Tandor, Ottó (1852–1913), Architekt

Tandor Ottó, Architekt. Geb. Großkanizsa (Nagykanizsa, H), 28. 1. 1852; gest. Balatonfüred (H), 12. 6. 1913. T. absolv. ein Architekturstud. an der TU in Budapest (Diplom 1880). Ab 1882 fungierte er als Mitarb. von →Imre Steindl und fertigte in dessen Abwesenheit die ersten Skizzen des geplanten Parlamentsbaus in Budapest für den Wettbewerb. Auch in die weitere Planung – v. a. bei der Innendekoration – war er als Leiter des Baubüros involviert. Bis zu seiner Ernennung zum Prof. an der TU war er nach Steindl der wichtigste – doch wegen seiner Bescheidenheit kaum bekannte – Künstler des Baus. Wie Steindl vermaß und restaurierte auch T. im Auftrag der Landesdenkmalkomm. mittelalterl. Denkmäler, so etwa 1886–1900 in Ócsa die roman. Kirche aus dem 13. Jh., ein Hauptwerk dieses Stils in Ungarn, sowie gem. mit →Frigyes Schulek die Kirche in Ják. Die kath. Pfarrkirche in Kaposvár wurde 1886 nach seinen Plänen im neuroman. Stil aufgebaut; später nahm er auch Denkmäler in der Umgebung des Balaton auf. Von T. stammte ferner ein Wettbewerbsentwurf für die Hl. Elisabeth-Kirche in Budapest, den er allerdings nicht einreichte, um nicht in Konkurrenz zu Steindl zu treten (dieser Plan wurde 1890 mit der Goldmedaille des Ung. Ing.- und Architektenver. Magyar Mérnök és Építész Egylet prämiert). Weiters beteiligte er sich an dem Wettbewerb um das Kunstgewerbemus. und die Kunstgewerbeschule (1891; 2. Preis hinter →Ödön Lechner) sowie jenem um das Hauptgebäude der Millenniums-Ausst. (1893). Ab 1898 leitete T. die Bauarbeiten bei der von Lechner geplanten Pfarrkirche in Budapest-Kőbánya und übernahm auch die Planung von deren Einrichtung: So wurden Altäre, Kanzel und Taufbrunnen im neuroman. Stil aus Keramik (von der Fabrik Zsolnay in Pécs) verwirklicht. Zusätzl. war er ab 1895 Ass. an der TU Budapest, wurde nach der Pensionierung János Schnédárs 1896 als ao. Prof. zu dessen Nachfolger ernannt und 1897 o. Prof. für Zivilbau. Für den Bd. „Abaúj-Torna vármegye és Kassa“ (1896) der Ser. „Magyarország vármegyéi és városai“ schuf er die Zeichnungen zu Steindls Artikel über die Hl. Elisabeth-Kirche in Kaschau (Košice).

Weitere W.: – Publ.: Plébánia-templom pályaterve, in: Magyar Mérnök- és Építészegylet Közlönye, 1890; etc.
L.: Katolikus Lex.; Művészeti Lex. II; Thieme–Becker; Építő Ipar 37, 1913; Művészet 12, 1913, S. 281f.; J. Sisa, Steindl I., 2005, S. 15, 19, 32, 120ff., 125, 157; Új magyar életrajzi lex. 6, 2007.
(J. Gerle)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 195
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