Sunstenau von Schützenthal, Heinrich Frh. (1780–1865), Offizier

Sunstenau von Schützenthal Heinrich Frh., Offizier. Geb. Kapela nova, slawon. Militärgrenze (Nova Kapela, HR), 24. 6. 1780; gest. Wien, 4. 11. 1865. Sohn des 1787 nob. Obst. Heinrich S. v. S., Vater des Off. Friedrich Frh. S. v. S. (geb. 1807; gest. Sommacampagna, Lombardo-Venetien / Custoza, I, 24. 7. 1848, gefallen), der als Obstlt. posthum Ritter des MMTO wurde. – Nach einjährigem Jusstud. an der Univ. Wien wurde S. 1798 als Praktikant beim Hofkriegsrat angestellt, wechselte aber noch im selben Jahr als Kadett zur Kav. über. 1799 zum Unterlt. befördert, wurde er 1800 Oblt. im Gen.quartiermeisterstab und kämpfte bei Hohenlinden und Salzburg. 1801–04 diente S. wieder bei der Truppe, kam dann erneut zum Gen.quartiermeisterstab und geriet, 1805 Hptm., bei Ulm in Kriegsgefangenschaft. Nach neuerl. Truppenzuteilung bei verschiedenen Kav.rgt., während der er jedoch auch bei der Landesbeschreibung von Innerösterr. verwendet wurde, machte S. den Feldzug in Italien 1809 beim Gen.quartiermeisterstab mit und nahm an den Schlachten von Pordenone und Fontanafredda sowie an der Schlacht bei Raab teil, in der er verwundet wurde. Anschließend wurde er der Grenzberichtigungs-Komm. in Illyrien unter FML Anton Frh. v. Zach beigegeben und wirkte an der Übergabe dieser Prov. an Frankreich mit. Ab 1811 Mjr., wurde S. Unterdir. der Zeichnungskanzlei des Gen.quartiermeisterstabs, dann Chef des Büros für Landesbeschreibung. Die Feldzüge von 1813 und 1814 machte er als Gen.stabschef des von →Hannibal Marchese di Sommariva befehligten Korps in Südtirol und Italien mit, u. a. die Schlacht am Mincio im Februar 1814. In gleicher Verwendung bei FML Adam Albert Gf. v. Neipperg, kämpfte S. 1815 zunächst gegen die Verbände Joachim Murats, dann in Südfrankreich und wurde zum Obstlt. befördert. In Friedenszeiten meist bei der Truppe eingesetzt – 1819/20 unterbrochen von einer Verwendung beim Gen.quartiermeisterstab zur Bearb. der Geschichte des Feldzugs von 1805 –, übernahm er 1824 das Kmdo. des Dragonerrgt. 1 (später 9), das er 1827 reorganisierte. S., 1831 zum GM befördert, fungierte als Brigadier in St. Pölten, ab 1834 in Bregenz und wurde 1839 als FML und Divisionär in Großwardein (Oradea), 1840 in Pest und 1842 in Prag verwendet. 1842 hatte er das Bundeskontingent Württembergs, 1846 diejenigen Kurhessens, Nassaus, Luxemburgs und Braunschweigs zu inspizieren. 1847 erhielt er das Festungskmdo. in Olmütz (Olomouc) und trat Ende 1848 i. d. R., in dem er sich erneut mit militärwiss. Arbeiten befasste. 1839 (mit Diplom von 1843) Frh., 1845 2., 1846 1., 1850 wieder 2. Inhaber des Kürassierrgt. (ab 1867 Dragonerrgt.) 2; 1849 Geh. Rat. S. erhielt zwar sizilian., kurhess. und bayer., aber keinen österr. Orden.

W.: Anleitung zur Erkennung, Beschreibung, Zeichnung, freyen Aufnahme und Benützung des Terrains für den Wirkungskreis des Cavallerie-Off., 1827; Über die Grundstellungen und die sich darbietenden Kriegsoperationen in Süddtld. für die erste Linie der Bundesheere bei einem Kriege gegen Frankreich, 1835; Gedanken über die jetzigen Leistungen der Cavallerie, 1850; Grundsätze der Strategie. Mit einem Blick auf feste Lager und Befestigungen überhaupt, 1852; Analyt. Uebersicht der Kriegsoperationen der kaiserl. königl. österr. Armee in Italien im Jahre 1848, 1853; etc.
L.: ADB; Streffleur 4, 1865, S. 404; Wurzbach; Geschichte des Dragoner-Rgt. Gf. Paar Nr. 2 ... 1672–1891, 1895, S. 438f., 497ff.; KA, Wien.
(A. Schmidt-Brentano)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 49f.
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