Svoboda, Adalbert (1828–1902), Journalist

Svoboda Adalbert, Journalist. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 26. 1. 1828; gest. München, Bayern (D), 19. 5. 1902. Sohn von Johann (František Jan Vlastimír) S. (s. u.). – S. absolv. die Stud. der Geschichte, Phil. und Kunstgeschichte an der Univ. Prag (1850 Dr. phil.) und wirkte 1854–62 als Prof. für Geschichte und Dt. zuerst in Krakau (Kraków), dann am Gymn. in Marburg (Maribor). I. d. F. wandte er sich der Journalistik zu und übernahm 1862 die Chefred. der Grazer „Tagespost“, die unter seiner Leitung zu einer der einflussreichsten Ztg. avancierte. 1882 schied er aus der Ztg. aus, betätigte sich fortan als Fachschriftsteller und engagierte sich zusätzl. für pädagog. und philanthrop. Projekte. Mitte 1884 verließ er Graz und ging nach München, wo er von kunstkrit. Artikeln lebte und ab 1888 das Kunstreferat der Münchener „Allgemeinen Zeitung“ führte. 1889 wechselte er nach Stuttgart zur „Neuen Musik-Zeitung“, blieb hier bis 1900 und übersiedelte anschließend wieder nach München. S., Liberaler und Freidenker, widmete sich neben seiner journalist. Tätigkeit kulturhist. und phil. Stud. und publ. Biographien („Franz von Defregger. Biographisches und Kritisches“, 1886) sowie eine „Illustrierte Musik-Geschichte“, 2 Bde., 1892–93. Zu seinen Hauptwerken zählen „Kritische Geschichte der Ideale. Mit besonderer Berücksichtigung der bildenden Kunst“, 2 Bde., 1886, „Gestalten des Glaubens. Culturgeschichtliches und Filosofisches“, 2 Bde., 1896–97, und „Ideale Lebensziele“, 2 Bde., 1901. In seinen Arbeiten versuchte S., der den Thesen Ernst Haeckels folgte, die darwinist. Grundsätze auch in der Kulturgeschichte nachzuweisen. Sein größtes Verdienst lag allerdings in der Förderung →Peter Ros(s)eggers: Im Dezember 1864 machte S. in einem Beitr. erstmals nachhaltig auf den jungen steir. Volksdichter aufmerksam. Er erkannte dessen Begabung und versuchte, ihn zu fördern, bzw. unterstützte er ihn bei dessen ersten Arbeiten. In den Folgejahren entwickelte sich daraus eine tiefe Freundschaft, die sich in einem regen Briefwechsel niederschlug. S.s Vater, der Lehrer Johann (František Jan Vlastimír) S. (geb. Hořepnik, Böhmen / Hořepník, CZ, 1. 10. 1803; gest. Prag, 27. 9. 1844; röm.-kath.), Sohn eines Zeugmachers, erhielt frühzeitig Musikunterricht und besuchte 1826 das Priesterseminar im Bistum Gurk. Noch bevor er zum Priester geweiht wurde, ging er nach Prag und wirkte als Hilfslehrer an der Teynschule. Aufgrund seiner didakt. Fähigkeiten erhielt Johann S. Förderungen durch den Prager Bgm., der ihm Reisen nach Dtld. ermöglichte, um das dortige Unterrichtswesen, insbes. die Einrichtung von Mädchenschulen, kennenzulernen. Er legte sein Augenmerk auf die damals im Entstehen begriffenen Kinderbewahranstalten, gewann das Interesse sowie die Unterstützung →Karl Gf. Choteks und initiierte 1832 die Gründung einer Kleinkindermusterschule in der Prager Neustadt. Dort erhielt er eine Anstellung als Lehrer und führte als Erster Gymnastik in den Unterricht ein. Bes. aber förderte er den schul. Unterricht in der freien Natur. 1842 wurde Johann S. Hauptlehrer an der Pfarrschule zum Hl. Nikolaus auf der Prager Kleinseite. Sein 1839 veröff. Werk „Školka čili prvopočáteční, praktické …“ zählte zu den bedeutendsten pädagog. Publ. der damaligen Zeit und wurde ins Poln. und Dän. übers. Außer seinem Lesebuch für Kleinkinder „Malý čtenář čili čítanka pro malé dítky“ (1840) publ. er noch teils mehrfach aufgelegte Lehrbücher mit Schreib- sowie tschech. und dt. Sprechübungen.

Weitere W.: Die Beziehungen der religiösen Weltanschauung zur Kunst, 1858; Poesie in der Malerei, 1861; P. K. Rosegger. Eine Lebens- und Charakterskizze, 1886; etc. – Johann S. (s. auch Wurzbach): Sebrání českých původních písní, 1836; Malý písař, čili praktické navedení k prvopočátečnímu psaní, 1841; Malý Čech a Němec, čili prvopočáteční české a německé cvičení v mluvení, 1843.
L.: NFP, Prager Tagbl., Tagespost (Graz, A.), 21. 5. 1902; Wurzbach (s. u. Wenzel Alois S.); P. Rosegger, in: Heimgarten 26, 1902, S. 772ff.; H. Himmel, in: Literatur in der Stmk., 1976, S. 223; R. List, Kunst und Künstler in der Stmk. 25, 1982; Das ungelöste Welträtsel. F. v. Uslar-Gleichen und E. Haeckel, ed. N. Elsner, 3, 2000, S. 1316; P. Rosegger – G. Heckenast. Briefwechsel 1869–78, ed. K. Wagner u. a., 2003, S. 497. – Johann S.: Wurzbach (m. W.); Světozor 3, 1869, S. 330f.; H. Špačková, in: Tichavský zpravodaj 2, 2007; Archiv der Diözese Gurk, Klagenfurt, Ktn.
(Ch. Gruber – D. Angetter – M. Makariusová)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 72f.
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