenburg (Cluj-Napoca) sowie 1862 u. a. nach Sátoraljaújhely und Miskolcz. Weitere Stationen ihrer Karriere waren u. a. Preßburg und Fünfkirchen (Pécs). Außerhalb Ungarns konzertierte S. in Wien (1859), Belgrad (1865), Paris und Amsterdam (jeweils 1866). Ein Angebot für ein dreimonatiges Gastspiel in London 1865 nahm sie nicht an. Im Rahmen ihrer Konzert- und Reisetätigkeit kam S. mit namhaften Persönlichkeiten des europ. Musik- und Kulturlebens in Kontakt, so mit Hector Berlioz, Alexandre Dumas und Robert Volkmann. Zu ihrem Repertoire zählten Kompositionen von Georg Goltermann, Alfredo Piatti, Adrien-François Servais und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Werke ihres Vaters. Bemerkenswert ist S.s Auftreten als Violincellistin vor dem Hintergrund der bürgerl. Musikanschauung ihrer Zeit, die die Instrumentenwahl von Frauen auch aufgrund außermusikal. Aspekte wie etwa dem Aussehen der Musikerinnen beim Spiel beurteilte. Das Violoncello wurde zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jh. den Männern zugeordnet. S. war eine der ganz wenigen Frauen, die trotz solcher Ressentiments als Violoncellistin auftraten. Zudem musizierte sie 1858 in Pest und 1859 in Wien in ausschließl. mit Frauen besetzten Kammerensembles, auch dies ungewöhnl. für jene Zeit.

L.: WZ, 26. 11. 1859 (A.); Wurzbach; Vasárnapi Ujság 5, 1858, S. 160 (m. B.); L. Koch, Matlekovits Sándorné S. R. naplója (A Fővárosi Könyvtár BQ 927/38. Sz. kézirata). Das handschriftl. Tagebuch der Violincellokünstlerin Frau R. Matlekovits-S., 1935; V. Timmermann, in: Musik und Emanzipation, ed. M. Gerards – R. Grotjahn, 2010, S. 111ff.; ders., in: Lex. europ. Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jh., ed. F. Hoffmann (m. B., nur online, Zugriff 29. 3. 2011).
(V. Timmermann)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 30f.
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