Telmann, Fritz; eigentl. Theumann Friedrich Karl (1873–1929), Schriftsteller, Journalist und Dramaturg

Telmann Fritz, eigentl. Theumann Friedrich Karl, Schriftsteller, Journalist und Dramaturg. Geb. Wien, 2. 6. 1873; gest. ebd., 1. 2. 1929; mos., 1900 aus der IKG ausgetreten. Sohn des Juristen und Hochschullehrers Theodor Theumann (1837–1904) und seiner Frau Ernestine Theumann, geb. Frankel. – T. besuchte das Akadem. Gymn. und stud. 1892–94 an der Univ. Wien Jus und Staatswiss., insbes. theoret. Nationalökonomie als Schüler und Seminarmitgl. →Karl Mengers. Nach Absolv. des Einjährig-Freiwilligen-Jahrs 1894–95 (1897 Lt. der Res.) wandte er sich phil. und ästhet. Stud. zu. In der Wr. Volksbühnenbewegung engagiert, war T. zunächst künstler. Leiter und 1897 Obmann der Wr. Arbeiterbühne. Er referierte auf dem Berliner Kongress für Volksunterhaltung, gab gem. mit Ernst Niedt die Z. „Freie Volksbühne“ (1897) heraus und war später ständiger Korrespondent der vom Berliner Schiller-Theater hrsg. Z. „Die Volksunterhaltung“. In Gemeinschaft mit jungen Schriftstellern und Arbeitern leitete T. eine Bewegung gegen die Theaterzensur und für eine Reform des Bühnenwesens ein, die die Schaffung eines österr. Theatergesetzes zum Ziel hatte. Von der Arbeiterbühne wurde er in jene Komm. entsandt, die den 1901 im AH eingebrachten Entwurf ausarbeitete. 1899–1900 red. T. den „Ersten Wiener Localanzeiger“, später arbeitete er als Kunstkorrespondent für die „Leipziger Neuesten Nachrichten“ und als Wr. Theaterkorrespondent für das Berliner „Literarische Echo“. 1907 gründete er in Wien die Union dramat. Autoren und Komponisten, eine Interessenvertretung, der u. a. →Hermann Bahr angehörte, und wurde deren Schriftführer. 1910–12 wirkte er als Dramaturg am Intimen Theater in Wien. Bei der im Zuge der Jugendbewegung 1913 gegr. und nach Kriegsausbruch verbotenen Z. „Der Anfang. Zeitschrift der Jugend“ übernahm er den redaktionellen Vorsitz für Österr.-Ungarn. T.s literar. Werk umfasst neben Erz. u. a. die Satire „Die Litteraten. Kulturbild aus Oesterreich“ (1902), die Schauspiele „Die guten Christen“ und „Der Sekundararzt“ (beide 1902) sowie das im Revolutionsjahr 1848 in Wien angesiedelte Drama „Messenhauser“ (1904). Ab 1908 leitete er die sog. Verständigungsaktion zwischen Österr.-Ungarn und Italien.

L.: Das Kleine Bl., NFP, 3. 2. 1929; Kosel 1; Wer ist’s?, 1909; N. Polzer, in: Wr. Geschichtsbll. 42, 1987, S. 5; B. Sommerfeld, Symphil. und Praxis. Stud. zum Frühwerk W. Benjamins, 1998, S. 187; IKG, Wien.
(E. Offenthaler)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 243
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