Szabó, Dezső (1879–1945), Schriftsteller und Publizist

Szabó Dezső, Schriftsteller und Publizist. Geb. Klausenburg, Siebenbürgen (Cluj-Napoca, RO), 10. 6. 1879; gest. Budapest (H), 13. 1. 1945; evang. HB. Nach der Matura am reformierten Kolleg in Klausenburg 1899 stud. S. 1900–04 ung. und französ. Philol. in Budapest (Lehramtsdiplom 1905) und war Mitgl. des Eötvös-József-Collegiums. Danach verbrachte er ein Jahr in Paris und unterrichtete nach seiner Rückkehr 1906–19 als Gymn.lehrer Französ. und Ung. Seine ersten Erz., Kritiken und Essays publ. er ab 1911 in den Z. „Nyugat“ und „Huszadik Század“. S. erwies sich als krit. Publizist, hochgebildeter Schriftsteller und Vermittler der wichtigsten geistigen und künstler. Strömungen der Epoche. Er war einer der Ersten, die in Ungarn auf die Avantgarde aufmerksam machten. Sein antiliberaler und antisemit. Aufsatz „Az individualizmus csődje“, der in der Z. „Huszadik Század“ 2, 1915, erschien, führte jedoch zum Bruch mit dem Nyugat-Kreis. Den ideolog. Kern seiner umstrittenen, indes äußerst einflussreichen Aufsätze und Essays wie auch seines Romans „Az elsodort falu“ (1919, Neuaufl. 1989) bildete die romant.-utop. Ansicht, Bauern und Landadel stellten den wertvollsten, von den Ideologien des 20. Jh. noch unberührten Tl. der ung. Nation dar. In ihnen sah S. die zukünftige herrschende Mittelkl., die vor fremdem Einfluss geschützt werden müsse. Daraus resultierte die ambivalente polit. Positionierung S.s, der von den jeweiligen Machthabern die Verwirklichung seiner Vorstellungen erhoffte und stets enttäuscht wurde. Während des 1. Weltkriegs nahm er eine pazifist. Haltung ein, 1918 begeisterte er sich für die bürgerl.-demokrat. Revolution sowie 1919 für die Räterepublik, wandte sich jedoch bald von ihr ab und wurde zum Anhänger der Konterrevolution, um sich schließl. – u. a. in seinen satir. Werken „Segítség!“ (1925, Neuaufl. 1997) und „Feltámadás Makucskán“ (1925) – als Kritiker des Horthy-Regimes zu zeigen. S.s volkstümler., Ungarn- und Bauern-zentriertes Weltbild erklärt auch, warum er Rassist und Antisemit, zugleich jedoch Gegner des Nationalsozialismus war. Er befand sich sowohl mit den liberal-progressiven als auch mit den reaktionären Kreisen in ständigem Konflikt und geriet zusehends in Isolation. Davon zeugte seine eigene Z. „Ludas Mátyás Füzetek“ (1934–42), in der er u. a. 1935–42 Ausschnitte aus seiner Autobiographie „Életeim“ veröff. S. gilt als bedeutender Schriftsteller der Zwischenkriegszeit. Seine in der romant. Tradition wurzelnde, mit den poet. Mitteln des Naturalismus und Expressionismus angereicherte Prosa zeichnet sich durch gewagte Bilder sowie Wortschöpfungen aus und stellt einen Höhepunkt des ung. literar. Expressionismus dar.

Weitere W. (s. auch S. D. bibliográfia): Mesék a kacagó emberről és három elbeszélés, 1919; Ölj! És egyéb elbeszélések, 1922; S. D. összegyűjtött munkái, 16 Bde., 1926–29; Karácsony Kolozsvárt, 1932; A kötél legendája, 1934; Az egész látóhatár, 1939 (erweiterte Neuausg. 1991); A bölcsőtől Budapestig, 1944; Életeim, ed. P. Nagy, 1965 (Neuausg., ed. S. Budai Balogh, 1996).
L.: Biograph. Lex. Südosteuropas; P. Nagy, S. D., 1964; G. Gombos, S. D., 1966; S. D. emlékkönyv, ed. Z. Szőcs, 1993; S. D. bibliográfia, ed. S. Budai Balogh – I. Hartyányi, 1996; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; Az elsodort író. In memoriam S. D., ed. G. Gróh, 2002 (m. B.); Lex. der Weltliteratur – Fremdsprachige Autoren 2, ed. G. v. Wilpert, 4. völlig neubearb. Aufl. 2004; Új magyar életrajzi lex. 6, 2007; Kindlers Literaturlex. 15, 3. völlig neu bearb. Aufl. 2009.
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 98f.
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