Sylvester, Julius (1854–1944), Politiker und Rechtsanwalt

Sylvester Julius, Politiker und Rechtsanwalt. Geb. Wien, 30. 6. 1854; gest. Baierham, Zeller Schlössel (Seekirchen am Wallersee, Sbg.), 13. 7. 1944. Sohn des Seidenzeugfabrikanten Karl Alexander S. und von Franziska S., geb. Maurer; 1887 Heirat mit Theodora S., geb. Hörzinger (geb. Linz, OÖ, 1. 4. 1869; gest. Salzburg, Sbg., 13. 3. 1922). – S. besuchte bis 1867 das Stiftsgymn. in Kremsmünster und 1867–73 das Piaristengymn. in Krems an der Donau; 1873 Matura. Nach seinem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger 1873/74 stud. er 1874–77 Rechtswiss. an der Univ. Wien; 1880 Dr. jur. Nach Gerichtspraxis als Auskultant in Wien und Salzburg 1877–80 war er 1880–82 als Advokaturskonz. in Wien und 1882–85 in Linz tätig. Dort beteiligte sich S., der seit seiner Stud.zeit in der dt.nationalen Bewegung engagiert war, 1882 an der Ausarbeitung des „Linzer Programms“ →Georg v. Schönerers, dessen Antisemitismus er teilte, während er sich ab 1893 zunehmend von Schönerers alldt. Ideen distanzierte. Ab 1885 wirkte er als Hof- und Gerichtsadvokat in Salzburg; 1894–98 Mitgl. des Gmd.rats, 1896–98 Vizebgm. der Stadt Salzburg. 1897–1918 gehörte er als Abg. der Dt. Volkspartei dem RR an, wo er sich u. a. gegen die Badenischen Sprachverordnungen wandte und als Obmann des Eisenbahnausschusses Verdienste beim Ausbau des Hafens von Triest erwarb. 1911–17 fungierte er als Präs. des Abg.hauses, 1918–19 war er Mitgl. der prov. Nationalversmlg. sowie Staatsnotar, in welcher Funktion er u. a. für die Verwaltung und Auflösung des Hofärars zuständig war und die ersten Gesetze der Republik (Dt.-)Österr. unterzeichnete. Nach seinem Rückzug ins Privatleben praktizierte S. weiterhin als Rechtsanwalt und engagierte sich bei den dt.nationalen Burschenschaften. 1917–19 war er Mitgl. des Reichsgerichts und 1919–30 des Verfassungsgerichtshofs. 1918 Geh. Rat. S. war 1915–22 Präs. der Internationalen Stiftung Mozarteum, 1922 deren Ehrenpräs.

W.: Die brennende Frage. Ein flüchtiges Gedankenbild, 1888; Prosit Blume!, 1892; Die Gmd.betriebe der Stadt Salzburg, in: Die Gmd.betriebe in Österr., ed. C. J. Fuchs, 1909; Salzburg nach dem Kriege, in: Österr. Rundschau 17, 1921, 1. und 2. Augusth.; Vom toten Parlament und seinen letzten Trägern, 1928; Erinnerungen eines alten Burschenschafters, in: Ein Volk, ein Reich. Die dt. Burschenschaft, 1932; Das geistige Bollwerk, in: Sbg. Wiss.wochen 23. August bis 2. September 1939, 1939.
L.: Sbg. Tagbl., 12. 5. 1896; NFP, 21. 7. (A.), 3. 8. 1911, 30. 6. 1914; 100 Jahre Dt. Burschenschaft in Österr. 1859–1959 …, bearb. G. Berka, 1959, s. Reg. (m. B.); E. M. Auer, in: Stud. zur Wr. Geschichte. Jb. des Ver. für Geschichte der Stadt Wien 37, 1981, S. 177ff., bes. S. 181ff. (m. B.); R. Eder, Dr. J. S., phil. Diss. Wien, 1993; L. Höbelt, FS für J. S., 1994 (m. B.); H. Dvorak, Biograph. Lex. der Dt. Burschenschaft 1/5, 2002 (m. B.); R. Voithofer, Polit. Eliten in Sbg., 2007; ders., „… Dem K. Treue und Gehorsam …“. Ein biograf. Hdb. der polit. Eliten in Salzburg 1861 bis 1918, 2011; Parlamentsarchiv, Pfarre St. Josef zu Margareten, UA, alle Wien; Stadtgmd. Seekirchen am Wallersee, Sbg.
(G. Dohle – O. Dohle)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 93
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>