Süssmann, Hermann (1851–1906), Mediziner

Süssmann Hermann, Mediziner. Geb. Hermannstadt, Siebenbürgen (Sibiu, RO), 22. 5. 1851; gest. ebd., 6. 1. 1906; evang. AB. Sohn eines Polizeioberkoär. – Nach Besuch des evang. Gymn. stud. S. ab 1869 Med. an der Univ. Heidelberg, ab 1871 in Wien; 1875 Dr. med. in Wien. Während des Stud. arbeitete er an der Wr. Augenklinik bei →Ferdinand v. Arlt, in der chirurg. Abt. bei →Friedrich Franz Salzer und an der Wr. Poliklinik bei Viktor v. Urbantschitsch. Ab 1875 Sekundararzt im Franz-Josef-Bürgerspital in Hermannstadt, wurde er bald mit dessen Leitung betraut und 1882 zum Primararzt ernannt. S. initiierte den Bau eines Pavillons für Infektionskranke und steigerte die Qualität des Pflegepersonals durch Schwestern der evang. Krankenpflegeanstalt. Ab 1887 wirkte er als Oberarzt des Hermannstädter Kom. In dieser Funktion reorganisierte er den gesamten San.dienst und betätigte sich in erster Linie als Hygieniker. Mittels Beitrr. in der Tagespresse und mit Flugschriften versuchte er das Verständnis der Bevölkerung für hygien. Maßnahmen zu wecken. Insbes. kämpfte er gegen die Kindersterblichkeit und reformierte die Hebammenausbildung, indem er eine Hebammenschule gründete. Zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten forcierte er den Einsatz von Desinfektionsapparaten. Sein Bemühen, mobile Krankenbaracken zu errichten, um infektiöse Patienten gesondert unterzubringen, scheiterte allerdings. In seinem Kampf gegen die Ausbreitung der Tuberkulose hingegen konnte er ab 1897 die Regierung von der Notwendigkeit eines Sanatoriums für Lungenkranke überzeugen. Darüber hinaus war es ihm ein Anliegen, die Bevölkerung in Erster-Hilfe-Leistung zu instruieren. S., der auch eine Privatpraxis betrieb, war Obmann der Hermannstädter med. Sektion des naturwiss. Ver., wurde 1895 zum Ehrenmitgl. des ung. hygien. Landesver. und gegen Ende der 1890er-Jahre zum Mitgl. des Landessan.rats der obersten San.behörde Ungarns ernannt. Auf seine Initiative geht die Gründung des siebenbürg.-sächs. Ärztever. zurück.

W.: s. Szinnyei; Schuller; Myß.
L.: Biograph. Jb. 11, 1908, S. 134; Szinnyei (m. W.); F. Schuller, Schriftsteller-Lex. der Siebenbürger Deutschen 4, 1902 (m. W.); Lex. der Siebenbürger Sachsen, ed. W. Myß, 1993 (m. W.); UA, Wien.
(K. Kapronczay – D. Angetter)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 36f.
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