Tal, Ernst Peter; bis 1909 Ernst Sigmund Rosenthal (1888–1936), Verleger

Tal Ernst Peter, bis 1909 Ernst Sigmund Rosenthal, Verleger. Geb. Wien, 14. 12. 1888; gest. ebd., 30. 11. 1936; mos., ab 1910 evang. HB. Sohn des Besitzers der Fa. E. S. Rosenthals Erben sowie Geschäftsführers der Fa. Rosenthal & Goldschmidt Joseph Rosenthal, Bruder des Kunsthistorikers und Red. bei der Wr. Ztg. „Der Tag“ Dr. Max Ermers, eigentl. Maximilian Rosenthal (geb. Wien, 11. 2. 1881; gest. ebd., 2. 10. 1950); ab 1917 verheiratet mit Lucy T., geb. Traub (geb. Wien, 28. 10. 1896; gest. New York, NY / USA, 2. 7. 1995). – T. arbeitete nach der Matura bis 1914 im Verlag S. Fischer in Berlin als Lektor und Leiter der Theaterabt. Nach dem Kriegsdienst an der galiz. Front gründete er 1919 mit dem Schweizer Literaten und Mäzen Carl Seelig (bis 1923 stiller Teilhaber) den E. P. Tal & Co. Verlag in Wien. Er verlegte Werke zu zeitgeschichtl. Themen, später zunehmend Belletristik von vorwiegend österr. Autoren (z. B. Josef Weinhebers ersten Lyrikbd. „Der einsame Mensch“, 1920, und „Das entschwundene Ich“ von →Hermann Bahr, 1924). Noch im Gründungsjahr schuf T. unter der Leitung von Otto Erich Deutsch eine eigene Abt. mit Schwerpunkt Monarchie und Altes Wien. T., der außerdem 1924–26 Geschäftsführer des Drei Masken Verlags, der die Auff.rechte von Werken österr. Dramatiker vermittelte, sowie 1924–28 Geschäftsführer bzw. Dir. der Sortimentsbuchhandlung BUKUM A. G. für Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, vorm. Hugo Heller & Co. war, gab ab Ende der 1920er-Jahre verstärkt Übers. aus dem Engl. heraus (u. a. von Sinclair Lewis, Thornton Wilder und D. H. Lawrence). 1919–38 wurden mehr als 200 Titel im E. P. Tal Verlag veröff. Zu den Verlagsautoren zählten Ferdinand Bruckner, Gina Kaus, William Somerset Maugham, Alfred Neumann, Roda Roda (→Alexander Roda), Otto Weininger sowie in Dtld. nach der Machtübernahme unerwünschte und exilierte Autoren. Ab 1933 exportierte T., der in Leipzig eine Zweigstelle hatte, kommissionsweise ausgewählte Bücher des Amsterdamer Exilverlags Allert de Lange nach Dtld., wobei dessen Signet durch jenes des Wr. Verlags ersetzt wurde. Mindestens 13 Titel, darunter →Joseph Roths „Die Hundert Tage“ (1935) sowie Max Brods „Heinrich Heine“ (1934) und „Novellen aus Böhmen“ (1935), übernahm T. aus dem in Dtld. verbotenen Programm von Allert de Lange. Vermutl. seit Anfang 1935 hatten die dt. Behörden Kenntnis von diesen „getarnten“ Büchern, es kam bei der Einfuhr nach Dtld. immer wieder zu Beschlagnahmungen. Das „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“ lehnte Annoncen für die Produktion des Verlags vorübergehend ab. Zu diesem Zeitpunkt setzte T. 58 % seiner Verlagsproduktion in Dtld., ledigl. 17 % in Österr. und 25 % im übrigen Ausland ab. Nach T.s plötzl. Tod führte seine Ehefrau Lucy T. als Alleininhaberin den in Wien-Neubau ansässigen E. P. Tal Verlag bis zu ihrer Flucht im März 1938 weiter. I. d. F. wurde der Verlag arisiert, im Juni 1939 aus dem Handelsreg. gelöscht und firmierte danach bis 1950 als Alfred Ibach Verlag.

L.: NFP, 30. 11. 1936; WZ, 1. 12. 1936; Hall–Renner; P. de Mendelssohn, S. Fischer und sein Verlag, 1970, s. Reg.; M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–38, 1–2, 1985, s. Reg., bes. 2, S. 415ff.; K. Schoor, Verlagsarbeit im Exil, 1992, S. 131ff.; U. Spring, Verlagstätigkeit im niederländ. Exil 1933–40, phil. DA Wien, 1994, S. 68ff.; F. K. Schmiedt, Der E. P. Tal-Verlag. Eine Ed. der Korrespondenz E. P. T. – C. Seelig, phil. DA Wien, 2002; I. Nawrocka, in: Exilforschung 22, 2004, S. 62ff.; Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Dtld. und Österr. in der Emigration nach 1933, ed. E. Fischer, 2011; AdR, IKG, Privatarchiv Murray G. Hall, alle Wien.
(I. Nawrocka)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 190f.
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