Supan, Alexander Georg (1847–1920), Geograph

Supan Alexander Georg, Geograph. Geb. Innichen, Tirol (San Candido/Innichen, I), 3. 3. 1847; gest. Breslau, Dt. Reich (Wrocław, PL), 6. 7. 1920. Sohn eines Kreisforstmeisters. – Nach Besuch des Gymn. in Laibach absolv. S. 1866–68 hist.-phil. Stud. an der Univ. Graz, u. a. bei →Franz Krones v. Marchland, und stud. 1868–69 Geschichte in Wien; 1870 Dr. phil. in Graz und Lehramtsprüfung für Geschichte, Geographie und Dt. 1871–75 Realschullehrer in Laibach, stud. er 1875–76 Astronomie, Magnetismus, Geol. und Mineral. an den Univ. Graz und Halle (nicht nachweisbar) und besuchte 1877 als Gasthörer Vorlesungen in Zool. und Astronomie an der Univ. Leipzig. Ab 1877 wirkte er als Gymn.lehrer in Czernowitz und war gleichzeitig Priv.Doz. für Geographie an der dortigen Univ.; 1880 ao. Prof. 1884–1909 war er wiss. Mitarb. in Justus Perthes’ Geograph. Anstalt in Gotha, wo er u. a. als Hrsg. von „Petermanns Geographischen Mitteilungen“ fungierte. 1909 als o. Prof. an die Univ. Breslau berufen, konnte er krankheitsbedingt nur bis Anfang 1916 Vorlesungen halten. Als Lehrer beanstandete er die Unzulänglichkeit der Schulbücher für Geographie und verf. daher ein vielbeachtetes „Lehrbuch der Geographie für österreichische Mittelschulen …“ (1874, 11. Aufl. 1904). Mit seinem mehrfach aufgelegten Hauptwerk „Grundzüge der physischen Erdkunde“ (1884, 8. Aufl. 1934) beeinflusste S. die Entwicklung der modernen Geographie nachhaltig. Erwähnenswert ist auch sein geograph. Werk über „Österreich-Ungarn“, 1889. Darüber hinaus interessierte er sich für Meteorol. und Klimakde., Erdbebenforschung, Erkenntnisse von Expeditionen, Wirtschaftsgeographie und Kolonialpolitik. In Gotha begründete er 1885 den umfassenden „Geographischen Literaturbericht“ sowie 1886 das „Archiv für Wirtschaftsgeographie“, ab 1889 red. er den „Gothaischen Genealogischen Hofkalender“. S., der als Autorität auf geograph. Gebiet galt, war ab 1886 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina, Ehrenmitgl. der geograph. Ges. u. a. in München, Hamburg, Wien, Amsterdam, Rom und London und der Ges. der Naturfreunde in Moskau, k. M. der Geograph. Ges. in St. Petersburg, Paris und Leipzig. 1904 erhielt er die Cothenius-Medaille, 1906 die Franz v. Hauer-Medaille.

Weitere W.: s. Poggendorff; Wer ist’s?; Dt. Zeitgenossen-Lex.
L.: WZ, 8. 7. 1920 (A.); Poggendorff 3–4 (m. W.); SBL; Wer ist’s?, 1908 (m. W.); Dt. Zeitgenossen-Lex., ed. F. Neubert, 1905 (m. W.); Z. für Schulgeographie 30, 1909, S. 216; Monthly Weather Review 48, 1920, S. 601; H. Wagner, in: Petermanns Geograph. Mitt. 66, 1920, S. 139ff.; E. Banse’s Lex. der Geographie 2, 1933; E. Widmoser, Südtirol-Brevier von A–Z, 1966; Alma Mater Francisco Josephina. Die dt.sprachige Nationalitäten-Univ. in Czernowitz, ed. R. Wagner, 2. Aufl. 1979, S. 129; Osebnosti. Veliki slovenski biografski leks., 2008; UA, Graz, Stmk.; UA, Wien; UA, Leipzig, D.
(Ch. Kopke)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 51
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