Taussig, Helene (von) (1879–1942), Malerin und Graphikerin

Taussig Helene (von), Malerin und Graphikerin. Geb. Wien, 10. 5. 1879; gest. Ghetto Izbica, Gen.gouvernement (PL), 21. 4. 1942; mos., nach dem Austritt aus der IKG (1923) röm.-kath. Tochter von →Theodor Ritter v. T. – Als Künstlerin Autodidaktin, vervollkommnete sie 1910 ihre Kenntnisse gem. mit ihrer Freundin →Emma Schlangenhausen in Oschwand als Privatschülerin des Schweizer Malers Cuno Amiet, der in den Folgejahren zu ihrem Mentor wurde; 1911–14 folgte ein Stud.aufenthalt an der Acad. Ranson in Paris. Die geplante Übersiedlung nach München wurde durch den Kriegsausbruch verhindert. T. engagierte sich ab 1915 als Rotkreuz-Schwester u. a. an der Isonzo-Front. 1919 ließ sie sich mit ihren Freundinnen Hilde Exner und Emma Schlangenhausen in Anif bei Salzburg nieder. Finanziell zeitlebens unabhängig, trat sie im österr. Kunstleben nur selten in Erscheinung (1927 erste Ausst. in Salzburg), doch nützte sie ihre Auslandsaufenthalte für Kontakte zu Galerien (so hatte sie etwa 1929 in Paris und Den Haag Einzelausst.). 1933 veröff. sie ihre Mappe „Der Tänzer Harald Kreutzberg“ mit 24 Bewegungsstud. des neuen Stars der dt. Tanzszene. 1940 wurde T. aufgrund ihrer jüd. Abstammung aus Anif vertrieben und gezwungen, nach Wien zu übersiedeln, von wo sie Anfang April 1942 nach Izbica deportiert wurde. Ihr künstler. Werk war seither verschollen; erst 1991 wurde die Künstlerin anhand von rund 20 „geretteten“ Gemälden wiederentdeckt. 2002 folgte eine Retrospektive in Salzburg, die Bilder wurden 2012 an die Erben restituiert, konnten aber zum überwiegenden Tl. im Mus.besitz verbleiben (einige graph. Arbeiten befinden sich in der Univ.-Bibl. Salzburg). Wegen ihrer entschiedenen Orientierung am dt. Expressionismus und an den Fauves war T. in der österr. Kunst eine Außenseiterin, die zu Lebzeiten kaum beachtet wurde; umso mehr entspricht ihr kraftvoller Kolorismus heute dem kanonisierten Bild der klass. Moderne.

Weitere W.: s. Schaffer, 2002.
L.: Sbg. Nachrichten, 5. 1. 2012 (Beilage); N. Schaffer, in: Künstlerinnen in Salzburg, ed. B. Wally, 1991, S. 53ff., 375 (m. B.); S. Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österr. 1897–1938, 1994, s. Reg.; dies., in: Jh. der Frauen, ed. I. Brugger, Wien 1999, S. 136f., 351f. (Kat.); H. Kratzer, Die großen Österreicherinnen, 2001, S. 102f. (m. B.); N. Schaffer, H. v. T. Die geretteten Bilder, Salzburg 2002 (Kat., m. B. u. tw. W.); ders., in: Anif, ed. H. Dopsch – E. Hiebl, 2003, S. 421ff. (m. B.); S. Hütter, H. T. und ihr künstler. Umkreis, DA Wien, 2005; E. Oehring, Der Glanz der Dinge, Salzburg 2007, S. 59 (Kat.); Wien – Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880–1960, Wien 2007, s. Reg. (Kat.); G. Groschner, Sensai, Salzburg 2009, S. 155 (Kat.); Sbg. Mus.bll. 72, 2011, Nr. 6, S. 6ff.; J. M. Johnson, The Memory Factory …, 2012, s. Reg.; IKG, Wien.
(N. Schaffer)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 219
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