Tausch von Glöckelsthurn, Leopold Edler (1858–1899), Paläontologe und Geologe

Tausch von Glöckelsthurn Leopold Edler, Paläontologe und Geologe. Geb. Pest (Budapest, H), 15. 2. 1858; gest. Wien, 2. 1. 1899. Sohn eines Beamten und Bez.hptm. von Schärding. – Nach Besuch des Gymn. in Linz stud. T. ab 1876 Naturwiss. an der Univ. Wien, u. a. bei →Melchior Neumayr; 1882 Dr. phil. 1881–83 stellv. Ass., 1884–85 Ass. an der paläontolog. Lehrkanzel der Univ. Wien, arbeitete er daneben ab 1882 als Volontär an der Geolog. Reichsanstalt. In dieser Zeit unternahm er mehrere Forschungsreisen, u. a. nach Griechenland (Pikermi), um dort bei Ausgrabungen einer pliozänen Fossilfundstelle mitzuwirken. Im August 1885 erhielt er eine Praktikantenstelle an der Geolog. Reichsanstalt, 1891 wurde er zum Ass., 1892 zum Adjunkten ernannt. T.s Bedeutung als Paläontologe lag in der Bearb. von Mollusken des alpinen Mesozoikums und des Tertiärs, als Feldgeologe machte er Aufnahmen u. a. im westl. Galizien, in Mähren und Schlesien. Erwähnenswert sind seine Kartenblätter (1:75.000) von Prossnitz und Wischau (1889), Boskowitz und Blansko (1890–92) sowie Austerlitz (1892, gem. mit Carl Maria Paul), teils mit Erläuterungen und im Farbdruck erschienen. Im Zuge der Kartierungen befasste er sich auch mit kristallinen Gesteinen und Graphitvorkommen in Böhmen und Mähren. Zudem widmete er sich angewandten Fragestellungen: So begleitete er 1888 →Karl Stache nach Istrien, der dort über die Wasserversorgung Polas (Pula) arbeitete. 1896 erstellte T. ein Gutachten über die Heilquellen von Dorna Watra (Vatra Dornei) und Poiana Negri im heutigen Rumänien. 1898 bereiste er den westl. Kaukasus sowie Tle. der Krim, um über die dortigen Erdölvorkommen eine Expertise zu erstellen. Diese Arbeiten waren ausschlaggebend für seine Gutachtertätigkeit bei der Errichtung von Eisenbahntrassen in Ostgalizien im Auftrag der Staatsbahnen. Trotz privater Schicksalsschläge (Tod seiner ersten Frau 1891) und Krankheit wirkte er noch bis zuletzt an der Aufstellung der Fossiliensmlg. der Geolog. Reichsanstalt mit.

W.: s. Poggendorff; Dreger, Jb.
L.: Eisenberg 2; Poggendorff 4 (m. W.); J. Dreger, in: Jb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 48, 1898, S. 719ff. (m. W.); ders., in: Verhh. der k. k. geolog. Reichsanstalt, 1898, S. 407f.; Carinthia II. Mitt. des naturhist. Landesmus. für Ktn. 89, 1899, S. 30; Botanik und Zool. in Österr. … 1850–1900, 1901, s. Reg.; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; E. Meyer, in: Berr. der Geolog. Bundesanstalt 95, 2012, S. 115ff. (m. B.); UA, Wien.
(Th. Hofmann)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 214f.
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