Tendler, Franz d. J. (1820–1902), Jugendseelsorger und Ordensmann

Tendler Franz d. J., CSsR, Jugendseelsorger und Ordensmann. Geb. Wien, 21. 3. 1820; gest. ebd., 5. 5. 1902; röm.-kath. Sohn von →Franz T. d. Ä. – Nach dem Besuch der Normalschule bei St. Anna erhielt T. bis 1834 Privatunterricht. Anschließend war er bis 1838 Schüler am Wr. Akadem. Gymn. und ging dann phil. und theol. Stud. an der Univ. Wien nach. 1840 trat er in die Kongregation der Redemptoristen ein. Nach seinem Noviziat in Eggenburg legte er 1841 die Ordensprofess im steir. Mautern ab und wurde 1842 in Graz zum Priester geweiht. In seinen ersten Priesterjahren war T. u. a. Nonnenseelsorger bei den Redemptoristinnen in Stein an der Donau. Als der Orden im Zuge der Revolution 1848 in Österr. verboten wurde, wirkte er zunächst als Seelsorger bei den Barmherzigen Brüdern im bayer. Neuburg an der Donau. Ab 1850 war er als Volksmissionar in Bayern, Württemberg, Baden, Böhmen und Schlesien tätig. Nach der Wiederzulassung der Redemptoristen in Österr. kam er 1854 in das Wr. Kloster Maria am Gestade, von wo aus er zunächst erneut als Volksmissionar tätig war. 1857 gründete T. den ersten kath. Jünglingsver. Wiens, der in den folgenden Jahrzehnten zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die kath. Jugendbewegung Österr. wurde und durch seine Z. „Der Bund. Organ für die Interessen der katholischen Jugend“ große Wirkung hatte. 1858 wurde T. als Seelsorger und Katechet an das von Koblenzer Schulbrüdern geführte Waisenhaus am Wr. Alsergrund berufen, wo auch der Jünglingsver. sein Ver.lokal fand. Dort übte er bis zu seinem Tod erhebl. religiösen und sittl. Einfluss – zwar unter traditionellen kirchl. Vorgaben, aber dennoch mit großer Einfühlsamkeit – auf die im Katholizismus verankerte Jugend der Stadt aus. Nachhaltige Bedeutung hatte er durch seine Tätigkeit in der Jugendseelsorge zudem für die christl.-soziale Bewegung. T. wurde u. a. mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone (1883) und der großen goldenen Salvator-Medaille der Stadt Wien (1890) ausgez. Sein ursprüngl. auf dem Wr. Zentralfriedhof bestatteter Leichnam wurde 1932 exhumiert und in der ehemaligen Waisenhauskirche (Wien 9) beigesetzt.

L.: WZ, 5. 5. (A.), RP, 6. 5. 1902 (m. Parte); Bautz; Czeike; G. Freund, P. F. T. C.Ss.R., 1902 (m. B.); C. Dilgskron, „Der gute Pater T.“, 1905 (m. B.); L. Leitgeb – K. Tauscher, Lebensbilder der vom Jahre 1887 bis 1914 verstorbenen Redemptoristen der Österr. Prov., 1924, S. 180ff.; F. Loidl, Geschichte des Erzbistums Wien, 1983, S. 237.
(M. Leitgöb)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 247
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