Suschitzky, Wilhelm (1877–1934), Buchhändler und Verleger

Suschitzky Wilhelm, Buchhändler und Verleger. Geb. Inzersdorf, NÖ (Wien), 22. 12. 1877; gest. Wien, 18. 4. 1934 (Selbstmord); mos., 1908 Austritt aus der IKG. Bruder von →Philipp S., Vater des Kameramannes und Photographen Wolf S. (geb. Wien, 29. 8. 1912) und der Photographin Edith Tudor-Hart (geb. Wien, 28. 8. 1908; gest. Brighton, GB, 15. 5. 1973), Onkel des Buchhändlers Joseph S.; ab 1907 mit Adele S., geb. Bauer (geb. Brünn, Mähren / Brno, CZ, 19. 11. 1878; gest. London, GB, 24. 5. 1980) verheiratet. – Nach dem Besuch der Gremial-Handelsfachschule der Wr. Kaufmannschaft und verschiedener Univ.kurse eröffnete S. 1901 gem. mit seinem Bruder im Wr. Arbeiterbez. Favoriten eine Buch- und Antiquariatshandlung mit angeschlossener Leihbibl., der später der Verlag von Brüder Suschitzky (ab 1912 Anzengruber-Verlag, Brüder Suschitzky) angeschlossen wurde. S., in der Arbeiterbewegung aktiv tätig und später Sozialdemokrat, Freidenker und Mitgl. des Monistenbunds, war ab 1914 Geschäftsführer des Verlags. 1915 als Rechnungsgehilfe in der Verwaltung eines Wr. Krankenhauses eingezogen, bemühte sich S. nach dem 1. Weltkrieg um eine zweite Buchhandelskonzession in Wien 1, um den Verlag von der Buchhandlung seines Bruders räuml. zu trennen. Das Ansuchen wurde jedoch im April 1919 abgelehnt. Das Unternehmen geriet ab den 1920er-Jahren zunehmend unter Druck und war Anfeindungen von rechtskonservativer Seite ausgesetzt. Nach S.s Tod wurde Adele S. zweite Ges., und sein Neffe Joseph S., der nach dem Besuch des Spezialkurses für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel und einem Stud. der Staatswiss. (Dr. jur. 1928) in das Unternehmen eingetreten war, übernahm bis zu seiner Deportation nach Dachau die Geschäftsführung des Verlags.

L.: NFP, 19. 4. 1934 (auch A.); WZ, 19. 4. 1934; Hall–Renner; Hdb. jüd. AutorInnen; Renner, Nachlässe; M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–38, 1–2, 1985, s. Reg.; A. Lechner, Die Wr. Verlagsbuchhandlung „Anzengruber-Verlag, Brüder Suschitzky“ (1901–38) im Spiegel der Zeit, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 44, 1995, S. 187ff. (m. B.); E. Stumpf-Fischer, in: kolloquiA: Frauenbezogene / feminist. Dokumentation und Informationsarbeit in Österr., 2001, S. 241ff.; M. Fischer, Erot. Literatur vor Gericht, 2003, S. 67ff.; E. Fischer, Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Dtld. und Österr. in der Emigration nach 1933, 2011, S. 321ff.; IKG, MA 35, UA, alle Wien; Mitt. Peter Stephan Jungk, Paris, F.
(A. Lechner)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 58f.
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