Teleki von Szék, Pál Gf. (1879–1941), Politiker und Geograph

Teleki von Szék Pál Gf., Politiker und Geograph. Geb. Budapest (H), 1. 11. 1879; gest. ebd., 3. 4. 1941 (Selbstmord); röm.-kath. Sohn von Géza Gf. T. v. S. (geb. Dés, Siebenbürgen / Dej, RO, 28. 9. 1843; gest. Budapest, 27. 9. 1913) und Irén Gfn. T. v. S., geb. Muratty (geb. Pest-Buda, 26. 10. 1852); ab 1908 verheiratet mit Johanna Gfn. v. Bissingen-Nippenburg. – Nach der Matura am Piaristengymn. in Budapest stud. T. 1897–1901 an der Univ. Budapest Rechts- und Staatswiss., Geographie und Soziol. sowie 1901/02 Agrarwiss. in Ung. Altenburg (Mosonmagyaróvár); 1903 Dr. rer. pol., 1903/04 Pratikant bei →Lajos v. Lóczy. Nach kurzer Zeit im Verwaltungsdienst wurde T. 1905 und 1906 in Nagysomkút (Șomcuta Mare) in den ung. RT gewählt und gehörte der nationalliberalen Verfassungspartei an. 1910 verließ er das Parlament und entfaltete als Gen.sekr. der Ung. Geograph. Ges. (1911–23) sowie als Präs. der Ung.-asiat. Ges. (1912–18) und Red. ihrer Monatsz. „Turán“ eine rege organisator. Tätigkeit im Wiss.bereich. Ab 1913 wirkte T. in der Handelsschullehrerausbildung. Im 1. Weltkrieg diente er bis zum Frühjahr 1916 an der serb. und italien. Front. Daneben bereits ab Oktober 1915 wieder im Parlament, widmete sich T. der aufgrund des Krieges verschärften sozialen Lage. 1917–19 leitete er das Landesamt für Kriegsopferfürsorge. Ab Herbst 1918 organisierte er die Vorbereitungen für die Friedensverhh., in denen die gegner. Gebietsforderungen zurückgewiesen werden sollten. Nach der Ausrufung der kommunist. Räterepublik schloss er sich 1919 dem in Wien gegr. Ung. Antibolschewist. Comitee an und wurde kurzzeitig Außenminister der konterrevolutionären Gegenregierung. Im Herbst 1919 setzte er seine Tätigkeit für die ung. Friedensdelegation fort. 1920–26 war T. Parlamentsabg., im April 1920 wurde er erneut Außenminister und im Juli desselben Jahres Ministerpräs. Neben der Annahme des Friedensvertrags von Trianon versuchte T. mit der Auflösung der paramilitär. Organisationen und mit dem Verbot der Kommunist. Partei die Ordnung wiederherzustellen. Nach dem ersten Rückkehrversuch K. →Karls I. legte er im April 1921 sein Regierungsamt nieder. Stattdessen widmete er sich ab 1922 der Leitung der Pfadfinderbewegung und wirkte 1920–41 als Kurator des Eötvös Collegiums. Ebenso war er Gründer des Soziograph. (1924) und Staatswiss. Inst. (1926). Mitte Mai 1938 kehrte er als Minister für Kultus und Unterricht in die Politik zurück. Nach seiner Beteiligung am 1. Wr. Schiedsspruch vom Herbst 1938 wurde er 1939 Ministerpräs., wobei er versuchte, sich innenpolit. von nationalsozialist. Strömungen abzugrenzen. Obwohl T. harte Maßnahmen gegen die Pfeilkreuzlerbewegung ergriff und auch sonst nationalsozialist. Tendenzen krit. gegenüberstand, befürwortete er sowohl 1920 als auch 1939 den Beschluss von „Numerus-clausus-Gesetzen“, mittels derer Juden (durch Quoten) aus Wiss., Politik und Wirtschaft verdrängt werden sollten. Nach dem Beginn des 2. Weltkriegs war es T.s oberstes Ziel, die Neutralität Ungarns zu bewahren: Er verweigerte Durchmarschbewilligungen für dt. und slowak. Truppen während des Polenfeldzugs; Flüchtlingen wurde Aufnahme gewährt. Gleichzeitig vertiefte sich die Abhängigkeit zu den Achsenmächten, wollte T. doch eine Revision des Vertrags von Trianon erwirken. Nach dem 2. Wr. Schiedsspruch im August 1940 wurde allerdings dem Durchzug dt. Truppen nach Rumänien zugestimmt; im November 1940 trat Ungarn dem dt.-italien.-japan. Dreimächtepakt bei. Das Konzept der Neutralität scheiterte endgültig mit dem dt. Angriff auf Jugoslawien, an dem sich die Mehrheit der ung. Eliten beteiligen wollte. T. wurde 1913 zum k. M., 1922 zum Dion.mitgl. und 1925 zum o. Mitgl. der MTA gewählt.

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(I. Ress)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 236f.
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