Teltscher, Josef Eduard (1801–1837), Maler, Zeichner und Lithograph

Teltscher Josef Eduard, Maler, Zeichner und Lithograph. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 15. 1. 1801; gest. Piräus (GR), 7. 7. 1837 (ertrunken); röm.-kath. Sohn von Josef T., der ab 1811 als Brauer in Brünn (Brno) arbeitete. – T. absolv. seine Schulausbildung in Brünn und lernte in der Buchdruckerei Traßler das Lithographieren. Um 1820 übersiedelte er zu seinem Onkel nach Wien, wo er ab 1823 an der ABK stud. 1825 lernte er durch Vermittlung →Johann Baptist Jengers →Franz Schubert kennen, zu dessen Freundeskreis er bald zählte. I. d. F. schuf er zahlreiche authent. und sehr persönl. Porträts des Komponisten und seines Kreises. Wahrscheinl. im Auftrag →Karl Frh. v. Schönsteins fertigte er 1827 oder 1828 seine bekannteste Arbeit mit den Porträts von Schubert, Jenger und →Anselm Hüttenbrenner. 1829 wurde seine Porträtlithographie Schuberts (gedruckt bei der Fa. Mansfeld & Co.) auf Betreiben von dessen Freunden in Wien verkauft, um durch den Erlös das Grabdenkmal Schuberts mitzufinanzieren. Weitere musikhist. Bedeutung erlangte er mit seinen drei dokumentar. wertvollen Bleistiftzeichnungen, die →Ludwig van Beethoven auf dem Sterbebett zeigen (1827). 1829–32 arbeitete T. als angesehener Porträtist in Graz, wo er u. a. im Haus des Bierbrauers und Advokaten Karl Pachler und dessen Frau →Marie Leopoldine Pachler verkehrte, die er über seinen Freund Jenger kennengelernt hatte. Mit Letzterem unternahm er 1837 eine Stud.reise nach Griechenland und besuchte in Athen auch →Anton Gf. Prokesch v. Osten. Bei einem gem. Ausflug kam er durch einen Badeunfall ums Leben. T. gilt neben →Josef Kriehuber als einer der hervorragendsten Porträtlithographen im Wien des Vormärz, seine Miniaturbildnisse werden auf eine Stufe mit jenen →Moritz Michael Daffingers gestellt. Eine große Auswahl seiner Miniaturen, Zeichnungen und Porträtlithographien befindet sich in der Graph. Smlg. Albertina und im Wien Mus., beide Wien.

Weitere W.: Sophie Müller, 1826; Johann Gabriel Seidl, 1829; Irene Kiesewetter v. Wiesenbrunn, Anton Prokesch v. Osten, beide 1830; etc.
L.: Tagesbote (Brünn), 30. 4. 1924; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Toman (s. Josef Emanuel T.); Wurzbach; H. Fuchs, Die österr. Bildnisminiatur 2, 1982; R. Steblin, in: Schubert durch die Brille, Mitt. 11, 1993, S. 119ff.; H. P. Clive, Beethoven and his world, 2001, s. Reg.; S. Bettermann, in: Drei Begräbnisse und ein Todesfall, Bonn 2002, S. 47ff. (Kat.); Schubert-Enz., ed. E. Hilmar – M. Jestremski, 2, 2004; Das Beethoven-Lex., ed. H. v. Loesch – C. Raab, 2008; ABK, Wien.
(A. Nierhaus)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 243f.
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