Szajnocha, Władysław (Ladislaus) (1857–1928), Geologe und Paläontologe

Szajnocha Władysław (Ladislaus), Geologe und Paläontologe. Geb. Lemberg, Galizien (L’viv, UA), 21. 6. 1857; gest. Jaworze (PL), 1. 8. 1928 (begraben: L’viv). Sohn von →Karol S., ab 1890 verheiratet mit Helena v. Schenk (geb. 1864). – Nach Absolv. des Gymn. in Lemberg 1876 übersiedelte S. nach Wien, wo er Geol. bei →Eduard Sueß und Paläontol. bei →Melchior Neumayr stud.; 1881 Dr. phil. Ab 1879 Volontär an der Geolog. Reichsanstalt in Wien, betrafen seine ersten geolog. Arbeiten und Karten (1880–82) Galizien (Gorlice, Jasło und Krosno). 1882 wurde er Mitgl. der physiograph. Komm. der Akad. Umiejętności in Krakau (Kraków) und habil. sich an der Univ. Krakau für Geol. und Paläontol. 1885 ao. Prof. für Geol. und Paläontol., gründete er 1886 das geolog. Inst., dessen Leitung er auch übernahm; 1889 o. Prof., 1916/17 Rektor, 1917/18 Prorektor. 1919 gehörte S. zu den Gründern des poln. geolog. Staatsdienstes (Państwowy Inst. Geologiczny). Obwohl Krakau sein Lebensmittelpunkt war, pflegte er intensive Kontakte zur Wr. Geologenschaft: 1888 wurde er Korrespondent der Geolog. Reichsanstalt, für Galizien übernahm er das Referat des Erdbebendienstes der k. Akad. der Wiss. in Wien. Im Zuge des 9. Internationalen Geologenkongresses 1903 in Wien leitete er drei Exkursionen nach Krakau, in die Umgebung von Czortków (Čortkiv) und in das Pruttal. Sein geolog. Forschungsschwerpunkt lag in Galizien, dessen Salz-, Kohle-, Eisenerzvorkommen und Mineralwasserquellen er beschrieb. Insbes. in den Ostkarpaten leistete er diesbezügl. Pionierarbeiten. Ebenso interessierte er sich für die Tatra. 1888 war er Mitbegründer des Tatra-Mus. in Zakopane. Darüber hinaus widmete er sich paläontolog. sowie paläobotan. Fragen und der Hydrogeol. Von Bedeutung sind seine Arbeiten über Erdöl- und Erdwachsvorkommen in Galizien, u. a. „Die Petroleumindustrie Galiziens“, 1897 (2. Aufl. 1905). Wesentl. Anteil hatte er an der Fertigstellung des Geolog. Atlasses von Galizien „Atlas geologiczny Galicyi“ (1:75.000; 1888–1910). Erwähnenswert sind zudem seine Lehrbücher „Zasady geologii i petrografii“, 1898, und „Geologia ogólna“, 1905. 1908–11 gab er gem. mit Władysław Jan Kulczyński die Z. „Pamiętnik Towarzystwa Tatrzańskiego“ heraus. Zahlreiche Fossilien sind nach ihm benannt. S., der zu den prägenden Persönlichkeiten der poln. Geol. und der Geol. der Karpaten gehörte, war Mitgl. in zahlreichen nationalen und internationalen Fachges., teils in führender Position. U. a. wurde er 1885 Mitgl. der Akad. der Wiss. in Krakau, zählte zu den Mitbegründern der Poln. Geolog. Ges. (1921–24 Vors.), war (vermutl. ab 1909) Mitgl. der Geolog. Ges. in Wien sowie Ehrenmitgl. der poln. Balneolog. Ges. (1906) und der poln. Ges. der Bergbau- und Hüttening. (1925). Ab 1904 Mitgl. der Tatra-Ges. (1906–12 Vizevorstand, 1912–22 Vorstand, ab 1922 Ehrenmitgl.), setzte er sich vehement für deren Umweltschutzprogramm ein.

Weitere W. (s. auch PSB): Die Brachiopoden-Fauna der Oolithe von Balin bei Krakau, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl. 41, 1879, Abt. II; Przyszłość polskiego górnictwa, 1916; Czterdziestolecie Gabinetu Geologicznego Uniw. Jagiellońskiego (1886–1925), 1926; Beitrr. in 9. internationaler Geologen-Kongress. Führer für die Exkursionen, 1903, Sbb. Wien, math.-nat. Kl.; etc.
L.: PSB (m. W. u. L.); Chemiker-Ztg. 9, 1885, S. 126; Jb. der Geolog. Reichsanstalt 38, 1889, S. VII; Verhh. der Geolog. Bundesanstalt, 1929, S. 3; J. Seidl – F. Pertlik, in: Berr. der Geolog. Bundesanstalt 69, 2006, S. 59; UA, Wien; Mitt. Marta und Oleksandr Nadraga, L’viv, UA.
(Th. Hofmann – I. Lipiarska)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 107f.
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