Szabó, Károly (1824–1890), Historiker und Lehrer

Szabó Károly, Historiker und Lehrer. Geb. Köröstarcsa (H), 14. 12. 1824; gest. Klausenburg, Siebenbürgen (Cluj-Napoca, RO), 31. 8. 1890. S. besuchte 1833–42 das reformierte Kollegium in Debreczin (Debrecen) und 1842–43 das evang. Kollegium in Käsmark (Kežmarok). 1845 absolv. er eine Ausbildung zum öff. bzw. Wechselanwalt; im folgenden Jahr begann er den Seelehrgang in Fiume (Rijeka), brach diesen aber aus Krankheitsgründen ab. 1844–45 wirkte er als Schriftführer der Distrikttafel in Preßburg. 1847–48 arbeitete er unter der Leitung von Ferenc Toldy an dem nicht veröff. Lex. „Magyar Tudósok Tára“ mit. Während der Revolution 1848–49 war S. Oblt. der Nationalgarde. Danach trat er als Archivar des Familienarchivs in den Dienst von Joseph Gf. Teleki v. Szék, den er auch bei der Hrsg. seines Werks über die Herrschaft der Hunyadi, „A Hunyadiak kora Magyarországon“, Bd. 1–4 und 10, 1852–56, unterstützte. Nach dem Tod Telekis ed. er 1863 die Bde. 5–6 und 11–12 (die übrigen Bde. wurden 1890–1913 von →Dezső Csánki hrsg.). 1855–59 unterrichtete S. Griech. am reformierten Gymn. in Nagykőrös. Ab 1859 arbeitete er als Bibliothekar des Siebenbürg. Mus.ver. sowie als Lehrer am reformierten Gymn. in Klausenburg. 1872 wurde er o. Prof. für ung. Geschichte und hist. Hilfswiss. an der Univ. Klausenburg; 1881/82 Dekan der phil. Fak., 1882/83 Rektor. S. arbeitete v. a. über die ung. Geschichte des frühen und hohen Mittelalters. Für die Frühzeit überarbeitete und ergänzte er 1865 die „Histoire d’Attila et des ses successeurs …“, 1856, des französ. Historikers Amadé Thierry und übers. mehrere seiner Bücher ins Ung.; weiters verf. er zahlreiche Aufsätze über die Anführer der ung. Landnahme. In seinen Arbeiten über das 9. und 10. Jh. wertete er als erster ung. Historiker byzantin. Quellen aus. Außerdem betrieb er Forschungen zur Geschichte der Szekler und erschloss diese betreffende Quellen. Daneben übers. er mehrere latein. Chroniken aus dem 11.–13. Jh., u. a. die „Gesta Hungarorum“ eines namentl. nicht bekannten Autors, die von Michael Kritobulos verf. Lebensgeschichte Sultan Mehmeds II. sowie griech. Dramen (Euripides, Sophokles) ins Ung. Schließl. erstellte er eine noch heute verwendete Bibliographie des ung. Buchwesens des 16. und 17. Jh. In den 1840er-Jahren sammelte er Volkslieder, Sagen und hist. Lieder. S. war ab 1858 k. M. und ab 1871 o. Mitgl. der MTA. Ab 1889 fungierte er als Ausschussmitgl. der Ges. für ung. protestant. Literatur (Magyar Protestáns Irodalom Társásag).

Weitere W.: s. Markó.
L.: Das geistige Ungarn; Wurzbach; L. Szádeczky, S. K. emlékezete, 1894; S. Szilágyi, Emlékbeszéd S. K. r. tag felett, 1896; Á. R. Várkonyi, A pozitivista történetszemlélet a magyar történetírásban 2. A pozitivizmus gyökerei és kibontakozása Magyarországon 1830–60, 1973, s. Reg.; L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003 (m. B. u. W.).
(I. Soós)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 101f.
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