Tänzer, A(ha)ron Arnold (1871–1937), Rabbiner

Tänzer A(ha)ron Arnold, Rabbiner. Geb. Preßburg, Ungarn (Bratislava, SK), 30. 1. 1871; gest. Göppingen, Dt. Reich (D), 26. 2. 1937. Sohn eines rabbin. Gelehrten und einer Weißnäherin, Vater des Stuttgarter Rechtsanwalts Paul T.; ab 1896 mit Eleonore Rosa Handler (1875–1912), einer Rabb.tochter, in 2. Ehe ab 1913 mit Berta Strauss (geb. Heilbronn, D, 1876; gest. Theresienstadt, 1943, umgekommen) verheiratet. – T. besuchte nach der Mittelschule 1885–90 das Rabb.seminar in Preßburg. 1892–94 absolv. er das akadem. Triennium (Germanistik, Phil., semit. Philol.) an der Univ. Berlin und stud. zugleich am Berliner orthodoxen Rabb.seminar. 1895 wurde er mit einer Arbeit über „Die Religionsphilosophie Josef Albo’s nach seinem Werke ‚Ikkarimʻ“ (Druck 1896) in Bern prom. und erwarb sein Rabb.diplom in Oborniki, Posen. Bei seinem Schwiegervater Rabb. Mark Handler fand T. seine erste Anstellung als Subrabb. in Totis. 1896 erhielt er das Heimatrecht der galiz. Stadtgmd. Buczacz (Bučač) und damit die österr. Staatsbürgerschaft. Noch im selben Jahr bewarb er sich erfolgreich um die Stelle des Landesrabb. für Tirol und Vbg. mit Sitz in Hohenems. 1905 wurde er Bez.rabb. für Südtirol mit Sitz in Meran, 1907 wechselte er als Rabb. nach Göppingen und erlangte die württemberg. Staatsangehörigkeit. Wiewohl er an orthodoxen Ausbildungsstätten stud. hatte, neigte T. dem liberalen Judentum zu. 1910 initiierte er die Einrichtung einer öff. Leihbibl. in Göppingen, die er ehrenamtl. leitete. Ebenfalls unentgeltl. unterrichtete er 1914 Dt., Geschichte und Bürgerkde. an der dortigen Mädchenrealschule. 1915–18 diente er als Feldrabb. in der Bug-Armee in Russland bei Brest-Litowsk und Pinsk. Er wurde u. a. mit dem Eisernen Kreuz II. Kl. (1916), dem württemberg. Friedrichsorden I. Kl. mit Schwertern und dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens (1916) ausgez. T. war Mitgl. der städt. Armendeputation Göppingens sowie der Stuttgart-Loge und übte eine rege Vortragstätigkeit im Göppinger Volksbildungsver. und im Ver. für Kunst und Wiss. aus. Er veröff. v. a. lokalhist. Publ. über seine Wirkungsstätten. 1910–14 gab er die „Straßburger Israelitische Wochenschrift“ heraus; er war Mitarb. am „Jüdischen Lexikon“ (1927ff.) und schrieb regelmäßig für das „Israelitische Familienblatt“ und die „Allgemeine Zeitung des Judentums“. Er verf. zudem drei Bühnenstücke; ein viertes, „Die Tragödie der Juden“, blieb unvollendet.

Weitere W.: Der israelit. Friedhof in Hohenems, 1901; Die Geschichte der Juden in Tirol und Vbg., 1905, Reprint 1982; Die Geschichte der Juden in Brest-Litowsk, 1918; Die Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen, 1927, Reprint 1988; Gedenkschrift zur Erinnerung an die Brüder Jesaia … (und) Dr. F. Strassburger, 1928; Die Geschichte der Juden in Württemberg, 1937, Reprint 1983; etc.
L.: NDB; M. Richarz, Jüd. Leben in Dtld. 2, 1979, S. 445ff.; Rabb. Dr. A. T., ed. K. H. Burmeister, 1987; K.-H. Rueß, in: A. T., Die Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen, 1988, S. 620ff.; ders., Rabb. Dr. A. T., 2002 (m. B.); Biograph. Hdb. der Rabb. 2/2, bearb. K. N. Jansen, 2009.
(K. N. Jansen)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 185
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