Szalay von Kéménd, László (1813–1864), Jurist, Historiker und Publizist

Szalay von Kéménd László, Jurist, Historiker und Publizist. Geb. Ofen (Budapest, H), 18. 4. 1813; gest. Salzburg (Sbg.), 17. 7. 1864. Aus einer Beamtenfamilie, Bruder des Beamten der ung. Hofkanzlei Ágoston S. v. K., Onkel von →Imre S. Frh. v. K. – S. stud. ab ca. 1826 Phil. und Rechtswiss. an der Univ. Pest, wo er Freundschaft mit →Joseph Baron Eötvös schloss. Bereits während des Stud. veröff. er mehrere literaturkrit. Arbeiten, Ged. und Novellen. 1831–32 war er Praktikant in der Kanzlei von →Ferenc Kölcsey; 1833 Anwaltsdiplom. I. d. F. stud. er anlässl. mehrerer Reisen nach Westeuropa die dortige jurist. Praxis. 1837–39 war er Hrsg. der rechtswiss. Z. „Themis“ und 1840–41 gem. mit Eötvös und →Móric Lukács Red. der Z. „Budapesti Szemle“. 1841–43 gehörte er als Schriftführer des Unterausschusses für Strafverfahren der vom Reichstag delegierten Komm. zur Modernisierung des Strafrechts an („Entwurf eines Strafgesetzbuches für das Königreich Ungarn und die damit verbundenen Theile …“, 1843). In dieser Funktion war er wesentl. an der Erarbeitung moderner verfahrensrechtl. Elemente wie der Einführung des Schwurgerichts, Anhörung beider Parteien sowie der Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens beteiligt. 1844 wurde er Red. des „Pesti Hírlap“. Zwar legte er diese Tätigkeit bereits ein Jahr später wieder zurück, verf. für das Bl. aber weiterhin Leitartikel und Beitrr. über das Ges.recht. Auf dem Reichstag von 1843/44 war S. Abg. der kgl. Freistadt Karpfen (Krupina). 1848 wurde er Leiter der Kodifikationsabt. im Justizmin., wo er sich um die Festlegung der theoret. Grundlagen der neuen ung. Legislative verdient machte. Ab Mai dieses Jahres war er Repräsentant der ung. Regierung bei der dt. Nationalversmlg. in Frankfurt am Main und von Herbst 1848 bis April 1849 Regierungsvertreter in London, Paris und Brüssel. Nach der ung. Unabhängigkeitserklärung vom April 1849 lebte S. als Emigrant in Zürich, wo er „Diplomatische Aktenstücke zur Beleuchtung der ungarischen Gesandtschaft in Deutschland …“, 1849, sowie ein Flugbl. veröff., in dem er die Verfassungsmäßigkeit der ung. Revolution von 1848 betonte. Außerdem begann er eine Geschichte Ungarns („Magyarország története“ 1–6, 1852–59; nicht vollendet), in der er die Zukunft des Landes und die Bewahrung der Errungenschaften der Revolution in einem Übereinkommen mit den Habsburgern sah. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn 1855 wurde er 1861 Abg. zum ung. Reichstag. In seinen letzten Lebensjahren sammelte und veröff. er ung. hist. Quellen des 16. und 17. Jh. S. zählte innerhalb der Reformopposition zu den herausragenden Persönlichkeiten der sog. Zentralisten. Seine publizist. Tätigkeit trug wesentl. zur Verbreitung und Vertiefung liberaler Reformideen bei. In seinen rechtstheoret. Abhh. setzte er sich für eine grundlegende Reform der ung. Rechtsprechung ein. In seinen rechtsphil. Schriften vertrat er hegelian. Gedankengut. 1836 k. M., 1838 o. Mitgl. der MTA (1861–64 Sekr.); 1837 Mitgl. der Kisfaludy-Ges.

Weitere W. (s. auch Markó): Publicistikai dologozatok, 2 Bde., 1847; Galántai gróf Eszterházy M., Magyarország nádora, 3 Bde., 1863–70; etc.
L.: Biograph. Lex. Südosteuropas; Wurzbach; A. Csengery, in: Magyar szónokok és státusférfiak, 1851, S. 513ff.; S. Flegler, S. L. és munkái, 1878; G. Beksics u. a., A magyar doktrinairek, 1882; D. Angyal, S. L. emlékezete, 1913; Á. R. Várkonyi, A pozitivista történetszemlélet a magyar történetírásban 1–2, 1973, s. Reg.; A. Martinkó, in: Irodalomtörténeti Közlemények 77, 1973, S. 195ff.; K. Nehring, in: Südostforschungen 36, 1977, S. 35ff.; G. Antalffy, S. L. a reformkor politikai-jogi gondolkodója, 1983; L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003 (m. B., W. u. L.); K. Gönczi, Die europ. Fundamente der ung. Rechtskultur, 2008, s. Reg.; Stadtarchiv, Salzburg, Sbg.; UA, Budapest, H.
(I. Soós)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 63, 2012), S. 111
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