Teleki von Szék, Sándor (Alexander) Gf. (1821–1892), Offizier und Politiker

Teleki von Szék Sándor (Alexander) Gf., Offizier und Politiker. Geb. Klausenburg, Siebenbürgen (Cluj-Napoca, RO), 27. 1. 1821; gest. Nagybánya, Ungarn (Baia Mare, RO), 18. 5. 1892 (begraben: Coltău, RO); röm.-kath. Sohn des Kämmerers und Großgrundbesitzers János Gf. T. v. S. (1792–1860) und von Erzsébet Gfn. T. v. S., geb. Mikes v. Zabola (1802–1882); ab 1856 in 1. Ehe mit Jane Frances Bickersteth-Harley Baroness Langdale (geb. London / GB, 7. 11. 1836; gest. Damaskus / SYR, 3. 5. 1870), nach baldiger Scheidung ab 1860 mit Mathilde Litez v. Tiverval (geb. Charleville / F, 20. 6. 1836; gest. Nagybánya, 23. 9. 1910) verheiratet. – Nach Besuch des Piaristenkonvikts in Klausenburg 1830–35 stud. T. an der dortigen Rechtsakad. und wurde von →Mihály Táncsics erzogen. Als Rechtspraktikant beim Tafelgericht in Neumarkt (Târgu Mureș) tätig, bestand er die Anwaltsprüfung und besuchte ab 1841 Vorlesungen an den Univ. Berlin, Halle, Jena und Breslau. Im selben Jahr lernte T. Felix Fürst v. Lichnowski kennen und begleitete ihn nach Portugal und Spanien. In Barcelona wurde er für einen karlist. Anführer gehalten, gefangen genommen und entging nur durch die Intervention des französ. Generalkonsuls Ferdinand de Lesseps dem Todesurteil. T. kehrte nach Berlin zurück, wo er bis 1843 seine Stud. fortsetzte. Dort lernte er →Franz v. Liszt kennen und bereiste mit ihm Russland, Dtld., Österr. und Frankreich. Zurück in Ungarn, schloss er sich der liberalen Opposition an und wurde 1846–47 in den siebenbürg. LT gewählt. In diesen Jahren freundete er sich auch mit →Sándor Petőfi an, den er in seinem Schloss in Koltó (Coltău) mehrmals zu Gast hatte. 1848 wurde T. zum Oberkapitän, später zum Regierungskoär. des Kom. Kővár ernannt und diente als Gemeiner im 10. Honvéd-Baon., wobei er im Sommer 1848 an den Kämpfen gegen die Serben teilnahm. Im Dezember 1848 wurde er als Mjr. Intendant von Gen. →Josef Bem in Siebenbürgen, ab Juni 1849 war er als Obst. Gen.intendant der Honvéd-Armee in Siebenbürgen und zeichnete für die Organisation und Verpflegung des Heeres verantwortl. Nach der Kapitulation der Honvéd-Armee bei Világos (August 1849) wurde er gefangen genommen, in der Festung Arad vor ein Kriegsgericht gestellt und im September 1849 freigelassen; jedoch wurde aus polit. Gründen neuerl. ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. T. flüchtete zunächst nach Belgrad, dann nach Konstantinopel (İstanbul) und lebte im Exil auch in Paris, London, auf der Insel Jersey (wo er mit dem Schriftsteller Victor Hugo Freundschaft schloss) sowie auf der Insel Guernsey. Im April 1852 wurde er von einem Kriegsgericht in Abwesenheit zum Tode und Verlust des Vermögens verurteilt. Nach dem Krimkrieg übersiedelte er 1856 zunächst in die Türkei, dann in die Schweiz. 1859–60 kämpfte er als Obst. in der ung. Legion in Italien, danach an der Seite von Giuseppe Garibaldi in Sizilien, Kalabrien sowie Neapel und landete im Mai 1860 mit dem „Zug der Tausend“ in Marsala. T. diente noch einige Jahre als ung. Legionär, ehe er 1867 nach Ungarn zurückkehrte, sein konfisziertes Vermögen rückerstattet erhielt und auf seinem Landgut in Koltó sowie in Klausenburg, Debreczin (Debrecen), Budapest und Nagybánya lebte. T. war 1867 Gründungsmitgl. der Ung. Hist. Ges., Mitgl. der Kisfaludy- sowie der Petőfi-Ges., ab 1843 der Freimaurerloge Prinz von Preußen zu den drei Schwertern, ab 1870 der Freimaurerloge Corvin Mátyás, ab 1867 des Honvédver. von Pest, ab 1890 des Honvédver. von Nagybánya. 1849 erhielt er den ung. Militärverdienstorden III. Kl.

W. (s. auch Szinnyei): Emlékek Bemről, ed. S. Lukácsy, 1951; Emlékezései, ed. L. Görög, 1958; Emlékezzünk régiekről. Emlékezések és levelezés, ed. E. Csetri, 1973.
L.: Das geistige Ungarn; M. Irodalmi Lex. II (m. B.); Szinnyei (m. W.); Wurzbach; Zs. Trócsányi, in: Petőfi és kora, ed. S. Lukácsy – J. Varga, 1970, S. 215ff.; E. Csetri, in: Korunk 30, 1971, S. 288ff.; ders., in: Aetas 7, 1992, Nr. 1–2, S. 194ff.; G. Bona, Tábornokok és törzstisztek az 1848/49. évi szabadságharcban, 3. Aufl. 2000; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; Új magyar életrajzi lex. 6, 2007; Mitt. Zoltán Fónagy, Budapest, H.
(T. Balla)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 238f.
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