Swoboda, August (1795–1863), Musiklehrer, Komponist und Musiktheoretiker

Swoboda August, Musiklehrer, Komponist und Musiktheoretiker. Geb. Laimgrube, NÖ (Wien), 7. 12. 1795 (Taufdatum); gest. Graz (Stmk.), 25. 4. 1863. Aus einfachen Verhältnissen stammend. – S. erlernte zunächst das Harfenspiel bei einem gewissen Brunner oder Brunno sowie bei →Josef Schwanenberg. →Josef v. Blumenthal machte ihn mit den musiktheoret. Werken von Abbé Georg Joseph Vogler vertraut. Es folgten Stud. bei →Josef Drechsler, den er ca. 1825/26 zeitweise als Generalbasslehrer an der Normalschule von St. Anna (Wien 1) vertrat. Mitte der 1820er-Jahre bezeichnete sich S., nachdem er autodidakt. weitere Instrumente erlernt und sich die musiktheoret. Werke von Johann Philipp Kirnberger, Justin Heinrich Knecht u. a. angeeignet hatte, als ausübendes Mitgl. der Ges. der Musikfreunde in Wien. Eine von ihm angegebene Tätigkeit als „Musikmeister in der k. k. Ingenieur Academie in Wien“ konnte bislang nicht datiert werden. Ab September 1828 betrieb er eine Musikschule in der Weihburggasse (Wien 1), die er vermutl. bis 1848 führte; um 1847 scheint er sich auch als Klaviermacher bzw. -trödler versucht zu haben. Ab 1843 unternahm er umfangreichere Reisen, ausgestellte Reisedokumente waren u. a. für Frankreich, England, Russland, Griechenland und Konstantinopel (İstanbul) gültig. Von Bedeutung war S.s Engagement im Revolutionsjahr 1848 in Wien. Als Gründer des sog. Privat-Darlehen-Ver. ohne Hypothek, der im August 1848 vom Innenmin. genehmigt wurde und durch die Aktienzeichnung hoher Politiker quasi offiziösen Charakter erlangte, war er i. d. F. für den „Aktienrummel“ im September 1848 mit-, wenn nicht hauptverantwortl. Im September 1848 befasste sich eine Ministerratssitzung ausschließl. mit der Liquidierung des S.’schen Ver., wobei S. selbst zur Auskunftserteilung geladen war. Dadurch sicherte er sich einen festen Platz in sämtl. zeitgenöss. Berr. über das Wr. Revolutionsjahr, wenngleich seine Person immer etwas schattenhaft blieb. Strafrechtl. nicht weiter belangt, verließ er 1848 Wien und übersiedelte nach Graz, wo er ein karges Leben als Generalbass- und Harfenlehrer fristete. Seine großteils als bescheiden zu bezeichnenden Werke erschienen fast ausschließl. im Eigenverlag. Als Musiktheoretiker ist er weit höher einzuschätzen, obwohl seine Schriften teils zwiespältige Aufnahme fanden. Zu S.s Schülern zählen →Franz Mair, Gründer des Wr. Schubertbundes, →Franz Massak, →Joseph Fahrbach, →Anton Absenger und Erwin Franz Gf. Neipperg.

W. (s. auch Fastl): 1 Tantum ergo; Am Grabe Beethoven’s (Männerchor); Vertonungen griech.-orthodoxer Kirchenmusik; Lieder; 2 Märsche für Blasorchester; 1 Walzer für Orchester; Kammer- und Unterhaltungsmusik für verschiedene Besetzungen; Übungsstücke. – Verschollen u. a.: Feodore (Singspiel nach A. v. Kotzebue, 1820); Die Werke des Glaubens (Oratorium nach F. v. Schiller, 1818); 2 Messen (1821, 1826). – Publ.: Allg. Theorie der Tonkunst, 1826; Guitarre-Schule für Damen, 1826; Instrumentirungslehre, 1827; Gesanglehre, 1828; Harmonielehre, 1828; Anleitung zum Contrapunctiren, 1829; Guitarre-Schule, o. J. (2. Aufl. 1836).
L.: oeml (nur online, Zugriff 18. 1. 2012); Lehrer-Schema oder Ausweis …, ed. J. Kaiser, 1845, S. 32; Th. Kletečka, in: Eliten und Außenseiter in Österr. und Ungarn, ed. W. Heindl u. a., 2001, S. 67ff.; Ch. Fastl, in: Musicologica Austriaca 27, 2008, S. 101ff. (m. W.).
(Ch. Fastl)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 82f.
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