Sussin, Mathilde (1876–1943), Schauspielerin

Sussin Mathilde, Schauspielerin. Geb. Wien, 21. 9. 1876; gest. Ghetto Theresienstadt, Protektorat Böhmen und Mähren (CZ), 2. 8. 1943 (umgekommen); mos. Tochter eines aus Belgrad stammenden Kontoristen. – S. begann ihre schauspieler. Laufbahn 1895 am Stadttheater Innsbruck. Nach Stationen in Aachen (1897), Preßburg (1898), Wr. Neustadt (1899) und neuerl. Aachen kam sie 1901 an das Grazer Stadttheater, wo sie als Lady Milford in Schillers „Kabale und Liebe“ debüt. und bis 1906 Ensemblemitgl. blieb. Im Fach der eleganten Salondame soll sie ein feines Gespür für die Darstellung hochsensibler Frauen besessen haben und war v. a. in Stücken von Ibsen, Hauptmann und Sudermann erfolgreich, etwa als Magda in Sudermanns Schauspiel „Heimat“ und als Beate in dessen Drama „Es lebe das Leben“. Anschließend ging sie nach Berlin, trat dort zunächst unter Otto Brahm am Lessingtheater (u. a. als Morphinistin Sidonie Knobbe in der Urauff. von Hauptmanns Tragikomödie „Die Ratten“) und ab 1912 auch am Kleinen Theater auf. 1913/14 gehörte sie gem. mit Gerhart Hauptmann, Else Lehmann und anderen der neu gegr. Dt. Künstler-Theater-Sozietät an. Ab 1916 war S. am kgl. Schauspielhaus engag., wo sie u. a. als Frau Alving in Ibsens „Gespenstern“ zu sehen war. Im selben Jahr begann sie auch für den Stummfilm zu arbeiten, wobei sie meist Mütter und Ehefrauen darstellte (z. B. Lady Kockeritz in „Ein Walzertraum“, 1925) und in Literaturverfilmungen mitwirkte, etwa in der Rolle der Konsulin Elisabeth Buddenbrook in „Die Buddenbrooks“ (1923) sowie – unter der Regie Richard Oswalds – als Frau Geheimrat Burthe in der Vicky-Baum-Verfilmung „Feme“ (1927) und als Frau Bergmann in „Frühlings Erwachen“ (1929) nach Frank Wedekind. Wenige Monate nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 wurde ihr Vertrag am Preuß. Staatstheater gekündigt. Im Spätsommer dieses Jahres konnte sie noch für einige Wochen am Theater in der Stresemannstraße auftreten, bevor man sie, da sie nicht in die Reichstheaterkammer aufgenommen wurde, auch hier entließ. Gustaf Gründgens soll danach für sie gesorgt haben. Im September 1942 wurde S. in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie an Rezitationsabenden und Theaterauff. mitwirkte.

L.: Eisenberg, Bühne; Die vormals Kgl., jetzt Preuß. Staatstheater zu Berlin, zusammengestellt G. Droescher, 1936, S. 40, 43, 126; O. Brahm – G. Hauptmann, Briefwechsel 1889–1912, ed. P. Sprengel, 1985, s. Reg.; U. Liebe, verehrt verfolgt vergessen: Schauspieler als Naziopfer, 1992, s. Reg. (m. B.); K. Weniger, Das große Personenlex. des Films 7, 2001 (m. Filmographie); C. Zuckmayer, Briefe an H. Schiebelhuth … u. a. Beitrr. zur Zuckmayer-Forschung, ed. G. Nickel u. a., 2003, s. Reg.; Ph. Manes, Als ob’s ein Leben wär. Tatsachenber. Theresienstadt 1942–44, ed. B. Barkow – K. Leist, 2005, s. Reg.; K. Weniger, Zwischen Bühne und Baracke, 2008, S. 333f. (m. B.); IKG, Wien.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 60
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