Syllaba, Ladislav (1868–1930), Mediziner und Politiker

Syllaba Ladislav, Mediziner und Politiker. Geb. Bystřitz bei Beneschau, Böhmen (Bystřice, CZ), 16. 6. 1868; gest. Praha, Tschechoslowakei (CZ), 30. 12. 1930. Sohn des Gastwirts und Bgm. von Bystřitz František S., Vater des Internisten, Diabetologen, aber auch Dichters und bildenden Künstlers Jiří S. (1902–1997). – S. besuchte ab 1878 das Gymn. in Beneschau (Benešov) nahe Prag und maturierte 1886 in Kolin (Kolín). Im Anschluss daran stud. er Med. an der dt. Univ. Prag; 1892 Dr. med. Zunächst im Prager AKH tätig, arbeitete er 1893 in der Abt. für innere Med. an der Prager Poliklinik beim Internisten Josef Thomayer. 1893–94 vervollkommnete er seine Ausbildung in Frankreich, Österr., Dtld. und in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr wurde er Thomayers Ass. Neben seiner klin. Praxis widmete sich S. der Forschung und verf. eine zweiteilige Habil.schrift über perniziöse Blutarmut (1900–01). Die darin publ. Entdeckung des Bilirubin und seine Erkenntnisse über dieses werden bis heute in der Untersuchung von Bluterkrankungen genutzt; 1901 Venia docendi für Pathol. und Therapie internist. Krankheiten. 1903 eröffnete er eine Privatpraxis, hielt aber weiterhin Vorlesungen an der Univ.; 1904 ao. Prof., 1919 o. Prof. Während des 1. Weltkriegs arbeitete S. zunächst als Vorstand von zwei Reservekrankenhäusern in Prag, später des Militärspitals in Theresienstadt (Terezín). Seine Erfahrungen in der Diagnostik fasste er in seiner bedeutendsten, auch international anerkannten Arbeit „Nauka o lékařském poklepu a poslechu“ (Tl. 1, 1918, Tl. 2, 1925) zusammen. Weiters befasste er sich mit Kardiol., Endokrinol. und schrieb u. a. über Krankheiten des Verdauungstrakts sowie der Lunge. 1919–30 Ordinarius und Vorstand der I. Med. Klinik in Prag, errichtete er dort mehrere neue Spezialabt. (u. a. Röntgenol., physikal. Therapie und eine Tuberkulose-Ordination), in denen eine Generation von weltweit bedeutenden Ärzten ausgebildet wurde. Er zählte →Karel Kramář und →Thomas Masaryk zu seinen Freunden und Patienten. Polit. interessiert, engagierte er sich bereits während seines Stud. in verschiedenen Ver. und war Mitgl. der Nationalen Freidenkerpartei. Im 1. Weltkrieg schloss er sich dem tschech. Widerstand an, arbeitete mit dem geheimen Maffiaausschuss zusammen und wirkte als Koordinator der Widerstandsaktivitäten unter den Ärzten und als Gesundheitsexperte des Tschechoslowak. Nationalkomitees. Ab 1918 Mitgl. der Revolutionären Nationalversmlg., fungierte er als tschechoslowak. Abg. für die Nationaldemokratie. Im Parlament war er bis 1920 tätig, dann widmete er sich wieder der Med. S. war Mitgl. zahlreicher tschech. und internationaler Fachorganisationen, u. a. 1919 ao., ab 1920 o. Mitgl. der Česká akad. věd a umění, des Slovanský ústav, der Société de neurologie, ab 1928 k. M. der Acad. de médecine in Paris, ab 1929 der Kgl. böhm. Ges. der Wiss. 1926–29 Vors. des Ver. tschech. Ärzte. Er wurde mit dem Orden der französ. Ehrenlegion und mit dem St.-Sava-Orden ausgez.

Weitere W.: s. Časopis lékařů českých 70.
L.: Masaryk; Otto; Otto, Erg.Bd.; Sborník prací na počest šedesátých narozenin Prof. Dra L. S. ..., ed. K. Henner u. a., 1928 (m. B.); Časopis lékařů českých 70, 1931, bes. S. 127ff. (m. B. u. W.), 77, 1938, S. 750f. (m. B.), 99, 1960, S. 1619f., 107, 1968, S. 953ff. (m. B.); Z deníku L. S., ed. Jiří S., 1933; Sborník vlastivědných prací Podblanicka 25, 1984, S. 237ff.; Biografický slovník pražské lékařské fak. 1348–1939, 2, 1993 (m. L.); Slovník prvního československého odboje 1914–18, 1993; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. století 3, 1999; UA, Praha, CZ.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 91f.
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