Sutnar, Jaroslav; Ps. Vilém Dítě, Jan Kříž, Jan Mráz, Viktor Oblak, U. S. Rant, Alex. Sever, Petr Skála, Václav Uhel (1873–1947), Literaturhistoriker, Schriftsteller und Bibliothekar

Sutnar Jaroslav, Ps. Vilém Dítě, Jan Kříž, Jan Mráz, Viktor Oblak, U. S. Rant, Alex. Sever, Petr Skála, Václav Uhel, Literaturhistoriker, Schriftsteller und Bibliothekar. Geb. Karolinenthal, Böhmen (Praha-Karlín, CZ), 24. 6. 1873; gest. Brno, Tschechoslowakei (CZ), 27. 4. 1947; röm.-kath. Sohn des Beamten im Telegraphenamt und Pioniers für den Ausbau des Telefonnetzes in Böhmen Václav S., Neffe des Malers und Illustrators Artuš Scheiner (1863–1938), Bruder des Malers und Designers Ladislav S. (1897–1976). – Nach dem Besuch des tschech. Staatsgymn. in Pilsen (Plzeň) 1883–91 stud. S. an der Prager tschech. Univ. moderne Sprachen und Literatur. Nach einem Staatsstipendium in Leipzig 1893/94 und einem weiteren Semester in Prag setzte er 1895 das Stud. an der Wr. Univ. fort; 1896 Dr. phil. mit einer Arbeit zu →Svatopluk Čech. Danach war S. in der Hofbibl. in verschiedenen Positionen tätig (1902 Amanuensis, 1911 prov. Skriptor, 1913 Bibliothekar) und unterrichtete daneben Tschech. an der Theresian. Akad. (1904–06) sowie an der Univ. (1917–22). S., der am Ver.leben der Wr. Tschechen aktiv teilnahm, trat nach dem Zerfall der Monarchie 1918 in den tschechoslowak. Staatsdienst als Mitarb. der für die Überführung von Archivgut in die Tschechoslowakei zuständigen Liquidierungskomm. 1923 wurde er Dir. der Landes- und Univ.bibl. in Brno, 1931 Staatsrat, 1934 i. R. In seinen Ged., die in Z. und Ztg. wie „Besedy Času“, „Lidové noviny“, „Šibeničky“ oder „Vídeňský deník“ erschienen und in denen er die Wr. Ges. analysiert, wird seine sozialkrit. und antiklerikale Haltung deutl. Er widmete sich außerdem der diachronen Sprachwiss. sowie der Literaturgeschichte (v. a. →Karl Jaromir Erben und Čech). S. veröff. Beitrr. im „Archiv für slavische Philologie“ sowie Artikel zum Bibl.wesen, übers. für die „Wiener Zeitung“ tschech. Literatur ins Dt. und erarbeitete Bibliographien (u. a. „Slavische Länder“ in der „Neuen Österreichischen Biographie 1815–1918. Zweite Abteilung Bibliographie“, 1925).

Weitere W. (s. auch LČL): Trosky. Verše (1889–94), 1896; S. Čechs Leben und Werke, 1897. – Nachlass: Literární archiv PNP, Praha, CZ.
L.: Svobodné noviny, 29. 4. 1947; Rovnost, 30. 4. 1947; LČL (m. W.); Masaryk; Otto, Erg.Bd.; M. Steppanová, in: Knihovna 2, 1947, S. 65; A. Beer, in: Naše věda 25, 1947, S. 265f.; Š. Vlašín, in: Státní vědecká knihovna v Brně, 1983, S. 252; UA, Wien.
(V. Petrbok)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 62f.
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