Teirich, Valentin (1844–1876), Architekt und Fachschriftsteller

Teirich Valentin, Architekt und Fachschriftsteller. Geb. Wien, 23. 8. 1844; gest. ebd., 8. 2. 1876; röm.-kath. Sohn von Valentin T., Dir. der Wiedener Kommunal-Oberrealschule, und Emilie T. – T. besuchte nach dem Gymn. bzw. der Oberrealschule 1859–63 das polytechn. Inst. in Wien und bildete sich 1863–66 an der Wr. ABK als Schüler der Architekten →Friedrich Frh. v. Schmidt, →August Sicard v. Sicardsburg und →Eduard van der Nüll, in dessen Atelier er auch kurze Zeit als Volontär tätig war, fort. An der Akad. setzte er sich v. a. mit dem Stil der romant. Gotik auseinander und besuchte Vorträge über Ästhetik und Phil. T. erhielt zahlreiche Preise sowie ein Reisestipendium nach Italien (1865); bei weiteren Stud.reisen nach Rom, Florenz, Venedig sowie durch Österr., Dtld., Holland und Belgien entdeckte er seine Vorliebe für die Formen der Renaissance. 1866 wirkte er als Ass. für Freihandzeichnen an der Oberrealschule am Schottenfeld (Wien 7) sowie am polytechn. Inst. 1867–68 als Ass. für Ornamentik und Ornamentzeichnen und 1868–76 als Hon.-Doz. Ab 1867 lehrte er am Österr. Mus. für Kunst und Ind. (ab 1868 Perspektiv- und Schattenlehre) und ab 1868 Projektionslehre an der neu gegr. Kunstgewerbeschule; 1870 Lehrer in der Vorbereitungsschule, 1872 o. Prof. Ein Besuch der Pariser Weltausst. (1867) und eine Reise nach England (1868) inspirierten ihn zur ersten größeren Schrift über „Die moderne Richtung in der Bronce- und Möbelindustrie nach Wahrnehmungen auf der letzten Welt-Ausstellung“ (1868). Basierend auf wiederholten Stud. in Italien erschien 1872 das Prachtwerk „Ornamente aus der Blüthezeit italienischer Renaissance (Intarsien)“ und 1874 die Publ. über „Eingelegte Marmor-Ornamente des Mittelalters und der Renaissance“. Für diese Arbeiten wurde er mit der goldenen Medaille für Wiss. und Kunst ausgez. Ein bes. Verdienst erwarb er sich durch die Hrsg. des ersten kunstgewerbl. Periodikums in Österr., der „Blätter für Kunstgewerbe“ (ab 1872). Daneben schrieb er für mehrere in- und ausländ. Journale und Fachz. wie die „Stuttgarter Gewerbehalle“, die „Zeitschrift für bildende Kunst“ und Tagesztg. wie die „Neue Freie Presse“ oder die „Wiener Abendpost“. Zu seinen weiteren, in der Fachwelt hoch geschätzten Arbeiten zählen Zeichnungen, die die schönsten in der Schatzkammer und der Ambraser Smlg. vorhandenen Werke der Goldschmiedekunst und Kristallschleiferei aus dem 16. und 17. Jh. exakt wiedergeben, und ein im Auftrag von K. →Franz Joseph I. entworfenes Cabinet (Kunstschrank), das auf der Ausst. des Österr. Mus. für Kunst und Ind. 1872 und auf der Wr. Weltausst. 1873 zu sehen war, sowie ein Majolikabrunnen nach italien. Vorbild, der in der Säulenhalle des Österr. Mus. für Kunst und Ind. aufgestellt wurde. 1873 machten sich jedoch bei T. erste Anzeichen seiner Krankheit bemerkbar, die ihn zunehmend an der Ausübung seines Lehrerberufs hinderten. Posthum erschien das Werk „Bronzen aus der Zeit der italienischen Renaissance“, 1877.

Weitere W.: s. Gehmacher.
L.: NFP, 10. 2. 1876; ADB; Thieme–Becker; Wurzbach; Mitth. des k. k. österr. Mus. für Kunst und Ind. 2ff., 1869ff. (auch online); E. Ranzoni, in: Bll. für Kunstgewerbe 5, 1876, S. 36ff. (m. B.); Ch. Gehmacher, Leben und Werk von V. T., geisteswiss. DA Salzburg, 1991 (m. B., W. u. L.); E. B. Ottillinger, in: Fremde Zeiten. FS für J. Borchhardt …, ed. F. Blakolmer u. a., 2, 1996, S. 395ff.; dies. – L. Hanzl, Kaiserl. Interieurs, 1997, s. Reg.; ABK, TU, beide Wien.
(K. Pokorny-Nagel)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 231f.
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