Taufer, Josef (1869–1940), Tierarzt

Taufer Josef, Tierarzt. Geb. Dřinow, Mähren (Dřínov, CZ), 31. 7. 1869; gest. Brünn, Protektorat Böhmen und Mähren (Brno, CZ), 5. 11. 1940. Sohn eines Bauern und Bgm. – Nach Besuch des Piaristengymn. in Kremsier (Kroměříž) stud. T. ab 1887 am Militär-Thierarznei-Inst. in Wien; 1892 Tierarzt. 1893–94 wirkte er als Stadt- und Bez.tierarzt in Tischnowitz (Tišnov). 1895 wurde T. in Wien als Stadttierarzt angestellt und übernahm kurzzeitig eine Ass.stelle am Militär-Thierarznei-Inst. 1896–99 praktizierte er als Bez.tierarzt in Trebitsch (Třebíč) und danach in Wallachisch Meseritsch (Valašské Meziříčí). In jener Zeit unternahm er Stud.reisen nach Westeuropa und Russland und vertiefte seine Kenntnisse in Bern, wo er 1903 an der dortigen Univ. als einer der ersten Tschechen zum Dr. med. vet. prom. wurde; 1910 in Lemberg (L’viv) nostrifiziert. 1908 wurde T. Insp. für Pferdezucht im Mähr. Landwirtschaftsrat in Brünn. Er begründete die wiss. Dokumentation der Pferdezucht und machte sich um die Warmblutzucht in Mähren verdient, v. a. im Gestüt von Pohořelitz (Pohořelice) bei Napajedl. Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 wurde er als Min.Rat und Vorstand der Abt. Tierhaltung nach Prag berufen und mit der Reorganisation der Pferdezucht im neuen Staat betraut. Bes. Aufmerksamkeit widmete er dem Nationalgestüt in Kladruby nad Labem sowie einer ähnl. Institution in Topoľčianky. 1918–19 hielt er Vorlesungen über Zootechnik in tierärztl. Kursen an der Prager phil. Fak., insbes. für jene tschech. Studenten, die die Tierärztl. Hochschule in Wien hatten verlassen müssen. 1919 habil. sich T. an der Fak. für Landwirtschaft der TH und kehrte als Vorstand des Inst. für allg. und spezielle Zootechnik an die Hochschule für Landwirtschaft nach Brünn zurück (1922–24 Rektor). 1921–38 leitete er das auf seine Initiative hin gegr. Landesinst. für zootechn. Forschung, das sich insbes. mit Vieh- und Rassenzucht beschäftigte. T. war stets bestrebt, das gesellschaftl. Prestige der Veterinärmed. zu stärken. Bereits in den 1890er-Jahren bemühte er sich, neben Wien und Lemberg die dritte Tierärztl. Hochschule in Prag zu errichten. Seine Bestrebungen waren allerdings erst nach dem 1. Weltkrieg mit der Errichtung einer tierärztl. Hochschule in Brünn von Erfolg gekrönt. Seine Bewerbung um die Leitung am dortigen Inst. für Zootechnik 1919 wurde jedoch abgelehnt. T. galt nicht nur als hervorragender Pädagoge und Wiss., sondern erwarb sich auch große Verdienste als Bahnbrecher und Förderer der veterinären Fachpresse. Auf eigene Kosten gab er die von ihm 1894 gegr. Z. „Zvěrolékařské rozhledy“ heraus, die jedoch aufgrund finanzieller Probleme und mangels öff. Interesses bald wieder eingestellt werden musste. Mehr Erfolg hatte T. ab 1895 mit der Hrsg. der Z. „Časopis českých zvěrolékařů“, die bis 1902 erschien. Ab 1902 red. er (mit kurzen Unterbrechungen) bis 1938 „Chov hospodářských zvířat“, das erste Periodikum in Böhmen zu Tierhaltung, Futteranbau und Milchwirtschaft. Ab 1899 gab er auch populärwiss. veterinärmed. Kal. heraus. T. war Mitarb. von „Ottův slovník naučný“ und →František Sitenskýs „Hospodářský slovník naučný“. Als Mitbegründer der Tschech. Landwirtschaftsakad. (Česká akad. zemědělských věd) leitete er bis 1927 die 1. Abt., in der er systemat. Arbeiten zur Steigerung und Ökonomisierung der tier. Produktion in der Tschechoslowakei organisierte.

W.: O zřízení české zvěrolékařské vysoké školy v Praze, in: Časopis zvěrolékařský 6–7, 1895; Beitrr. zur Kenntnis der hämorrhag. Septikämie der Haustiere auf Grund eigener Beobachtungen und Untersuchungen, veterinärmed. Diss. Bern, 1903; Různé směry v chovu koní na Moravě, 1924; Všeobecná zootechnika, 1927; Úkoly a cíle kontroly užitkovosti a dědičnosti hospodářských zvířat, 1932; Výsledky kontroly užitkovosti a dědičnosti skotu na Moravě za léta 1923–28, 1936.
L.: Otto; Who’s Who in Central and East Europe 1933/34, ed. St. Taylor, 1935; Acta Universitatis Agriculturae. Facultas agronomica 17, 1969, S. 217ff., 18, 1970, S. 535ff.; L. Skala, Významné osobnosti českého zemědělství, 1992, S. 79ff.; ders., Naši předchůdci. Biografický slovník českého zemědělství a venkova, 1993, S. 574; J. Tomeš u. a., Český biografický slovník XX. století 3, 1999; J. Zezulová – V. Milota, Prof. MVDr. J. T., 1999 (m. B. u. L.); UA, Bern, CH.
(M. Makariusová)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 211
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