Szabolcsi, Max (Miksa); Ps. Ibri Anoki; hieß bis 1886 Max Weinstein (1857–1915), Journalist

Szabolcsi Max (Miksa), Ps. Ibri Anoki, Journalist. Geb. Tura (Nyírtura, H), 27. 8. 1857; gest. Balatonfüred (H), 17. 6. 1915 (begraben: Budapest); mos. Hieß bis 1886 Max Weinstein. Sohn eines Bauern, Vater des Journalisten Ludwig (Lajos) S. (geb. Budapest, 17. 10. 1889; gest. ebd., 11. 11. 1943); ab 1884 mit Malvina Boskovitz, der Tochter eines Druckers, verehel. – S. besuchte die Yeshiva-Schulen in Kemecse, Újfehértó, Érmihályfalva (Valea lui Mihai), Püspökladány sowie in Waitzen (Vác), verdiente seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer und begann 1877 in Budapest die Ausbildung zum Rabb., die er jedoch bald abbrach. Bereits 1878 wandte er sich der Journalistik zu. Anlässl. der Tiszaeszlár-Ritualmordaffäre im Frühjahr 1882 recherchierte er akrib. die Tatumstände sowie die Versuche, im Verlauf des Verfahrens Fakten zu vertuschen bzw. zu verfälschen, und berichtete darüber – großteils unter dem Ps. Szabolcsi – in zahlreichen Artikeln, die zunächst nur im lokalen Bl. „Debreczeni Ellenőr“, später aber auch im „Pester Lloyd“, in der „Neuen Freien Presse“, in →Simon Szántós und →Leopold Komperts Wr. Z. „Die Neuzeit“ und anderen Ztg. erschienen und von vielen europ. Bll. nachgedruckt wurden. Aufgrund seiner krit. Berichterstattung wurde er mehrfach bedroht und erhielt ein Aufenthaltsverbot für Nyíregyháza, wo das Gerichtsverfahren zwischen Juni und August 1883 stattfand. 1884 übernahm S. die Red. der „Jüdischen Pester Zeitung“, 1886 erwarb er das jüd.-soziale Wochenbl. „Egyenlőség“, für das er bedeutende Mitarb., unter ihnen Hugo Ignotus oder →József Kiss, gewinnen konnte und das i. d. F. zum führenden Organ des ung. Judentums avancierte. Eine ab 1889 gem. mit Vilmos Vászonyi geführte Kampagne zur völligen Gleichstellung der jüd. Religion führte 1895 zu einer gesetzl. Regelung. S., ein Gegner des Zionismus, befürwortete eine möglichst weitgehende Integration der ung. Juden in die Ges., die Magyarisierung der Namen und die Abhaltung der Predigten in ung. Sprache. Diese Assimilations- und Magyarisierungsgedanken vertrat er auch vehement in seinem Bl. Während seiner langen Karriere als Journalist verf. S. zahlreiche Artikel und Essays sowie etwa 20 größere Arbeiten über liberale Politik und Kirchenfragen. Er war außerdem 1894 Mitinitiator der literar. Ges. Izraelita Magyar Irodalmi Társulat und 1910 des Kulturver. Országos Magyar Izraelita Közművelődési Egyesület. 1913 gründete er einen ung. Zweig der von Israel Zangwill initiierten Jüd.-Territorialist. Organisation, die sich der Idee einer jüd. Kolonisation auch außerhalb Palästinas verschrieben hatte. Nach S.s Tod führte sein Sohn Ludwig S. die Z. weiter.

W.: Magyar Szánhedrin, 1898; Gyöngyszemek a Talmudból és a Midrásból, 1899–1912; Utazás a Szentföldön, 1905; etc. – Übers.: H. Graetz, Geschichte der Juden … 1–6, 1906–08.
L.: Pester Lloyd, 18. 6. 1915; Das geistige Ungarn; Enc. Jud.; Hdb. jüd. AutorInnen; Jew. Enc.; Jüd. Lex.; M. Életr. Lex.; M. Zsidó Lex.; Szinnyei; Universal Jew. Enc.; Wininger; Dr. Bloch’s Oesterr. WS 32, 1915, S. 481f.; S. Hegedűs, in: Szabolcs-Szatmári Szemle, 1984, Nr. 1, S. 74ff.; R. Fischer, Entwicklungsstufen des Antisemitismus in Ungarn 1867–1939, 1988, S. 42ff.; R. Patai, The Jews of Hungary …, 1996, s. Reg. (m. B.); B. Szabolcsi, Zsidó kultúra és zenetörténet …, 1999, s. Reg.; P. Haber, Die Anfänge des Zionismus in Ungarn (1897–1904), 2001, S. 92ff.; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; G. D. Hundert, The Yivo Enc. of Jews in Eastern Europe 2, 2008.
(Th. Venus)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 103
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