Teleki von Szék, Sámuel (Samu) (III.) Gf. (1845–1916), Geograph, Forschungsreisender und Politiker

Teleki von Szék Sámuel (Samu) Gf. (III.), Geograph, Forschungsreisender und Politiker. Geb. Scharnberg, Siebenbürgen (Dumbrăvioara, RO), 1. 11. 1845; gest. Budapest (H), 10. 3. 1916; evang. Urenkel von →Sámuel Gf. T. v. S. (I.), Sohn des Gutsbesitzers und Mitgl. des Magnatenhauses Sámuel Gf. T. v. S. (II.) (1819–1882). – Nach Privatunterricht maturierte T. 1863 am ref. Kollegium in Debreczin (Debrecen) und stud. anschließend Naturwiss. an der Univ. Göttingen sowie 1864–66 an der Univ. Berlin (kein Abschluss). I. d. F. leistete er seinen Wehrdienst ab, wurde 1867 bei der Neuorganisation der Honvéd zum Husarenlt. ernannt und brachte es im Honvéd-Husarenrgt. 9 bis zum Obstlt. T., der die Familiengüter verwaltete, unternahm als passionierter Jäger gem. mit Kronprinz →Rudolf ausgedehnte Jagden und teilte dessen Interesse an der Erforschung unbekannter Gebiete. Beeinflusst von der damaligen Begeisterung für Afrikareisen und mit Unterstützung Rudolfs stattete T. 1886 eine Reise nach Ostafrika aus, für die →Ludwig v. Höhnel als wiss. Begleiter angeworben wurde. 1887 brachen die Expeditionsteilnehmer von Pangani in Ostafrika auf, erreichten den Fuß des Kilimandscharo, und T. bestieg erstmalig den Kibo bis zu einer Höhe von knapp über 5.000 m. Der Versuch, die Spitze des Mount Kenya zu erreichen, musste wegen eines Schlechtwettereinbruchs bei knapp 4.700 m abgebrochen werden. Die Teilnehmer der Expedition zogen weiter zum Baringosee und entdeckten zwei Seen, wobei sie den größeren nach dem Kronprinzen „Rudolph-See“ (Turkana-See) und den kleineren nach der Kronprinzessin „Stephanie-See“ (Chew Bahir) benannten. Nach mehreren feindl. Zusammenstößen mit Eingeborenen und logist. Problemen traten sie den Rückweg an, wobei sie durch noch unerforschtes Gebiet reisten und einen dampfenden Vulkankegel entdeckten, den Höhnel in Wertschätzung des Expeditionsleiters Gf. T.-Vulkan nannte. Im Oktober 1888 erreichten sie Mombasa, von wo sie die Heimreise via Sansibar antreten wollten, die sich aber wegen einer Erkrankung T.s um Wochen verzögerte. Im Golf von Aden unterbrach T. die Rückreise und erkundete das äthiop. Hochland bis Harar; 1889 erreichten T. und Höhnel Europa. T. brachte umfangreiches Material mit, darunter Pflanzen und Tiere, aber auch ethnograph. Objekte. Nach der Ankunft in Österr. erfuhr die Expedition wenig Beachtung. Insbes. verlor T. mit dem Tod des Kronprinzen 1889 die notwendige Unterstützung seitens des K.hauses. 1895 unternahm er eine zweite Expedition, bei der er nochmals versuchte, den Kilimandscharo zu besteigen. Wieder in Europa, gab er weitere Pläne zu Expeditionen nach Afrika auf und verwaltete bis zu seinem Tod seine Güter in Ungarn. 1881 Mitgl. der ung. Magnatentafel, war T. ab 1889 Ehrenmitgl. der Geograph. Ges. in Wien und ab 1894 Ehrenmitgl. der MTA.

L.: NFP, 11., 19. 3. 1916; Das geistige Ungarn; M. Életr. Lex. (m. B.); Szinnyei; Petermanns Mitt. 62, 1916, S. 183 (m. B.); L. Ritter v. Höhnel, Zum Rudolph-See und Stephanie-See. Die Forschungsreise des Gf. S. T. in Ost-Aequatorial-Afrika 1887–88, 1892 (m. B.); L. Ritter v. Höhnel, Mein Leben zur See, auf Forschungsreisen und bei Hofe, 1926, passim; R. Hill, A Biographical Dictionary of the Sudan, 2. Aufl. 1967; Ch. Richards – J. Place, East African Explorers, 1967, S. 241ff.; Abenteuer Ostafrika. Der Anteil Österr.-Ungarns an der Erforschung Ostafrikas, Eisenstadt 1988, S. 283 (Kat., m. B.); Die Entdeckung der Welt. Die Welt der Entdeckungen, ed. W. Seipel, Wien 2001, S. 302ff. (Kat., m. B.); L. Markó u. a., A MTA tagjai 1825–2002, 3, 2003 (m. B.); Új magyar életrajzi lex. 6, 2007; F. Kotrba, W. A. Chanler (1867–1934) und L. v. Höhnel (1857–1942) und Afrika, phil. DA Wien, 2008, s. Reg.; UA, Berlin, D.
(U. Rack)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 238
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