Suida, Wilhelm (1853–1922), Chemiker

Suida Wilhelm, Chemiker. Geb. Wekelsdorf, Böhmen (Teplice nad Metují, CZ), 10. 9. 1853; gest. Mödling (NÖ), 31. 3. 1922. Sohn des Färbereibesitzers Franz S. und von dessen Frau Sophie S., geb. Brožosky v. Pravoslav, Vater des Chemikers Hermann S. (geb. Wien, 3. 2. 1887; gest. Salzburg, Sbg., 20. 9. 1973). – Nach Besuch der dt. Realschule in Prag ab 1861 stud. S. 1870–72 unter Johannes Wislicenus an der Eidgenöss. polytechn. Schule in Zürich, danach an der dt. TH in Prag. Ab 1874 arbeitete er am Laboratorium der Wr. Handelsakad. unter →Ernst Ludwig. Im Herbst 1874 erhielt er eine Ass.stelle an der Lehrkanzel für Tierphysiol. und Tierzucht an der BOKU; 1876 Dr. phil. an der Univ. Budapest, ging S. zum späteren Nobelpreisträger Adolf v. Baeyer nach München. 1878–81 war er am chem.-patholog. Laboratorium im Wr. AKH tätig, 1881–85 fungierte er als Adjunkt am Technolog. Gewerbemus.; 1882 Habil. als Priv.Doz. für Chemie der aromat. Verbindungen an der TH Wien. Ab 1885 wirkte S. am artist. Atelier an der Herstellung von Staatsnoten des Reichs-Finanzmin., ab 1898 an der Hof- und Staatsdruckerei. 1891 ao. Prof. der TH Wien, 1902 o. Prof. an der Lehrkanzel für chem. Technolog. organ. Stoffe; 1911/12 Rektor. 1904–19 suppl. er auch die Lehrkanzel für organ. Chemie. In seiner ersten wiss. Arbeit 1876 befasste er sich mit dem Verhalten von Eisenoxiden bei hohen Temperaturen. Etl. Werke entstanden in Zusammenarbeit mit →Julius Mauthner, darunter „Über gebromte Propionsäuren und Acrylsäuren“, 1881. Mit Louis Liechti stellte S. Versuche zur Chemie von Beizen an und untersuchte die Farbstoffe Türkischrotöl und Anilinschwarz. Weiters beschäftigte er sich mit dem Cholesterin und verf. darüber grundlegende Publ., die als Basis für spätere Forschungen dienten. In München arbeitete er über die Kondensation von Aldehyden mit Phenolen und über das Indol. Im artist. Atelier und später in der Staatsdruckerei entwickelte er Farben für Brief- und Stempelmarken. Dabei gelang es ihm, Stempelmarken herzustellen, die, einmal aufgeklebt, nicht ohne Farbspuren abgelöst werden konnten. Unter S.s Anleitung glückte seinem bedeutendsten Schüler Paul Gelmo 1906 die Entdeckung der Sulfonamide. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Hermann seine Lehrkanzel. S. war ab 1912 Ehrenmitgl. der Association des Chimistes coloristes, ab 1914 ständiges Mitgl. der Prüfungskomm. für Ziviling.; 1915 HR.

Weitere W.: s. Eisenberg; Poggendorff; Oettinger.
L.: Eisenberg 2 (m. W.); Poggendorff 6 (m. W.); W. Exner, Das k. k. Technolog. Gewerbemus. in Wien 1879–1904, 1904, S. 156, 243f., 263; C. Oettinger, in: Österr. Chem. Z. 16, 1922, S. 1ff. (m. W.); P. Gelmo, HR Prof. Dr. W. S., 1936 (Ms. TU Wien); 150 Jahre TH in Wien 1815–1965, 1–2, ed. H. Sequenz, 1965, s. Reg.; S. Kleinbichler, P. Gelmo: Österr. Farbenchemiker – Entdecker der Sulfonamide, techn. DA Wien, 2005, S. 16ff.; M. Angerer, Das chem.-patholog. Laboratorium am k. k. Allg. Wr. Krankenhaus unter den Vorständen J. F. Heller und E. Ludwig …, techn. DA Wien, 2008, S. 110; TU, WStLA, beide Wien.
(R. W. Soukup)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 40
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