Szabó (Nagyatádi), István (1863–1924), Politiker

Szabó (Nagyatádi) István, Politiker. Geb. Csokonya (Csokonyavisonta, H), 17. 9. 1863; gest. ebd., 1. 11. 1924. Aus einer armen Bauernfamilie stammend. – S. ging nur sechs Jahre lang zur Schule und bildete sich später autodidakt. fort. In seiner Jugend arbeitete er als Land- und Forstarbeiter, Tagelöhner und Fuhrmann. 1884–87 diente er in Budapest im IR 44. Nach seiner Heimkehr genoss er in seinem Dorf großes Ansehen als Aktivist kultureller und wirtschaftl. Ver., fungierte bereits mit 26 Jahren als Gmd.richter und wurde 1904 Mitgl. des Verwaltungsausschusses des Kom. Somogy. Gem. mit anderen Bauernvertretern gründete er 1908 den Ver. der Kleinlandwirte des Kom. Somogy und übernahm dessen Vorsitz. Im selben Jahr als parteiloser Abg. in den ung. Reichstag gewählt, stand S. ab 1909 an der Spitze der neu gegr. 48er- und Unabhängigkeits-Landespartei der Landwirte, die er 1910–18 auch im Parlament vertrat und die für eine Enteignung und Aufteilung des Großgrundbesitzes sowie für die Einführung des allg. und geheimen Wahlrechts eintrat. 1918 sollte S. das Agrarressort in der noch Ende Oktober 1918 ernannten Regierung Hadik übernehmen, die jedoch aufgrund der Revolution nicht mehr amtieren konnte. Anfang 1919 war S. Mitbegründer der Nationalen Partei der Kleinen Landwirte und als Minister zuerst für die Bodenreform, danach für die Volkswirtschaft zuständig. Während der Räterepublik zog er sich in sein Dorf zurück, bekleidete aber nach deren Fall zwischen 1919 und 1924 in mehreren Regierungen verschiedene Ministerämter (Agrar-, Volksernährungs-, Kleinlandwirteminister). Die mit seinem Namen verbundene sog. Nagyatádi-Bodenreform von 1920 sollte eine gerechtere Aufteilung des Grundbesitzes bringen, betraf jedoch nur 7 % der gesamten bebauten Flächen, wodurch 400.000 Familien ledigl. ein bis zwei Joch Boden erhielten. Aufgrund dieses Misserfolgs verlor S. an polit. Einfluss, weshalb er Anfang 1922 dem von Ministerpräs. István Gf. Bethlen initiierten Zusammenschluss der Kleinlandwirtepartei zu einer neuen einheitl. Regierungspartei zustimmte und deren Parteivors. wurde. S. starb, kurz nachdem er sein Ministeramt 1924 wegen eines Korruptionsskandals, in den sein Sekr. verwickelt war, zurücklegen musste.

W.: A Függetlenségi 48-as Országos Gazdapárt bemutatkozása a parlamentben N. S. I. ... beszéde, 1910; Politikai rágalmak és cáfolatok, 1919; N. S. I. beszéde ... a párt miskolczi zászlóbontásán, 1922; N. S. I. beszéde Hódmezővásárhelyen, 1922; etc.
L.: M. Életr. Lex.; N. S. I., 1935; I. Király, N. S. I. és pártja az első világháború előtt, 1966; B. v. Krusenstjern, Die Ung. Kleinlandwirte-Partei (1909–22/29), 1981, s. Reg.; Parasztkérdés 1890–1930, ed. A. Juhász u. a., 1985; D. J. Toth, in: Annales Univ. Scientiarum Budapestiensis ..., Sectio Historica 25, 1987, S. 131ff., bes. S. 156ff.; N. S. I. emlékkönyv. 1863–1924, 1995; J. Sipos, in: Magyar agrárpolitikusok a XIX. és a XX. században, ed. L. Sipos, 2010; Materialiensmlg. ÖBL, Wien (m. B.).
(Z. Fónagy)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 100
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