Tempsky, Karl Friedrich Rudolph (1821–1902), Buchhändler, Verleger und Botaniker

Tempsky Karl Friedrich Rudolph, Buchhändler, Verleger und Botaniker. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 18. 2. 1821; gest. St. Wolfgang (St. Wolfgang im Salzkammergut, OÖ), 23. 7. 1902. Sohn des aus dem thüring. (Bad) Langensalza stammenden Buchhändlers Friedrich Rudolph T. (gest. 1821), der in Prag 1810 die Johann Gottfried Calve’sche Buchhandlung erwarb, und seiner Frau Anna T., geb. André, der Tochter des dt. Pädagogen Christian Karl André (1763–1831). – 1827 übersiedelte die Witwe Friedrich Rudolph T.s nach Stuttgart, 1831 zog sie nach Wien. Nach der Schulausbildung in Stuttgart und an der Erziehungsanstalt Stetten im Remsthal folgte T. seiner Mutter nach Wien, wo er 1834–36 das polytechn. Inst. besuchte und zugleich die Vorlesungen →Joseph Franz Frh. v. Jacquins über Botanik hörte. 1836 trat er bei →Carl Gerold ein, absolv. die Buchhandelslehre und unternahm i. d. F. mehrere Auslandsreisen. 1840 kehrte er nach Prag zurück, arbeitete vorübergehend in der Buchhandlung Borrosch & André und übernahm 1841 von seiner Mutter die Leitung der Calve’schen Buchhandlung, die 1846 in seinen Besitz überging. Nach dem Verkauf derselben 1855 widmete er sich ausschließl. dem Verlagsgeschäft, insbes. der Produktion von Unterrichtsbehelfen. Nach der Aufhebung des Schulbuchmonopols 1850 entwickelte sich sein Unternehmen zu einem der größten Verlage Österr., in dem neben unzähligen Schul- und Lehrbüchern in mehreren Sprachen der Monarchie auch wiss. Fachliteratur sowie populärwiss. und belletrist. Werke erschienen. 1868 kaufte T. die Verlagsartikel der Johann Christian Hermann’schen Verlagsbuchhandlung, 1877 ließ er ein Auslieferungslager in Wien errichten und gründete 1881 ein Tochterunternehmen in Leipzig. Nach der Übernahme der Auslieferung der Publ. der k. Akad. der Wiss. eröffnete T. eine Niederlassung in Wien. 1889 übergab er das Verlagsgeschäft seinem Schwiegersohn Georg Freytag und zog sich aus dem Geschäftsleben zurück. T. tat sich auch als Botaniker hervor. Er entdeckte eine Gattung fossiler Farne, die sein Freund und Lehrer →August Corda 1845 nach ihm benannte; sein über 20.000 Arten umfassendes Herbarium hinterließ er dem botan. Inst. der Prager Univ. Ab 1854 war T. Mitgl., später auch stellv. Präs. der Prager HGK und ab 1868 Dion.rat der Böhm. Sparkasse. 1861 gehörte er als Abg. der dt.-fortschrittl. Partei dem böhm. LT an. Als k. M. der Ges. zur Förderung dt. Wiss., Kunst und Literatur in Böhmen (1891) zeigte er sich als großzügiger Mäzen wiss. Forschung. 1872 erhielt T. das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens.

L.: NFP, 24. 7. 1902; Otto; Wurzbach; Gesammt-Verlags-Kat. des Dt. Buchhandels … 12, 1888, Sp. 2013ff.; Oesterr.-ung. Buchhändler-Correspondenz 43, 1902, S. 489f.; Dt. Arbeit 2, 1902/03, S. 760; R. Schmidt, Dt. Buchhändler. Dt. Buchdrucker 5, 1908, S. 946f.; C. Junker, Vom Buchführer zur Aktienges., 1926, S. 39ff. (m. B.); K. Chyba, Slovník knihtiskařů v Československu od nejstarších dob do roku 1860, 1966–84 (m. L., auch online); Mitt. des Sudetendt. Archivs 85, 1986, S. 24ff.; G. Treffer, Drei Jhh. für Schule und Wiss. Der Verlag Hölder-Pichler-T. und seine Vorgänger, 1990, S. 65ff. (m. B.); A. Köllner, Buchwesen in Prag, 2000, s. Reg. (m. L.); Z. Šimeček, Geschichte des Buchhandels in Tschechien und in der Slowakei, 2002, s. Reg.; Lex. des gesamten Buchwesens 7, 2. neu bearb. Aufl. 2007; F. C. Heller, Die bunte Welt, 2008, S. 411.
(Á. Z. Bernád)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 245f.
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